Neue Flugzeugtypen bringen frischen Wind in den Markt
Regionalflugzeuge: Komfortabel, schnell und leise

Dorniers Düsenverkehrsflugzeug vom Typ Do 728 beschert volle Auftragbücher und bringt Schwung in den Markt für Regionalflugzeuge.

DÜSSELDORF. Als 1999 die Lufthansa 60 Flugzeuge Dornier Do 728 bestellte, waren viele Luftfahrtfachleute überrascht. Mit einem derartigen Erfolg hatte so schnell kaum jemand gerechnet. Eine Fehleinschätzung: Der Lufthansa-Auftrag markierte den Beginn eines Booms, der eine ganz neue Kategorie von Düsenverkehrsflugzeugen schuf.

Für Dornier kam die Entwicklung weniger überraschend. Das mittlerweile in großen finanziellen Schwierigkeiten steckende Unternehmen hatte den Markt schon seit geraumer Zeit sehr optimistisch eingeschätzt. Insgesamt ging Dornier in einer Studie bis zum Jahr 2008 von dem gewaltigen weltweiten Bedarf von 4 000 Flugzeugen in der Größe von 30 bis 90 Sitzplätzen aus. Zu einer ähnlich optimistischen Einschätzung kam US-Hersteller Boeing, der damit rechnete, dass die Luftverkehrsgesellschaften bis 2020 rund 4 200 Flugzeuge in der Größenordnung bis 90 Sitzplätze benötigen.

Vom Nischenangebot zur Chance

Ein Grund für die Skepsis vieler Fachleute hinsichtlich der Marktchancen der Do 728: Mit rund 70 Sitzplätzen passte sie zunächst in keine der bekannten Flugzeugklassen. Größer als klassische Zubringermaschinen, wie die turbopropangetriebene ATR 72, kleiner und leichter als "richtige" Düsenverkehrsflugzeuge, wie der Airbus A 320, schien sie allenfalls als Nischenangebot eine Chance zu haben. Heute hat sich in der Größenordnung der Do 728 eine ganz neue Flugzeugkategorie etabliert, deren Bandbreite bei etwa 70 Sitzen beginnt und bis zum Airbus A 318 reicht, der mit knapp über 107 Sitzplätzen die Obergrenze dieser neuen Flugzeugklasse markiert.

Kennzeichen der Maschinen im neuen Premium-Regionalverkehr: Es handelt sich durchweg um Jets, die sich in Technik und Design kaum mehr von den etablierten Linienmaschinen unterscheiden. Die neue Flugzeuggeneration bietet den Fluggästen und Fluggesellschaften jetzt erstmals den Komfort eines großen Airliners in Flugzeugen des Regionalbereichs.

Typische Vertreter dieser neuen Flugzeuggeneration sind außer der Dornier Do 728 die Embraer 170 sowie ihre jeweiligen Schwestermodelle. Bei beiden Flugzeugfamilien handelt es sich um brandneue Muster, die von ihren Herstellern genau auf die neue Flugzeugkategorie hin konzipiert wurden.

Die Do 728 ist derzeit der Hoffnungsträger für Fairchild Dornier. Sollte sich für das finanziell schlingernde Unternehmen ein starker Partner finden, dürfte der sein Engagement in Zukunft kaum bereuen. Das Auftragsbuch für die Do 728 ist mit insgesamt 118 Bestellungen und 162 Kaufoptionen schon jetzt prall gefüllt. Läuft alles wie geplant, kann die erste Maschine ab 2003 ausgeliefert werden. 2005 soll dann die größere Do 928 mit 95 bis 110 Sitzplätzen in Dienst gehen.

Direkter Konkurrent von Dornier ist der brasilianische Flugzeughersteller Embraer, der in dieser Flugzeugklasse die Embraer 170, 175, 190 und 195 anbietet und damit ebenfalls ein Sitzplatzangebot von 70 bis 110 Plätzen abdecken kann. Prominenter Erstkunde der neuen Flugzeugfamilie war die Schweizer Fluggesellschaft Crossair, die jetzt zur Keimzelle der neuen Swiss Air Lines geworden ist. Die Auslieferung der ersten Maschine soll noch 2002 erfolgen.

Neben den Maschinen des kanadischen Bombardier-Konzerns, der in diesem Marktsegment die CRJ 700 anbietet, kommen auch die kleinsten Maschinen der beiden Marktführer, Boeing und Airbus, mittlerweile für viele Fluggesellschaften als ernsthafte Kandidaten am oberen Randbereich der regionalen Oberklasse in Betracht. Vor allem Airbus Angebot, die A 318, die im Januar ihren Erstflug absolvierte, hat sich bereits sehr erfolgreich am Markt etabliert. Bisher haben neun Kunden insgesamt 114 Maschinen bestellt. Im Cockpit ist die Maschine mit den größeren A 319, A 320 und A 321 identisch. Das stellt einen großen Vorteil für Airlines dar, die ohnehin schon zahlreiche dieser Airbus-Muster beschäftigen, denn sie können die Piloten flexibel zwischen den Modellen wechselnd einsetzen.

Airbus punktet mit dem "Type Rating"

Der Grund: Jeder Berufspilot benötigt zusätzlich zu seinem Luftfahrtführerschein immer eine Musterberechtigung für einen Flugzeugtyp. Dieses "Type Rating" gilt bei Airbus für die gesamte Flugzeugfamilie von der A 321 bis A 318 modellübergreifend. Setzt eine Airline dagegen einen völlig neuen Flugzeugtyp ein, muss sie kostenintensiv einen Pilotenstamm aufbauen, der über ein entsprechendes Type Rating verfügt und kann diese Besatzungen dann nicht auf anderen Maschinen der Flotte einsetzen.

Bei diesem Vorteil hat der Airbus auf Grund der Ableitung aus der größeren A-320-Flugzeugfamilie aber auch einen Nachteil gegenüber den Maschinen von Dornier oder Embraer: das Gewicht. Mit rund 60 t Startgewicht wird die A 318 deutlich schwerer als die Do 728 mit 35 t oder die Do 928 mit 44 t sein. Und nach dem Gewicht errechnen sich die Überflug- und Landegebühren, die die Airlines zu zahlen haben. Damit böte sich die A 318 vor allem als Kaufoption für Airlines an, die ohnehin zahlreiche Maschinen des europäischen Herstellers im Programm haben, während bei anderen Fluggesellschaften gerade die Modelle von Dornier und Embraer ein enormes Potenzial haben dürften. So gesehen bleibt dann aber auch die Entscheidung der Lufthansa - immerhin einer der großen A-320-Betreiber der Welt - für Dornier, was sie auch 1999 schon war: eine Überraschung.

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