Neue Frauenzeitschrift startet mit ambitionierten Intenetplänen
Burda will mit "Vivian" den Zeitschriftenmarkt aufmischen

ap/HB OFFENBURG. Mit einem Magazin für politisch interessierte Frauen wagt Burda ein neues Projekt auf dem hart umkämpften Zeitschriftenmarkt. Vom 9. Oktober an soll "Vivian" jeden Montag - in Deutschland traditionell der Tag für informationsorientierte Zeitschriften - für 3,50 DM am Kiosk ausliegen. Neben Schönheit und Mode, Kochen und Wohnen soll das Heft seine Leserinnen auf 120 redaktionellen Seiten auch über Politik, Finanzen und das Internet aktuell informieren. Bei der Konkurrenz ist man gespannt: "Ein neuer Titel bringt auch den Mitbewerbern neue Erkenntnisse", sagt "Brigitte"-Verlagsleiter Jörg Plathner.

Mit der Mischung und Aufbereitung der Themen will sich "Vivian" von allen anderen Frauenzeitschriften abheben. Als Zielgruppe nennt Chefredakteurin Susanne Walsleben "Frauen zwischen 25 und Ende 30, berufstätig, die Spaß an ihrer Arbeit, aber auch Spaß am Leben haben, die sich für Politik, Wirtschaft und aktuelle Themen interessieren, info-orientiert sind und das Internet oft und gerne nutzen".

Also eine Mischung aus "Spiegel" und "Brigitte"? Die frühere Chefin von "Burda Mode" weist das beinahe ärgerlich zurück: Die Wochenzeitschrift werde "das modernste Frauenmagazin mit einer hohen Aktualität und einem hohen Anspruch werden". Es sei keine Frage, dass "man für Frauen Politik anders aufbereiten muss", weil sie "einen anderen Zugang" haben. Auch Finanzen, Business oder Internet sollen "sehr service-orientiert, sehr nutzwertig" behandelt werden, weil Frauen solche Dinge "viel pragmatischer" angingen, sagt die 42-Jährige.

Trendscouts gegen provinzielle Herkunft

Angst, dass die 50 Mitarbeiterinnen in Offenburg von den wichtigsten Trends Neuigkeiten abgeschnitten sein könnten, hat Walsleben nicht: Der Medienpark sei ein idealer Standort. Für aktuelle Nachrichten gibt es Büros in Berlin und Brüssel. Außerdem habe "Vivian" "viele Scouts, die in den Metropolen durch die Gegend ziehen".

Ergänzend zum Heft wird es eine eigenständige, frei zugängliche Internetplattform geben - "Vivian" präsentiert sich gerne auch als "crossmediales" Medium. Im Heft wird es Verweise auf das Internetangebot geben, doch wird es nicht eins zu eins ins Netz gestellt. Bislang ist sowieso nicht viel zu sehen. Die 37-jährige Online-Chefredakteurin Judith Betzler, vorher Unternehmerin im Kunstmanagement, will mit "content, community und commerce" viele Internet-Nutzerinnen erreichen. Immerhin sollen nächstes Jahr schon rund elf Mill. Frauen in Deutschland im Netz surfen.



Für Gewinne braucht Burda 250 000 Käuferinnen

Burda hat in "Vivian" einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Den Anzeigenkunden wird eine verkaufte Auflage von 130 000 Heften garantiert. Um schwarze Zahlen zu schreiben, muss die Zeitschrift 250 000 Käuferinnen finden. An den Start geht "Vivian" mit einer Druckauflage von 600 000 Exemplaren. Marktanalysen haben nach Verlagsangaben eine Zielgruppe von fast drei Millionen potenziellen Käuferinnen und Internet-Nutzerinnen ermittelt.

In Deutschland sei eine große Flut von Frauenmagazinen auf dem Markt, die verschiedene Altersgruppen erreichen, sagt Walsleben, aber "keine Zeitschrift für Frauen, die wöchentlich erscheint und ein hohes Niveau hat". Diese Nische werde "Vivian" besetzen. Dass sich der Verlag, in dem auch "Focus" und Freundin" erscheinen, damit ins eigene Fleisch schneidet, befürchtet Walsleben nicht.

Frauen haben schon jetzt eine große Auswahl an Titeln

"Vivian" trifft auf einen dicht besetzten Markt. Anders als bei Männerzeitschriften, die um Sex, Autos und Sport kreisen, gibt es bereits eine Vielzahl an "reinen" Frauenzeitschriften, die allerdings nach Verlagsangaben auch von nicht wenigen Männern gelesen werden. Im Hochglanzsektor, in dem "Vivian" erfolgreich sein will, werben Titel wie "Marie Claire" (Gruner und Jahr), "Cosmopolitan" oder "Vogue" und "Vogue Business" (Condé Nast) um Käufer.
In der Themenfindung der Magazine spielen Finanzen und das Internet eine immer größere Rolle. So ist nach Informationen der "Wirtschaftswoche" derzeit der designierte Springer-Chef Mathias Döpfner dabei, ein eigenes Frauenportal ins Netz zu bringen. Selbst der Oldie "Brigitte" habe das Intenet entdeckt: Bei der Aktion "Frauen ins Netz" meldeteten sich statt der erwarteten 12 000 Teilmehmer mehr als 200 000 Interessenten für die Einsteigerkurse.

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