Neue Generation von Führungskräften
Versicherungsbranche: Überall sicher sein

So viel Aufbruch war nie, in den Zentralen der Versicherungskonzerne: Wettbewerb, Terroranschläge, Riester-Rente, private Krankenversicherungen - eine neue Generation von Führungskräften ist gefragt. Die neuen Manager müssen die Versicherer mit Geschick und Weitsicht neu am Markt positionieren.

DÜSSELDORF. Das weiß auch Michael Rosenberg, Vorstandsvorsitzender der Victoria Lebensversicherung in Düsseldorf: "Wir befinden uns in einem Wettbewerb, in dem strikte Kundenorientierung, Markenqualität und die Optimierung nachhaltiger Wertschöpfung über den Erfolg entscheiden."

Um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden, wollen die Versicherer vor allem ihren Vertrieb verbessern. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum in Düsseldorf sind deshalb vor allem Vertriebsmanager, Marketingmanager für den Vertrieb und Führungskräfte für die Entwicklung neuer Produkte auf dem Arbeitsmarkt begehrt.

Mit ihnen wollen Victoria & Co. näher ran an ihre Kunden. Denn die informieren sich heute gründlicher und sind weitaus wählerischer und anspruchsvoller geworden. Folge: Sie springen auch leichter ab. "Wer den Kunden nicht gewinnt, braucht keinen Geschäftsprozess und damit keine Optimierung", bestätigt Joachim Lemppenau, Vorstandsvorsitzender der Volksfürsorge in Hamburg. "Die Zukunft gehört den Versicherungsunternehmen, die sich als schnelle und flexible, sachkundige Partner der Kunden verstehen. Das ist wichtiger als der Preis und schöne Technik."

Aber auch die Suche nach neuen und gewinnträchtigen Geschäftsfeldern ist eine der zentralen Aufgaben der Versicherungsmanager. Das Privatkundengeschäft bietet in der Personenversicherung Chancen, ebenso die Riester-Rente. German Becker, Geschäftsführer des Münchener Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen sieht hier großen Bedarf an Fachkräften der mittleren Führungsebene.

Schwierig ist vor allem die Koordination von Kooperationen: "Die Entscheider bei internationalen Allfinanzkonzernen müssen die weltweite Markbedeutung, Größe und Vernetzung der Versicherungs- mit den Bankgeschäftsfeldern und-prozessen im Auge haben", sagt Rolf Arnold, Professor für Versicherungswesen an der Fachhochschule Köln.

Geschäftsfelder outsourcen

Mögliche Wege der Zusammenarbeit sind Gemeinschaftsunternehmen oder das Outsourcen von Geschäftsfeldern. Dabei müssen die Partner allerdings harmonieren. "Kooperation bedeutet Kompromisse", warnt Frank Altmeyer, Bereichsleiter Financial Services bei Kienbaum Management Consultants in Düsseldorf. "Manager, die kooperieren, sollten diplomatisch veranlagt sein."

Durch den Ertragsrückgang der vergangenen Jahre müssen Führungskräfte außerdem in der Lage sein, einen konsequenten Sparkurs zu planen - und durchzusetzen. Die Automatisierung der Geschäftsabläufe steht da ganz oben auf der Agenda. Nach Untersuchungen der Berater von Mummert + Partner stecken Versicherungsunternehmen mittlerweile jeden vierten Euro in die Verbesserung von Prozessen.

"Der Kostendruck ist hoch. Stärkere Transparenz am Markt wird ihn noch erhöhen", schätzt Volksfürsorge-Chef Lemppenau. Der Kostendruck belastet nach Beobachtung von Versicherungsprofessor Arnold insbesondere kleine und mittlere Anbieter. Hier müssten die Manager nicht nur sparen, sondern auch Marktnischen finden: "Die Entscheider dieser Unternehmen werden die Kostenreduzierung, die Marktpositionierung in Nischen und die wertorientierte Vertriebssteuerung als wesentliche Ziele verfolgen."

Neue Anforderungen an Bewerber

All diese Veränderungen haben auch die Anforderungen an Bewerber gewandelt. Gefordert werden neben dem Spezialwissen über die Branche immer häufiger ein klassisches Hochschulstudium, sehr gute EDV-Kenntnisse, Fremdsprachen sowie Fach- und Führungserfahrung. "Das Management muss von der Qualifikation globaler angelegt sein. Spezialisten sind wichtig, Manager mit dem nötigen Makroblick werden den Markt bestimmen", sagt Kienbaum-Mann Altmeyer. Das bestätigt auch Klaus Leciejewski, Chef der Kölner Personalberatung KDL-Consulting: "Interessant sind Manager, die gesamtwirtschaftlich denken und IT-technisch versiert sind."

Victoria-Vorstand Rosenbergs sucht Topleute, die nicht nur viel über die Branche wissen, sondern dieses Wissen auch nutzen können: "Eine Führungskraft muss über ganze Produktpaletten nachdenken können." Entscheidend sei das Denken über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus und der professionelle Einblick in des Zusammenwirken von Netzwerken. Kreativität und Phantasie geben den besonderen Kick: Wer hätte beispielsweise gedacht, dass sich Versicherungen im Kaffeegeschäft verkaufen lassen, wie dies die Axa Colonia derzeit bei Tchibo tut?

"Neben den klassischen Ausbildungen werden Manager mit außergewöhnlichen Ideen in Verbindung mit einer betriebswirtschaftlichen Bodenhaftung Vorteile haben", sagt Berater Altmeyer. "Ein erfolgreicher Versicherungsmanager muss zuhören können, offen und kommunikativ sein", bringt Victoria-Chef Rosenberg sein persönliches Erfolgsrezept auf den Punkt. "Aber gleichzeitig muss er seine Visionen durchsetzen können."

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