Neue Gefahren für die Aktie
Eurotunnel will aus der Krise fahren

Die Investition in ein Prestigeprojekt ist schon viele Anleger teuer zu stehen gekommen. Wer beim Börsengang Ende 1987 Aktien der Eurotunnel Plc gekauft hat, musste jedoch besonders starke Verluste verschmerzen.

HB LONDON. Das Papier des britisch-französischen Unternehmens, das den Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal betreibt, hat bis heute rund 85 % an Wert verloren. Ursachen waren explodierende Baukosten, ein drückender Schuldenberg und eine erschreckend geringe Auslastung.

Auf der Hauptversammlung Ende Mai in Paris gelobte das Management Besserung. Mit einer Doppelstrategie will Eurotunnel-Chef Richard Shirrefs jetzt die Wende schaffen. Erstens soll die Auslastung der Züge über Sonderangebote und Preissenkungen steigen. Zweitens will Shirrefs in Zukunft mit eigenen Güterzügen nationalen Bahnbetreibern Konkurrenz machen.

Die Mehrheit der Aktionäre hat das Konzept offenbar überzeugt. In Paris schmetterten sie Anträge von wütenden Anteilseignern ab, die gleich das ganze Management entlassen wollten. Entsprechend positiv entwickelte sich in den vergangenen Monaten die Eurotunnel-Aktie. Seit ihrem Tief im März legte sie um mehr als die Hälfte auf rund 51 Pence zu.

Trotz des Höhenflugs erwarten einige Analysten kurzfristig weitere Kursgewinne. Marcus Curley von Merrill Lynch hält an seiner Kaufempfehlung fest und gibt ein Kursziel von 75 Pence aus. "Sobald die Konjunktur anzieht, wird auch der Verkehr durch den Tunnel wieder zunehmen", sagt Curley.

Doch Konzernchef Shirrefs muss sich mit der Neuausrichtung sputen, denn schon bald droht ein neuer Rückschlag. In drei Jahren verliert Eurotunnel ein komfortables Sicherheitsnetz. Bisher bekommt das Unternehmen staatliche Finanzspritzen, wenn die Einnahmen aus den Tunnel-Benutzungsgebühren unter den Prognosen liegen. Ab 2006 aber muss der Steuerzahler diese Differenz nicht mehr ausgleichen. Eurotunnel könnte auf einen Schlag jährlich 65 Mill. Pfund seines Umsatzes verlieren - immerhin gut 7 % des Gesamtumsatzes des vergangenen Jahres. "Erst dann brechen für Eurotunnel richtig harte Zeiten an", unkt eine Londoner Analystin.

Zur geringen Auslastung des Kanaltunnels tragen auch Eurotunnels eigene Angebote bei. Mit 6,6 Millionen Fahrgästen hat das Unternehmen im vergangenen Jahr nur halb so viele Menschen auf Autozügen transportiert wie ursprünglich erwartet. Die Frachtsparte schlug sich noch schlechter. Mit 700 000 Tonnen schaffte Shirrefs gerade einmal ein Drittel der Planung. "Der Zeitvorteil im Vergleich zu den Fähren ist zu gering", sagt Analyst Curley.

Eurotunnel will die Auslastung jetzt auch mit eigenen Frachtzügen steigern, die nicht mehr wie bisher an den Tunneleinfahrten enden sollen. Schon Anfang 2004 will das Unternehmen Waren auch von entfernteren Zielen befördern. Eine Lizenz dafür hat Shirrefs bereits beantragt.

Zudem hat der Manager setzt der Manager auf eine ungewöhnliche Strategie: Er will britischen Pendlern den Umzug nach Nordfrankreich schmackhaft machen, wo die Hauspreise deutlich unter denen im südenglischen Kent liegen.

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