Neue Förderquote ab. 1. Oktober
Opec erhöht Ölförderung um 800.000 Barrel

Die Opec-Länder haben sich dem weltweiten Druck gebeugt und erhöhen die Ölförderung um täglich drei Prozent.

ap WIEN. Nach weltweitem Druck haben die OPEC-Länder eine Erhöhung der Ölfördermengen um 800.000 Barrel täglich beschlossen. Die Entscheidung sei bereits vor dem offiziellen OPEC-Treffen bei vierstündigen informellen Gesprächen gefasst worden, sagten die Ölminister von Algerien und Qatar am Sonntag in Wien. Damit steige die Ölförderung der elf OPEC-Länder von 25,4 Millionen Barrel täglich um drei Prozent auf 26,2 Millionen Barrel. Die neue Förderquote gelte ab 1. Oktober. Vor dem Treffen hatten internationale Organisationen und Staaten die OPEC wegen des Rekord-Ölpreises von rund 35 Dollar/Barrel mit Nachdruck zu einer Erhöhung der Fördermengen aufgefordert.

Die EU und das Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsforum (APEC) hatten unabhängig voneinander vor den Gefahren für das weltweite Wirtschaftswachstum gewarnt, die von der gegenwärtigen Preisentwicklung ausgingen. In einer Erklärung, die die EU-Finanzminister am Samstagabend verabschiedeten, hieß es, `dem Anstieg des Ölpreises muss, wie die OPEC versprochen hat, durch eine erhöhte Produktion begegnet werden, die zu einem niedrigeren Preis führt".

Die Erklärung der APEC, die am Sonntag nach viertägigem Ringen zwischen Erdölproduzenten wie Indonesien und Mexiko und Erdölimporteuren zu Stande kam, lautete: `Wir nehmen die Risiken zur Kenntnis, die sich aus der Instabilität des Erdölpreises für die Erholung der Weltwirtschaft ergeben und für die sich entwickelnden Volkswirtschaften, die stark von den Marktbedingungen abhängen; wir sehen darüber hinaus die Notwendigkeit, die Preise auf einem verlässlichen Niveau zu stabilisieren." Ein Sprecher des Internationalen Währungsfonds (IWF), Shigemitsu Sugisaki, wies darauf hin, dass ein Ölpreis um 40 Dollar das asiatische Wachstum um einen halben Prozentpunkt reduzieren würde. Noch härter würden Entwicklungsländer getroffen.

Ölpreis könnte 2001 wieder bei 20 Dollar liegen

Der saudiarabische Ölminister Ali Naimi hatte bereits am Samstag gesagt, er erwarte, dass die anderen Mitgliedsstaaten dem Vorschlag seines Landes die Ölförderung um mindestens 500.000 Barrel zu erhöhen, zustimmen würden. Experten erklärten, die Produktion müsse um mindestens 700.000 Barrel angehoben werden, damit die Preise wieder sinken. Saudi-Arabien ist der größte Rohölproduzent der Welt und kann daher die anderen zehn Mitgliedsstaaten in ihren Entscheidungen beeinflussen. Die Mehrheit des zusätzlich geförderten Öls müsste aus Saudi-Arabien kommen, das als einziges Land noch entsprechende Kapazitäten zur Verfügung hat. Iran und Libyen hatten sich in der Vergangenheit einer Ausweitung der gesamten Produktion von derzeit 25,4 Millionen Barrel pro Tag widersetzt. Ein Sprecher der iranischen Ölindustrie erklärte jedoch, diesmal sei das Land bereit, den OPEC-Ausstoß um bis zu 700.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Auch der algerische Ölminister Chakib Chelil kündigte seine Zustimmung an. Der Ölpreis könnte nach Berechnungen des Londoner Centre for Global Studies in London im kommenden Jahr bei nur noch 20 Dollar liegen. Das vom ehemaligen saudi-arabischen Ölminister Scheich Ahmed Saki Jamani geleitete Institut in London geht für 2001 von einem stetigen Rückgang der Fasspreise aus. Wie die `Welt am Sonntag" berichtete, kalkulieren die Ölexperten mit einer durchschnittlichen Tagesproduktion in den OPEC-Ländern von 28,8 Millionen Barrel im kommenden Jahr.

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