Neue Funktionen werden zuerst in Deutschland getestet
Ebay-Chefin: Deutsches Geschäft ist Vorzeigemodell

Ebay-Chefin Meg Whitman über den Erfolg des weltgrößten Onlineversteigerers.
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Mrs. Whitman, alle 35 Sekunden gibt es auf Ebay den Zuschlag für ein Paar ausgetretene Herrenschuhe - wer ersteigert denn so etwas?

Anscheinend eine ganze Menge Leute. Die müssen ja nicht ausgetreten sein. Viele stammen aus Geschäftsauflösungen. Oder es handelt sich um hochwertige, handgefertigte Modelle. Sie werden nicht glauben, wie viele Leute bereits ihre Anzüge über Ebay erstehen. Es ist mir schon ein paar Mal passiert, dass Leute auf mich zugekommen sind und mir offenbart haben, dass sie ihren Anzug auf Ebay ersteigert haben.

Die geben das wirklich zu?

Ja. Und was ist schon dabei, wenn Preis und Qualität stimmen?

Sie verfolgen eine aggressive Wachstumsstrategie - bis zum Jahr 2005 wollen sie den Ebay-Umsatz von derzeit 750 Millionen Dollar auf drei Milliarden Dollar steigern. Gibt der Markt so viel Wachstum noch her?

Natürlich - und wir setzen dabei sehr stark auf das Ausland. Mittlerweile ist Ebay in 19 Ländern vertreten. Unser deutsches Geschäft ist unser Vorzeigemodell. Es ist unser erster Markt außerhalb Nordamerikas, der profitabel ist. Gleichzeitig ist er so überschaubar und gut gemanaget, dass wir mittlerweile neue Funktionen - wie Festpreisangebote - zuerst in Deutschland testen.Wir setzen sehr stark auf diese Festpreisangebote, bei denen man sofort und ohne Auktion Waren erwerben kann. Dadurch entdecken immer mehr Unternehmen Ebay als effizienten Absatzweg. Viele Kategorien entwickeln sich von selbst - wenn ich da an Ebay Motors denke, das sich fast aus dem Stand mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar zur drittgrößten Gebrauchtwagenbörse entwickelt hat. Und in anderen Kategorien wie Kleidung steckt noch viel. Ich bin immer wieder überrascht, was sich so alles verkaufen lässt.

Ist Ihr Flirt mit Großunternehmen, die Überbestände oder zurückgegebene Ware über Ebay verkaufen, nicht gefährlich? Sie könnten damit Ihre Stammklientel vergraulen - all die kleinen Sammler und Trödler, die Ebay erst groß gemacht haben. Wie sollen die denn mit Ihren Auktionen gegen Großkonzerne mit Markennamen und Tiefpreisen konkurrieren?

Da mache ich mir keine Sorgen. Und wissen Sie, was mich so sicher macht? Es ist unsere Feedback-Funktion, mit der Ebay-Kunden den Verkaufsvorgang bewerten können. Da stellt sich heraus, dass kleinere Händler oft viel bessere Noten bekommen, weil sie wesentlich persönlicher und vor allem schneller reagieren können als große Unternehmen. Außerdem profitieren auch kleinere Händler davon, wenn Branchengrößen über Ebay verkaufen, weil das auch ihnen mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Das bloße Erscheinen von IBM hat das Geschäft in der Kategorie Computer mächtig angekurbelt. Und was ganz wichtig ist - wir haben allen, teils sehr vehementen Forderungen von Großkunden widerstanden, ihnen bei den Gebühren entgegenzukommen. Die sind und bleiben für alle gleich - vom Großkonzern bis zum Briefmarkensammler. Übrigens bin ich sicher, dass wegen der schieren Bandbreite von Ebay auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren über 90 Prozent unseres Geschäftes von kleineren und mittleren Händlern kommen wird.

