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Neue Gewalt in Gaza

Im Gaza-Streifen ist es am Donnerstag wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen, nachdem sich erst in der Nacht zuvor Vertreter Israels und der Palästinenser zu Sicherheitsgesprächen getroffen hatten.

rtr JERUSALEM. Ein Palästinenser wurde nach palästinensischen Angaben bei Kissufim im südlichen Gaza-Streifen von israelischen Soldaten erschossen. Zwei weitere seien verletzt worden, berichteten Augenzeugen. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, er sehe Anzeichen dafür, dass Palästinenser-Präsident Jassir Arafat einsehe, dass er mit Gewalt nichts erreichen könne. Unterdessen zahlte die Arabische Liga die erste Rate ihrer Finanzhilfe an die Palästinenser aus.

Die israelische Armee teilte mit, jüdische Siedlungen seien erneut von Palästinensern mit Granaten beschossen worden. Nahe der israelisch-ägyptischen Grenze seien zwei Soldaten angeschossen worden, südlich von Jerusalem habe ein Heckenschütze einen israelischen Soldaten verwundet.

Die Gespräche zwischen den Konfliktparteien am Mittwoch waren Angaben aus palästinensischen Regierungskreisen zufolge auf Drängen der USA zu Stande gekommen. "Wir haben die israelische Seite aufgefordert, die Belagerung und Abschottung der Palästinenser-Städte im Westjordanland und im Gaza-Streifen zu beenden", sagte der palästinensische Sicherheitschef Abdel-Rasek el Madschajdeh. Eine neues Gespräch könnte Anfang nächster Woche stattfinden, hieß es in Palästinenserkreisen.

Scharon sagte in einem Interview der Zeitung "Jedioth Ahronoth", Arafat beginne zu verstehen, dass es bei einer Fortsetzung der Gewalt keine Verhandlungen geben werde. "Meiner Meinung nach ist es möglich, mit Optimismus nach vorn zu blicken", ergänzte er. Für ihn sei aber klar, dass "Arafat kein Freund Israels" sei. Scharon schloss eine Besetzung der palästinensischen Autonomiegebiete aus, kündigte aber weitere Militäraktionen zur Eindämmung der Gewalt an.

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen (UNO), Terje Roed-Larsen, warnte davor, dass die Gewalt außer Kontrolle geraten könnte. Die Regierungen der USA und Russlands haben Israelis und Palästinenser in einer gemeinsamen Erklärung aufgefordert, die Feindseligkeiten zu beenden. Beide Seiten sollten aufeinander zugehen, um eine friedliche Lösung zu finden. Seit Beginn des Aufstandes im vergangenen September starben über 450 Menschen, hauptsächlich Palästinenser.

Die Arabische Liga teilte in Kairo mit, die erste Rate der versprochenen Finanzhilfe sei an die Palästinenser ausgezahlt. In einem Reuters vorliegenden Schreiben der Liga hieß es, die Islamische Entwicklungsbank habe mitgeteilt, dass die erste Monatsrate des Kredits in Höhe von 30 Mill. $ (rund 66 Mill. DM) an die palästinensische Autonomie-Behörde transferiert worden sei. Die arabischen Staats- und Regierungschefs hatten auf ihrem Gipfel in der jordanischen Hauptstadt Amman Ende März den Palästinsern eine Finanzhilfe in Höhe von 180 Mill. $ zugesagt, verteilt über sechs Monate. Mit dem Geld sollen laufende Kosten der Palästinenser-Regierung gedeckt werden.

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