Neue Führungsstruktur soll einheitliche Linie bringen – COO ernannt: Bertelsmann nimmt Konzerntöchter enger an die Leine

Neue Führungsstruktur soll einheitliche Linie bringen – COO ernannt
Bertelsmann nimmt Konzerntöchter enger an die Leine

Mit einem angelsächsisch gefärbten Führungsmodell soll der Bertelsmann-Konzern auf einheitlichen Kurs gebracht werden.

DÜSSELDORF. Das ist keine leichte Aufgabe für den neuen Chief Operating Officer der Bertelsmann AG, Gütersloh, Ewald Walgenbach. Denn mit seinem Job sind Einschnitte in die Machtbereiche der Vorstände verbunden.

Vorstandschef (CEO) Thomas Middelhoff will den Medienriesen zu einem integrierten Konzern verschweißen. Doch bislang agieren die operativen Unternehmen unabhängig von der Zentrale und eigenverantwortlich - und damit genau so, wie es Nachkriegsgründer Reinhard Mohn gewollt und umgesetzt hat. Die Nachteile: Reibungsverluste, geringe Kooperationsneigung und aufgeblähte Kosten. Das soll sich durch den COO, der das Tagesgeschäft und die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit organisieren soll, ändern.

Als Flankenschutz hat Middelhoff noch ein siebenköpfiges "Corporate Executive Council" um sich geschart, das, wie es heißt, den Vorstand der AG unterstützen und entlasten soll. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zusammen mit der Ernennung eines COO verlagern sich die Machtverhältnisse. Die Bereichsvorstände Rolf Schmidt-Holtz (BMG), Peter Olson (Random), Klaus Eierhoff (Direct Group) und Bernd Kundrun (G+J) sollen sich auf die Führung ihrer operativen Einheiten konzentrieren.

Strategisch denken und lenken werden der CEO und das Council, in ihm werden neben Middelhoff der Chief Financial Officer (CFO), Siegfried Luther, der COO sowie der Chef von Bertelsmann Capital, Arnold Bahlmann vertreten sein. Hinzu kommen der Leiter der Bertelsmann Inc., New York, der Konzernpersonalchef sowie der Leiter Unternehmenskommunikation.

"Das ist der Kreis, der in erster Linie die Konzerninteressen vertritt," sagte Walgenbach dem Handelsblatt." Die heikle Mission des Council besteht nun darin, für den Vorstand Entscheidungsvorlagen zu erarbeiten. Denn darum geht es Middelhoff eigentlich: Was gut ist für den Konzern, ist auch gut für die Töchter. Man muss es ihnen nur sagen.

Sensible Themen wie Unternehmenskäufe und-verkäufe oder "Shared Services" (Zusammenlegungen zur Kostenoptimierung) sollen zur Sprache kommen. Aber auch "Themen, die man nicht gleich in großer Runde erörtern kann", sagt Walgenbach. Mit anderen Worten: Im Council sollen demnach auch Themen zur Sprache kommen können, die man im Vorfeld ohne den betroffenen Bereichschef diskutieren möchte. Kritiker sehen da schon die Gefahr des "wir hier drinnen, ihr da draußen"-Effekts aufkommen.

Insofern wird es der Council an diplomatischem Geschick nicht fehlen lassen dürfen. Denn echte Durchgriffsrechte auf die Vorstände haben COO oder Council nicht, hier ist deutsches Recht vor. "Es wird einfach Wirkung durch Transparenz entstehen", glaubt Walgenbach.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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