Neue Handydienste erhöhen die Ansprüche an die Software
Microsoft und Nokia kämpfen um Vorherrschaft

Mit den neuen technischen Ansprüchen an Mobiltelefone wird intelligente Software für Handys unabdingbar. Nun kämpfen Nokia, Siemens, Microsoft und Co um die Vorherrschaft.

HB DÜSSELDORF. Der Markt für Mobiltelefone ist eigentlich in festen Händen: Nokia dominiert mit einem Marktanteil von fast 40 %. Konkurrenten wie Motorola, Siemens, Samsung und Sony-Ericsson liegen abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Nun bekommt Nokia Konkurrenz vom Goliath der Weltwirtschaft - Bill Gates steigt in das Geschäft der mobilen Kommunikation ein.

Handys haben sich längst zu mobilen Multimedia-Geräten gewandelt, den so genannten Smartphones. Heute ist es möglich, Fotos zu schießen und zu versenden, Videosequenzen abzuspielen, neben SMS auch E-Mails zu verschicken sowie im Internet zu surfen. Diese zusätzlichen Handyfunktionen werden spätestens mit der UMTS-Einführung noch aktiver vermarktet. Damit wächst die Nachfrage nach moderner Software. Es scheint ein Paradigmenwechsel möglich: Handys und Software werden nicht mehr nur aus einer Hand kommen.

Microsoft versucht seit geraumer Zeit, in das lukrative Geschäft der Mobilkommunikation mit Eigenentwicklungen von Betriebssystemen einzusteigen. Ziel ist, die erlangte Windows-Monopolstellung um ein zusätzliches Feld zu erweitern. Bislang aber lässt der Erfolg auf sich warten. Einer der ersten Mobilfunkanbieter für das Microsoft-Betriebssystem Smartphone 2.0 ist T-Mobile. Das Unternehmen musste unlängst bekannt geben, dass die Markteinführung auf Grund technischer, insbesondere sicherheitsrelevanter Probleme verschoben wird. Der britische Handyhersteller Sendo hat seine Kooperation mit Microsoft gar beendet.

Wird Nokia am Ende die Nase vorne haben? Die Finnen haben früh erkannt, dass die Entwicklung von Betriebssystemen wichtig ist. Mit führenden Handyherstellern wie Siemens, Motorola, Samsung und Sony-Ericsson haben sie bereits 1998 das Joint Venture Symbian gegründet. Symbian ist schon auf dem Markt etabliert. Das neue Nokia 3650 Smartphone wird von Symbian-Software unterstützt. Für den Endkunden erscheint dieser Zusammenschluss der Handyhersteller sinnvoll. Wenn alle Handys das gleiche Betriebssystem nutzen, wird die herstellerunabhängige Interaktivität gewährleistet.

Doch Vodafone und Orange, zwei führende Mobilfunkanbieter, beschreiten neue Wege und investieren selbst in die Entwicklung von Betriebssystemen. Beide Firmen haben sich mit rund 3,5 Mill. Dollar an der amerikanischen Firma Savaje beteiligt. Hauptziel ist die Unabhängigkeit von Handyherstellern.

Die Trennung von Hardware und Software hält unaufhaltsam Einzug in die Handywelt. Neue Handydienste benötigen intelligente Betriebssysteme und Software. Auf Grund der Schnelllebigkeit der Systeme ist eine herkömmliche Standardisierung fast unmöglich. Es wird daher zu einer Palette von Marktstandards kommen.

Der Traum, von Smartphone zu Smartphone weltweit rund um die Uhr zu kommunizieren, muss unerfüllt bleiben, solange viele Anbieter eigene Standards entwickeln. Entscheidend wird nicht der Kampf um das beste Betriebssystem, sondern die Entwicklung von herstellerunabhängigen, offenen Plattformen für mobile Anwendungen mit einem möglichst hohen Kompatibilitätsgrad. Am Ende wird derjenige Betriebssystem-Anbieter ohnmächtig dem Marktgeschehen zuschauen, der diese Erfolgsfaktoren nicht berücksichtigt.

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