Neue Felder sollen erschlossen werden
Vor Verkündung des Berufungsurteils plant Microsoft aggressiver denn je

Noch schwebt das Damoklesschwert einer möglichen Aufspaltung in zwei unabhängige Softwarehäuser - eines für Systemsoftware und eines für Anwendungsprogramme - drohend über der Microsoft Corp. Doch die Mehrheit der Analysten geht inzwischen davon aus, dass das US-Berufungsgericht in Washington die vor einem Jahr durch Richter Jackson vorgeschlagene Maßnahme der Aufspaltung nicht folgen wird.

HB PALO ALTO. Es gilt zwar unter Experten als sicher, das der Vorwurf, Marktmacht missbraucht zu haben, nicht völlig vom Tisch genommen wird, doch es könnte zu einer Aufweichung des Urteils aus der ersten juristischen Runde kommen. Vor allem bei der Frage, ob es 1998 rechtens war, Microsofts Webbrowser "Internet Explorer" als festen Bestandteil in das Betriebssystem Windows, damals Version 98, zu integrieren, könnte es zu einer Änderung der "Findings of Facts" durch Richter Jackson kommen.

Kurz vor Verkündung des Berufungsurteils rechnet eine Reihe von Rechtsexperten in der US-Bundeshauptstadt damit, dass der Fall an die erste Instanz zurück überwiesen wird, um dort unter dem Vorsitz eines neuen Richters überarbeitet zu werden.

Doch gerade der Aspekt, ob Microsoft nach Belieben neue Software in sein marktbeherrschendes Betriebssystem Windows einbinden darf, wird weiterhin die Gemüter der Rechtsgelehrten und Konkurrenten erhitzen. Mit Windows XP wird am 25. Oktober eine neue Variante der Systemsoftware auf den Markt kommen, die mit neuen Funktionen gespickt ist.

Sollte bei Windows 98 der Internet Explorer den damals noch sehr mächtigen Konkurrenten Netscape Communications mit seinem dominierenden Navigator im so genannten "Browserkrieg" vom Markt fegen, so hat Bill Gates diesmal die Mediensoftware Real Player von Real Networks, wie Microsoft im Raum Seattle angesiedelt, im Visier.

Nach den Plänen des Chef Software Architekt soll für das Abspielen von Audio- oder Videodateien künftig Microsofts MediaPlayer benutzt werden. Inwieweit den Richtern in Washington diese Situation eines "Media-Player-Kriegs" bewusst ist, ist derzeit noch unklar. Wie das bisherige Verfahren gezeigt hat, sind selbst die weisen Richter in allen Instanzen angesichts der sich extrem rasch verändernden Situation auf dem Technologiemarkt völlig überfordert.

Neben der Kampf der Lokalmatadore in Seattle bereitet Microsoftgegnern und Verbraucheranwälten ein weiteres Element in Windows XP große Sorgen: die Anmeldungssoftware "Passport". Anwender müssen künftig beim ersten Webzugang sich mit einer Reihe von Benutzerdaten wie Wohnort, E-Mail-Adresse und Kreditkartennummer bei Microsoft melden.

Microsoft deklariert diese Registrierung als kundenfreundlichen Service, auf den bei vielen Aktionen im Internet einfach per Mausklick zugegriffen werden kann. Doch der Softwaregigant baut sich damit eine höchst wertvolle weltweite Datensammlung auf. Kritiker rechnen damit, dass Microsoft in einer nicht allzu fernen Zukunft für diese Daten sogar Gebühren von Internet-Händlern erheben wird. Ein derartiges Ansinnen weisen die Verantwortlichen von Microsoft - derzeit - weit von sich.

Nach dem Erwerb der Finanzsoftware Great Plains aus Fargo in North Dakota will Microsoft zudem noch in diesem Jahr Businesspakete (betriebswirtschaftliche Standardsoftware) für kleine Unternehmen anbieten. Neben der wachsenden Bedeutung von Serversoftware soll gerade dieses Angebot den Umsatz noch für einige Jahre absichern.

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