Neue Festnetz-Telefongesellschaften können kaum noch Marktanteile erobern
Telekom-Wettbewerber fürchten die Rückkehr zum Monopol

Die Telekom hält in diesem Jahr ihren Marktanteil bei 86 Prozent in Deutschland weiter stabil. Eine Entwicklung hin zu mehr Wettbewerb im Telekommarkt gibt es daher nach Auffassung der neuen Anbieter nicht.

dri BERLIN. Trotz sinkender Preise boomt der Markt für Telekommunkationsdienstleistungen: Mit 58,6 Mrd. Euro verzeichnet die Branche in diesem Jahr 25 % mehr Umsätze als 1999. Das ist das Ergebnis einer Unternehmensumfrage des Duisburger Professors Torsten Gerpott im Auftrag des Verbandes VATM, in dem sich die Telekom-Konkurrenten zusammen geschlossen haben.

Die gute Nachricht ist fast ausschließlich dem Mobilfunk geschuldet. Die Ergebnisse der Studie über den Festnetzmarkt bezeichnete VATM-Präsident Joachim Dreyer gestern in Berlin hingegen als "Desaster": Die Umsätze mit Festnetzdiensten stagnieren bei knapp über 29 Mrd. Euro. Daran hält die Deutsche Telekom AG 86,6 %, nach 87,3 % im vergangenen Jahr.

"Wenn man ehrlich rechnet, sieht das Bild für die neuen Festnetz-Anbieter noch schlechter aus", sagte Dreyer. Denn 70 % der Umsätze der neuen Festnetzgesellschaften müsse man ebenfalls der Deutschen Telekom zurechnen, weil sie für Vorleistungen an den marktbeherrschenden Netzbetreiber wanderten.

Die Lage der Festnetz-Konkurrenten sei "sehr ernst", so Dreyer. Die Telekom treibe ihre Wettbewerber in der Konkurrenz beim Endkunden mit Dumpingpreisen nachhaltig in die roten Zahlen. Als wichtigster Vorlieferant torpediere die Telekom gleichzeitig gezielt den Einstieg der neuen Anbieter ins Ortsnetz.

Dreyer ist überzeugt, dass sich weitere Unternehmen der Beschwerde der Colt Telecom bei Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle anschließen werden. Wie Colt bauen derzeit etliche Unternehmen die Ortsnetze per DSL-Technik aus, um mittelständischen Unternehmen breitbandige Datendienste anbieten zu können. Zu diesen Unternehmen gehören beispielsweise Riodata, Arcor, QSC und SevenL.

"Es wird Zeit, dass Scheurle gegen die Telekom bei Nichterbringen von zugesicherten Leistungen harte Strafen verhängt", forderte Dreyer. Die höchste wegen Verzögerung je gegen die Telekom verhängte Strafe sei 50 000 DM gewesen; zu wenig, meinte Dreyer. Schließlich würden bei neuen Anbietern massive Verluste entstehen, wenn sie ohne eigenes Verschulden ihre Kunden nicht wie geplant anschließen könnten und ihre Investitionen damit brach liegen.

Nach der Marktstudie von Gerpott bleibt das Ortsnetzmonopol der Telekom auch in diesem Jahr intakt. An den Verbindungsminuten in den Ortsnetzen steigern die neuen Anbieter ihren Marktanteil auf 2,9 %. Bezogen auf die Zahl von Komplettanschlüssen wächst der Anteil der Neuen sogar nur von 0,6 % auf 1,1 %.

Der frühere Debitel-Chef befürchtete, dass der Festnetz-Wettbewerb wieder ganz zum Erliegen kommen könnte. Im letzten Quartal, das von der Umfrage noch nicht erfasst wurde, habe die Telekom teilweise bei Auslands- und Ferngesprächen Marktanteile zurück gewonnen. Laut Gerpott liegt hier der Anteil der Wettbewerber weiter bei 40 %.

Wie schlecht es den Festnetzanbietern wirklich geht, sagt laut Dreyer kein Unternehmer ehrlich, weil dies bei fast allen einem Offenbarungseid gleich käme. "Geld verdienen kann da keiner", so Dreyer.

"Die Analyse zeigt, dass es der Telekom gelungen ist, ihre Marktposition wieder in Richtung Monopol zu festigen", meinte der VATM-Präsident. Auf gar keinen Fall dürfe jetzt die Regulierung gelockert werden, appellierte er an die Bundesregierung. Dreyer foderte außerdem, dass der Bund seinen Anteil an der Telekom (57 %) schnell abbaut.

Funktionierenden Wettbewerb gibt es nach Einschätzung von Dreyer und Gerpott bisher nur im Mobilfunk. Am Gesamtumsatz aller Telekom-Wettbewerber von 23,3 Mrd. DM hat der Mobilfunk einen Anteil von 83,3 %. Auch im Festnetz müsse der Telekom-Anteil möglichst schnell unter 50 % sinken, forderte Dreyer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%