Neue Festnahmen
USA will vorerst keine irakische Regierung

Die US-Regierung will die politische Kontrolle im Irak vorerst nicht aus der Hand geben. Washington habe die für Anfang Juni angekündigte Ernennung einer irakischen Übergangsregierung auf unbestimmte Zeit verschoben, erklärten irakische Politiker am Wochenende. Gleichzeitig versprach die US- Zivilverwaltung im Irak, mit mehr Soldaten und verstärkten Patrouillen in Bagdad künftig für mehr Sicherheit zu sorgen.

HB/dpa BAGDAD/WASHINGTON. Die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" berichtete am Sonntag unter Berufung auf Vertreter irakischer Parteien, der neue US- Zivilverwalter Paul Bremer habe bei einem Treffen am Freitagabend mitgeteilt, wegen der großen Differenzen zwischen den verschiedenen irakischen Gruppierungen habe Washington entschieden, vorerst keine irakische Übergangsregierung einzurichten. Geschaffen werden solle nur eine irakische Übergangsverwaltung, die den Besatzungsmächten beim Wiederaufbau zur Seite stehen solle.

Die ehemaligen Oppositionsgruppen zeigten sich enttäuscht darüber. Seit dem Einmarsch der US-Armee im Irak hat die Bevölkerung immer wieder gefordert, die Amerikaner sollten die Macht einer irakischen Übergangsregierung übergeben, wobei ein Teil der Bevölkerung gegen eine Ernennung dieser Regierung und für freie Wahlen ist.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte dem Hamburger Magazin "Der Spiegel", Deutschland werde sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für eine zentrale Rolle der Vereinten Nationen im Irak einsetzen. Die sei auch eine gemeinsame Position der EU. Entwicklungshilfeministerin Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) forderte, die Verkäufe irakischen Öls müssten unter internationaler Kontrolle stehen, nicht "unter der Verfügung der US-Besatzungsmacht".

Die G-8-Staaten wollen dem Irak keine Schulden erlassen, sind aber für eine bestimmte Zeit zur Stundung bereit. Eine genaue Frist nannten die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) am Samstag im französischen Seebad Deauville dazu jedoch nicht. Der Irak sei "zur Zeit nicht in der Lage", seine Schulden zu bedienen, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD).

Die Amerikaner verstärken unterdessen ihre Bemühungen, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. Innerhalb von 24 Stunden hätten US-Soldaten gemeinsam mit irakischen Polizisten 129 mutmaßliche Straftäter festgenommen, erklärte das Zentralkommando am Samstag. In den meisten Fällen gingen sie gegen Plünderer vor und sammelten Schusswaffen ein. Nach Angaben der US-Armee leidet unter den Plünderungen auch die Öl-Produktion im Irak. "Wir schätzen, dass im Nachkriegs-Irak 70 % der Schäden des Öl-Sektors auf Plünderungen zurückzuführen sind", sagte Armeesprecher Gary Loew.

Das US-Zentralkommando in Katar berichtete, mit dem ehemaligen Generalsekretär der Elitetruppe Republikanische Garde, Kamal Mustafa Abdullah Sultan el Tikriti, sei ein weiteres Führungsmitglied des Regimes von Saddam Hussein in US-Gewahrsam. Kamal Sultan, die Kreuz- Dame in der als Kartenspiel dargestellten US-Liste der gesuchten Iraker, habe sich in Bagdad gestellt. Keine Bestätigung gab es für einen Bericht des arabischen Nachrichtensenders El Arabija über die angebliche Festnahme von Isset Ibrahim el Duri, Saddams Vize im Revolutionären Kommandorat, nahe der Ortschaft Tel Afer im Nordirak.

Im Irak kam es unterdessen zu einer Reihe von Zwischenfällen, bei denen mehrere US-Soldaten verletzt wurden. Wie das US-Zentralkommando mitteilte, eröffneten Unbekannte am Samstag das Feuer auf einen Armee-Lastwagen in der Nähe von Habbanija und verletzten zwei Soldaten leicht. Am Samstagabend wurde einen Tanklaster der US-Armee, der neben einem Benzinlager in Bagdad stand, von einer Granate getroffen und zerstört. Bei einem Unfall mit nicht explodierter Munition in Bagdad starb ein Soldat, drei weitere wurden verletzt.

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