Neue Finanzwelt
Helden und Schurken

Es gibt neue Helden in der Finanzwelt: die Politiker. In den USA ist Finanzminister Hank Paulson ohnehin seit Wochen der einzige Mann, der noch zählt. Aber auch in Europa haben Finanzminister wie Peer Steinbrück oder Christine Lagarde in Frankreich plötzlich ein ganz neues Profil. Es gibt auch neue Schurken in der Finanzwelt.
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Das sind die bisherigen Helden, die Investmentbanker und die Vorstände der großen Finanzkonzerne. Die Politiker werden schnell lernen, die Helden zu spielen. Sie fangen schon damit an, schimpfen auf die Schurken und geben staatsmännisch riesige Milliardenbeträge aus (davon träumt jeder Kommunalpolitiker). Hier und da können sie vielleicht sogar einem Bankmanager, der das Vielfache von ihnen selbst verdient, sein Gehalt kürzen - von so etwas haben wir doch alle schon mal im Stillen geträumt. Dass auch Politiker in früheren Zeiten in Verwaltungsräten von Banken die bösen Zeiten der Gier und des Risikos verschlafen haben - nun, das tritt im Moment in den Hintergrund. Wer klug ist, macht es so wie Peer Steinbrück: Alles, was vor Beginn der Finanzkrise passiert ist, wird so behandelt, als habe es im 19. Jahrhundert oder besser noch vor dem Urknall stattgefunden.

Die Schurken spielen ihre Rolle bisher nicht besonders gut. Sie sind ja auch keine geborenen Schauspieler wie die meisten Politiker. Außerdem ist vielen von ihnen das Gespür dafür abhanden gekommen, wie normale Menschen denken - wenn Geld dumm macht, dann besonders in diesem Punkt. Die meisten haben nicht verstanden, dass Schurken nur dann verziehen wird, wenn sie Reue zeigen. Halbherzig Besserung versprechen genügt nicht. Den Politikern auch noch gute Ratschläge geben, kommt gar nicht gut an.

Zwar ist es richtig, dass die Deutung, die Gier habe das Finanzsystem fast in den Ruin getrieben, etwas simpel (aber auch nicht ganz falsch) ist. Schon allein deswegen, weil Banker wie Anleger immer gierig sind und waren, nach der Logik hätte ja schon viel eher alles zusammenbrechen müssen. Trotzdem: Diese Deutung werden die Schurken nicht mehr los. Sie können noch so viel von "Marktversagen" und "System" reden - letztlich wird jeder sagen: Ihr seid doch das System. Jeder muss mit der Geschichte leben, von der er ein Teil ist. Und es hat sich ja auch gelohnt, in den Heldenjahren davor.

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