Neue Herausforderungen heißen Wissensmanagement und Internet
Potenzial für Anbieter von Archivsystemen

Der Markt für Dokumenten- Management-Systeme ist im Wandel: Das Einscannen von Papierbergen reicht nicht aus. Gefragt sind vielmehr Wissensmanagement und Technologie rund ums Internet.

Die meisten Menschen finden Archive langweilig. Angestellte, die damit zu tun haben, tragen meist dicke Brillen und gelten gemeinhin als wenig temperamentvoll. Genauso staubig müssten die Hersteller von Dokumenten-Management-Systemen (DMS) sein. Doch weit gefehlt: Die Branche befindet sich im Umbruch. Das Internet eröffnet neue Anwendungsmöglichkeiten. Experten schätzen, dass der DMS-Markt, der 1999 ein Volumen von weltweit 17 Mrd. US-$ umfasste, in den nächsten drei Jahren jährlich um 20 bis 25 % wachsen wird.

In Europa gehören SER Systeme und CE Computer Equipment, die am Neuen Markt gehandelt werden, zu den Marktführern. Beide Unternehmen haben in den vergangenen Monaten neue, intelligente Produkte heraus gebracht. Davon profitierten auch die Aktienkurse. CE Computer legten seit Jahresanfang um knapp 120 % zu. M.M. Warburg und die DG Bank sehen noch weiter Luft und empfehlen den Titel zum Kauf.

Auch SER Systeme hat nach Vorlage der Halbjahreszahlen viele Kaufeinstufungen geerntet, unter anderem von HSBC Trinkaus & Burkhard, Commerzbank, BHF-Bank und BfG Bank. Der Umsatz legte in den ersten sechs Monaten um 58,8 % auf 85,3 Mill. Euro zu. Der Gewinn vor Steuern (Ebit) sank allerdings von 8,17 Mill. Euro auf 6,42 Mill. Euro. Analysten machen dafür hohe Personal- und Werbekosten verantwortlich. Für das Gesamtjahr rechnet Marcus Schumacher, Software-Analyst bei der BHF-Bank, mit einem Umsatz von 220 Mill. Euro. Große Erwartungen setzt er dabei auf die neue Software SERbrainware, die im Bereich Wissensmanagement eingesetzt wird.

Die Denkstruktur des Gehirns nachbilden Das Programm kann unstrukturierte Dokumente inhaltlich erschließen und klassifizieren. Der Clou: Das System "lernt" mit Hilfe von Beispielen, nach welchen Präferenzen die Informationen eingeordnet werden sollen. "Es basiert auf künstlichen neuronalen" Netzen, die versuchen, die Denkstruktur des menschlichen Gehirns nachzubilden, erklärt Schumacher.

Seiner Meinung nach habe der Markt das Potenzial dieses Produkts noch nicht voll erkannt. Dabei sei Wissensmanagement ein wichtiger Trend: "Die Mitarbeiter werden immer stärker von Informationen überflutet. Außerdem gibt es heute eine stärkere Fluktuation im Personalbereich. Ein Mitarbeiter kann nicht mehr alles wissen."

Auch CE Computer Equipment hat mit Cetiq ein intelligentes Informationsmanagementsystem Das Unternehmen arbeitete bei der Entwicklung mit dem Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in Kaiserslautern zusammen. Durch die Kooperation habe CE Computer einen großen Vorteil, meint Thorsten Barnstedt, IT-Analyst bei M.M. Warburg.

Zu seiner Kaufempfehlung habe auch die gute Positionierung des Unternehmens beigetragen. So hat CE Computer in den USA zugekauft, dem wichtigsten Markt für DMS-Anwendungen. Belegt wurde der Erfolg des Unternehmens mit Vorlage der Halbjahreszahlen. So stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58,55 % auf 31,33 Mill. Euro. Der Vorsteuergewinn konnte sogar um 90,72 % auf 4,16 Mill. Euro verbessert werden. "CE Computer Equipment zählt zu den Qualitätstiteln am Neuen Markt", lobt Barnstedt. Er hat für die Aktie, die derzeit bei rund 155 Euro notiert, ein Kursziel von 174 Euro.

Kleindienst ist sehr klein Dass es in der DMS-Branche jedoch nicht für alle Anbieter rosig aussieht, zeigt das Beispiel Kleindienst Datentechnik. Das Unternehmen gehört mit einer Marktkapitalisierung von gut 25 Mill. Euro und einem Aktienkurs von knapp über sechs Euro zu den kleineren am Neuen Markt. Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2000 hatten den Kurs noch weiter sinken lassen. Der Umsatz konnte mit 30,6 Mill. Euro in etwa auf dem Vorjahresniveau gehalten werden. Doch der Vorsteuerverlust hat von 6,6 Mill. auf 7,3 Mill. Euro zugelegt. Für das Gesamtjahr mussten die Prognosen zurückgenommen werden.

Die Probleme liegen im Stammgeschäft des Unternehmens, dem Zahlungsverkehr. Kleindienst Datentechnik bietet Banken Lösungen für die Verarbeitung von Dokumenten aus dem Zahlungsverkehr an. "Das Geschäft ist im zweiten Quartal völlig eingebrochen", sagt Thorsten Reigber, Analyst bei der GZ-Bank. Als Grund dafür nennt er die Fusions- und Outsourcing-Diskussion im Bankenbereich, die zu einer Investitionszurückhaltung auf der Kundenseite geführt habe.

Zum Ausgleich bemüht sich das Unternehmen, im Dokumenten-Management Fuß zu fassen. Kleindienst Datentechnik erwartet im laufenden Jahr einen Umsatz von rund 1 Mill. Euro in diesem Bereich "Doch der Anteil ist noch zu klein und im Stammgeschäft sehe ich noch keinen Turnaround", sagt Reigber. Er bewertet die Aktie daher als "Underperformer".

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