Neue Handelsblatt-Serie
Mit der T-Aktie geht es wieder aufwärts

Jeder dritte deutsche Privatanleger hat die T-Aktie in seinem Depot.Und - je nach Einstiegskurs - mehren sich nach dem spektakulären Kursverfall die Zeichen für eine Besserung.

DÜSSELDORF. Kein Börsengang hat in Deutschland mehr Aufmerksamkeit erregt als die Emission der T-Aktie im Jahr 1996. Jeder wollte die Papiere der Deutschen Telekom haben, darunter viele Anleger, die zuvor noch Aktien gekauft hatten. Da verwundert es kaum, dass der Kursverfall der Aktie seit dem Höchststand von rund 100 Euro nicht minder spektakulär verlief. Gleichwohl hat gut jeder dritte deutsche Privatanleger die T-Aktie in seinem Depot. Und - je nach Einstiegskurs - mehren sich die Zeichen für eine Besserung.

Nach zweijähriger Durststrecke ist die Deutsche Telekom im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Mit Ausnahme der konjunktursensiblen Systemsparte entwickelten sich alle Geschäftsfelder (T-Com, T-Mobile, T-Online) gut. Andreas Heinold, Aktienanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bewertet die Quartalszahlen als "Traumstart ins Jahr 2003". An dessen Ende will Konzernchef Kai-Uwe Ricke jetzt ebenfalls eine "schwarze Null" präsentieren.

Ihr größtes Problem, die hohe Verschuldung, scheinen die Bonner früher als erwartet in den Griff zu bekommen. Im ersten Quartal sank der Schuldenstand, auch begünstigt durch die Dollarschwäche, um 4,8 Mrd. auf 56,3 Mrd. Euro.

Mit der T-Aktie geht es wieder nach oben. Seit März stieg das Papier um rund 40 Prozent von 9,13 Euro bis auf 12,85 Euro. Für Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim liegt der faire Wert hingegen bei 23 Euro: "Ich glaube, die Aktie wird momentan deutlich unterschätzt. Die Telekom gehört zu den wachstumsstärksten Unternehmen im gesamten Sektor und hat einen sehr hohen Cash-Flow. Dafür ist die Aktie viel zu billig", urteilt der Analyst.

Voicestream entwickelt sich besser als erwartet

Große Hoffnungen setzen Experten vor allem auf das Mobilfunkgeschäft der Telekom. Im ersten Quartal war T-Mobile größter Wachstumsträger im Konzern und baute seine Marktstellung in Deutschland mit nunmehr über 25 Millionen Kunden aus. Noch besser entwickelte sich das Geschäft in den USA. Hier gewann T-Mobile mehr als 900 000 Kunden hinzu und verdreifachte den Überschuss. "T-Mobile ist in den USA auf dem besten Weg, die Kundenbasis auf ein Niveau zu bringen, auf dem sich gut operieren lässt", lobt LBBW-Analyst Heinold.

Damit entwickelt sich die US-Gesellschaft Voicestream besser als Analysten und die Telekom selbst dies erwartet hatten. Allerdings ist die Zukunft der US-Tochter weiter unklar. "Die wahrscheinlichste und für T-Mobile ertragreichste Variante ist wohl, die US-Gesellschaft mittelfristig in ein Joint Venture einzubringen", schreiben die Analysten der Hypo-Vereinsbank in einer Studie.

Das hohe Wachstum des Handy-Geschäftes geht indes teilweise zu Lasten der Festnetzsparte T-Com. Diese leidet unter sinkenden Umsätzen, weil Festnetzkunden zunehmend auf Mobiltelefone umsatteln. "Die Wachstumsraten im Festnetzgeschäft sind grundsätzlich sehr gering bis negativ, da macht die Telekom keine Ausnahme", sagt Rothauge. Auch führt die Deregulierung des Marktes zu einem Preisverfall für Festnetzgespräche. Die Telekom versucht dies allerdings durch höhere Grundgebühren aufzufangen. Inzwischen übertreffen die Umsätze mit Telefonanschlüssen die Gesprächsumsätze. Eine weitere Grundgebührenerhöhung steht wohl kurz bevor: "Das würde der Telekom einen beachtlichen Zusatzumsatz ohne weitere Kosten einbringen", erwartet Rothauge.

Als langfristiger Wachstumsmotor sowohl im Mobilfunk- als auch im Festnetzgeschäft könnte sich die gute Marktstellung der Telekom in Osteuropa erweisen. Hier hat sich das Unternehmen stärker als andere europäische Telefongesellschaften in lokale Anbieter eingekauft und dürfte langfristig von dem beträchtlichen Wachstumspotenzial der Region profitieren.

Fazit: Kursniveaus wie im Jahr 2000 werden auf absehbare Zeit nicht wieder drin sein. Wer aber bereit ist, seine Ziele bescheidener zu formulieren, kann mit der T-Aktie auf attraktive Kursgewinne hoffen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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