Neue Generation von Kunstherzen
Blut-Turbo statt Pumpe

Das vor wenigen Tagen erstmals implantierte Herzunterstützungssystem "Incor I" der Firma Berlin Heart AG gehört zu einer neuen Generation von Kunstherzpumpen, die der Herzchirurgie einen deutlichen Schub nach vorn geben wird.

dpa BERLIN. Statt das menschliche Blutsystem nachzuahmen und hydraulisch das Blut pulsierend zu pumpen, arbeiten so genannte axiale Systeme mit einem Propeller, der Blut kontinuierlich in die Hauptschlagader drückt.

Bis vor wenigen Jahren wagten Ärzte nicht daran zu denken, einen todkranken Herzpatienten einmal mit einem stetig fließenden Blutstrom zu retten. Die jüngsten Ergebnisse jedoch sind sehr ermutigend. "Überraschend ist natürlich, dass der Puls bei den Patienten verschwindet", erläuterte Roland Hetzer, Chefchirurg des Deutschen Herzzentrums Berlin, am Dienstag in Berlin.

Das kranke Herz ist so schwach, dass es von der Blutflusspumpe überspielt wird. Viereinhalb Jahre wurde das neue System an Kälbern erprobt. "Wir waren unsicher, wie empfindliche Organe auf den kontinuierliche Blutfluss reagiert", erzählte Hetzer. "Wir haben aber keinerlei Störung feststellen können. Alle Organe funktionieren völlig normal."

Mit 6000 bis 8000 Umdrehungen pro Minute schiebt der Rotor das Blut von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader. Der Rotor aus Titan wird von einem Magnetfeld angetrieben und liegt damit berührungslos in der nur 180 Gramm schweren Kapsel. Bislang schon leben mehrere Menschen mit einem pulsierenden Kunstherz zu Hause, aber ihre hydraulischen Maschinen fauchen bei jedem Pumpvorgang. "Damit können sie nicht ins Konzert gehen", scherzt Hetzer.

Die neuen Systeme laufen völlig geräuschlos. Und sie sind wesentlich kleiner. Lediglich ein Batteriepack muss außerhalb des Körpers getragen werden. Damit kann es auch im schmalen Brustkorb einer kleinen Frau eingepflanzt werden.

"Incor I" ist nicht das einzige derartige Kunstherz. Bereits im November 1998 wurde das axiale DeBakey-Herz, eine Entwicklung im Zusammenarbeit mit der US-Weltraumbehörde NASA, eingeführt - jedoch nicht in den USA, sondern am Deutschen Herzzentrum im Berlin. Mit dem LionHeart der US-Firma Arrow steht seit Herbst 2000 auch ein vollimplantierbares Linksherzunterstützungssystem zur Verfügung. Incor I soll aber preiswerter sein als die beiden.

Der Finanzchef der Herstellerfirma Berlin Heart AG, Klaus Würtenberger, will von Deutschland aus den weltweiten Markt erobern. Berlin Heart will das Kunstherz ebenfalls zu einem voll implantierbaren System weiterentwickeln, doch noch liegen keine Erfahrung mit dem Langzeiteinsatz vor. Und an noch einer Innovation wird derzeit gefeilt: Der Flügelrotor soll durch Geschwindigkeitsänderung einen Pulseffekt erzeugen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%