Neue Gefahren für die Anbieter von Wagniskapital
Steuerpläne alarmieren Beteiligungsbranche

Die Steuervorhaben der Regierungskoalition haben die Anbieter von Risikokapital elektrisiert.

pk FRANKFURT/M. Mittlerweile sind zwar einige Korrekturen an der Vorlage für das Steuervergünstigungsabbaugesetz erfolgt, per Saldo sehen die Risikofinanzierer aber weiterhin gravierende Nachteile für die Venture-Capital-Gesellschaften, sagte Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), gestern in Berlin.

Als problematisch gilt für die Fachleute des BVK der neu gestaltete Wegfall des Verlustvortrages bei einem Gesellschafterwechsel. Der Entwurf sehe in der letzten, einsehbaren Fassung vor, dass beim Erwerb der Mehrheit der Stimmrechte an einer Gesellschaft der Verlustvortrag und die-verrechnung gegen Gewinne nicht mehr möglich ist. Diese "change of control"-Klausel wäre für die Wagnisfinanzierer ein großes Problem, weil sie über Nachfinanzierungen in der Regel automatisch die Kontrolle über das junge Unternehmen erlangen. Michael Kreft, Rechtsanwalt und Steuerberater bei der Kanzlei SJ Berwin, weist außerdem darauf hin, dass bei den Vorstellungen der Koalition eine "Sanierungsklausel" fehlt. Der Einstieg eines Finanzinvestors in eine sanierungsreife Firma werde unattraktiv, wenn dabei die Verlustverrechnung nicht mehr möglich wird. Gerade in solche "turnaround"-Situationen wollen aber einige Fonds ihr Eigenkapital investieren. Ein Ausweg wäre eventuell eine Syndizierung, so dass ein einzelner Investor nicht in die Mehrheitsposition kommt.

BVK-Geschäftsführer Frommann glaubt, dass der Gesetzesentwurf zwar auf die großen Konzerne zielt, dabei aber - sozusagen ungewollt - den Risikokapitalgebern schadet. Gerade ein Buyout, also der Herauskauf eines Konzernteils oder die Übernahme eines Mittelständlers durch Finanzinvestoren, werde unattraktiv. Denn die Beteiligungsfonds streben in der Regel eine Mehrheitsübernahme an. Der BVK, der über 200 Beteiligungsgesellschaften vertritt, empfindet auch die vorgesehene Mindestbesteuerung der Gewinne als "schmerzhaft", weil sich der Zeitraum, bis ein Gründerunternehmen seine Anfangsverluste wieder ausgeglichen hat, verlängern dürfte.

Besonders bei der Frühphasenfinanzierung seien die Folgen laut BVK gravierend. Beispielsweise wären zahlreiche der rund 350 in den vergangenen fünf Jahren gegründeten Biotechnologie-Unternehmen "in ihrer Existenz gefährdet". Regional betroffen wären vor allem Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen, wo laut der Unternehmensberatung Mackewicz & Partner das meiste Risikokapital investiert wird.

Die Steuerpläne kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Beteiligungsmarkt auch mit Haus gemachten Problemen kämpft. In der Gründereuphorie von 1998 bis 2000 wurden zahllose schlechte Geschäftsmodelle finanziert, unter den Abschreibungen hat die Branche noch lange Zeit zu leiden. Die Gründerkultur liegt auch ohne neue Steuerprobleme am Boden. Laut einer Umfrage von b-business partners zusammen mit der TEG - The Entrepreneurial Group, können sich derzeit nur noch 6 % der Studenten eine Firmengründung vorstellen.

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