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Neue Hoffnung Basel II

Wer großen institutionellen Investoren Geld aus der Tasche locken will, muss sich immer wieder einmal etwas Neues einfallen lassen. Die Private-Equity-Branche, die Multi-Milliarden-Fonds für Investitionen in Unternehmensbeteiligungen auflegt, hat darin Erfahrung. Seit vielen Jahren kündigen vor allem angelsächsische Private-Equity-Gesellschaften die große Aufholjagd des deutschen Marktes gegenüber den weitaus größeren und reiferen Märkten der USA und Großbritanniens an.

Erst war es die Lösung der Nachfolgeprobleme tausender deutscher Familienunternehmen, die den Fonds attraktive Investitionschancen eröffnen sollte. Daraus wurde leider nichts. Wenn ein Dutzend solcher Deals im Jahr zusammenkommen, ist das schon sehr viel.

In der ersten Hälfte dieses Jahres war es die Unternehmenssteuerreform der Bundesregierung, die dem Private-Equity-Markt einen kräftigen Schub geben sollte. Die Aussicht auf steuerfreie Veräußerungsgewinne sollte die großen Konzerne bewegen, sich massenhaft von Beteiligungen zu trennen. Es gab zwar etliche Deals schon im Vorgriff auf die Steuerbefreiung ab 1. Januar 2002, doch die ganz große Welle blieb aus - und wird wohl angesichts der schwachen Konjunktur und der flauen Börse auch so schnell nicht kommen. Wer verkauft schon gerne die Perlen des Portfolios in einer Phase, in der die Unternehmensbewertungen sinken?

Doch nun haben die Private-Equity-Firmen den nächsten Treibsatz für ihr Geschäft entdeckt: Basel II. Die unter diesem Schlagwort bekannte internationale Verschärfung der Eigenkapitalrichtlinien für Banken wird dazu führen, dass sich vor allem mittelständische deutsche Unternehmen nicht mehr wie bisher gewohnt durch Bankkredite finanzieren können. Darum werden sie, so hofft die Beteiligungs-Branche, einerseits Private Equity als Finanzierungsmittel entdecken und andererseits häufiger zu Fusionen gezwungen sein - beides unter Beteiligung von Finanzinvestoren.

Doch die Hoffnung auf massenhaft neues Geschäft durch Basel II dürfte genau so trügen wie vorangegangene Hoffnungen. Der Hauptgrund dafür, dass der deutsche Markt für Private Equity im Vergleich zu den angelsächsischen, aber auch zu anderen europäischen Märkten so unterentwickelt ist, ist nicht ein Mangel an interessanten Transaktionsmöglichkeiten. Nein, es ist vielmehr die Mentalität deutscher Unternehmer und Manager, die den Einsatz privaten Beteiligungskapitals hemmt. Sie empfinden es noch oft als Niederlage, ihr Unternehmen oder auch nur eine Tochter ihrer Unternehmensgruppe zu verkaufen. Ein leidenschaftslos betriebenes Portfolio-Management liegt ihnen ferner als etwa den englischen Unternehmenslenkern.

Das einzige, was den deutschen Markt für Private Equity zuverlässig und nachhaltig vergrößern kann, sind gute Beispiele. Je mehr Unternehmen per Management-Buyout den Besitzer wechseln, von Finanzinvestoren auf einen guten Wachstumspfad gebracht werden und nach ein paar Jahren sichtbar gestärkt neue Besitzer finden oder an die Börse gehen, desto mehr Glaubwürdigkeit gewinnen die Private-Equity-Gesellschaften als Katalysatoren für den Wandel der deutschen Industrie.

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