Eine Bekannte von mir verkauft seit über 30 Jahren Antiquitäten in Kalifornien. Anfangs war sie von Ebay begeistert. Dann stellte sie fest, dass sie in ihrem Laden wesentlich bessere Preise erzielen kann als im Internet.

Das zeigt doch nur, dass Ebay wirklich der transparenteste Marktplatz der Welt ist. Die Balance zwischen Angebot und Nachfrage bestimmt hier wirklich den Preis. Das ist auch der Grund, warum immer mehr Käufer zuerst Ebay konsultieren, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Ihre Anwesenheit sorgt wiederum dafür, dass Verkäufer zu Ebay kommen. Und die kämen nicht, wenn sie keine Geschäfte machen würden. Es reguliert sich also alles von selbst.

Apropos Selbstregulierung - ein Analyst meinte kürzlich, dass die Ebay-Aktie so hoch bewertet sei, liege daran, dass das Unternehmen nach "Monopol rieche". Ist Ebay ein Monopol?

Nein, das können wir schon per Definition nicht sein. Da alles, was wir machen, sichtbar ist, können wir Preise gar nicht manipulieren. Und schon gar nicht die Geschäftsbeziehungen zwischen Käufern und Verkäufern beeinflussen. Ich räume aber gerne ein, dass wir Marktführer sind und bislang nur einen Bruchteil von dem nutzen, was in unserem Geschäftsmodell steckt. Aber selbst ein etabliertes Unternehmen ist nicht vor Wettbewerbern gefeit. Ich denke da an die New Yorker Börse, in deren mächtigen Schatten die Nasdaq entstehen konnte. Weil die New Yorker so hohe Aufnahmekriterien für Unternehmen anlegten, kreierten sie ihren eigenen Wettbewerber. Dieses Problem haben wir nicht, bei uns kann jeder verkaufen, sofern alles mit rechten Dingen zugeht. Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht angreifbar sind. Ich bin immer auf der Hut.

Da Sie immer so gern die Unterschiede zwischen Ebay und Amazon.com betonen - ist Amazon nun ein Wettbewerber oder nicht?

Auf einer gewissen Ebene schon. Schließlich konkurieren wir alle um das Budget der Konsumenten. Ansonsten überwiegen aber die Unterschiede. Amazon ist ein Einzelhändler, wir sind im Auktionsgeschäft. Amazon verkauft auf eigene Rechnung, wir sind Makler zwischen Anbietern und Interessenten. Amazon hat ein eigenes Lager, wir nicht. Sicherlich, auch Amazon versucht, ins Gebrauchtgeschäft zu gehen. Und wir dringen mit unseren Festpreisangeboten auch in Amazons Geschäft ein. Am Ende des Tages haben wir aber doch ein sehr verschiedenes Portfolio.

Also keine Angst vor Amazon.com?

Amazon hat nur ein ganz kleines Stück vom Gebrauchtgeschäft. Ich konnte mich erst kürzlich persönlich überzeugen, wie gut wir im Preiswettbewerb abschneiden. Zu Weihnachten hatte ich meiner Familie einen Flachbildschirmfernseher versprochen, der sowohl bei Onlinehändlern als auch im Geschäft über 9000 Dollar kostete. Eine Menge Geld. Bei Ebay habe ich ihn für 7500 Dollar bekommen - genau das gleiche Modell und fabrikneu. Solange das funktioniert, habe ich keine Sorge.

Angeblich wollte das Internetportal Yahoo im Frühjahr 2000 Ebay übernehmen. Die Verträge waren schon ausgehandelt. Stimmt das?

Ja. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir allein noch nicht groß genug waren.

Letztlich wurden Sie sich doch nicht einig. Ist der Deal mit Yahoo damit endgültig vom Tisch?

Wir sind mittlerweile ein sehr viel stärkeres Unternehmen, mit ganz klarem Fokus. Unsere Eigenständigkeit steht uns gut.

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