Neue Hoffnung
Dornier-Regionaljet soll in China starten

Das deutsche Prestigeprojekt eines 70-sitzigen Regionaljets droht im Papierkorb zu landen, sollte die Neuentwicklung nicht bald einen Investor finden. Die letzte Hoffnung heißt China: Ein Mischkonzern will den Jet gemeinsam mit Chinas Flugzeugbauer Xian in die Luft bringen. Entwicklung und Montage könnten vorerst in Deutschland bleiben.

PEKING. Das vom Aus bedrohte 728Jet-Programm des insolventen Flugzeugbauers Fairchild Dornier könnte doch noch gerettet werden. Nach Handelsblatt-Informationen führen der chinesische Mischkonzern Delong und der Flugzeugbauer Xian Aircraft Corp. (XAC) zurzeit abschließende Verhandlungen mit der deutschen Insolvenzverwaltung über eine Fortführung des Programms. "Die Gespräche sind weit fortgeschritten", sagte ein ranghoher Manager der XAC. Die Entscheidung könnte in einem Monat gefallen sein. Auch bei der Hypovereinsbank heißt es, die Gespräche stünden "vor dem Durchbruch". Wegen vieler Insolvenzfälle, darunter Fairchild Dornier, hatte die Bank im Vorjahr ihre Risikovorsorge auf 3,8 Mrd. Euro erhöhen müssen.

Mit der Jetfamilie für 70 bis 85 Sitze, in deren Entwicklung bereits rund 1 Mrd. $ flossen, hatte sich Fairchild Dornier im Vorjahr finanziell übernommen. Das ambitionierte Projekt liegt seit der Insolvenzeröffnung im April 2002 auf Eis; die meisten der einst 3 700 Beschäftigten haben ihren Job verloren. Früheren Angaben des Insolvenzverwalters zufolge soll das Programm spätestens Ende Mai endgültig eingestellt werden, sollte sich bis dahin kein Käufer gefunden haben.

Seit Wochen gilt deshalb ein Joint Venture mit China als letzte Hoffnung für das Milliardenprojekt: Der frühere Staatssekretär im EntwicklungshilfeMinisterium und China-Kenner Siegfried Lengl bestätigte, die Verhandlungen befänden sich in der "entscheidenden Phase". Die Regierung in Peking hatte Lengl nach chinesischen Angaben gebeten, die Gespräche mit dem letzten deutschen Jetbauer voran zu bringen. Inzwischen werde über eine erste Delong-Kapitalspritze und eine Fristverlängerung verhandelt, damit Insolvenzverwalter Eberhard Braun wichtige Ingenieure zurückholen könne.

Nach Informationen aus Verhandlungskreisen strebt Delong eine komplette Übernahme der 728-Familie aus der Konkursmasse an. Der Mischkonzern soll den deutschen Verhandlungspartnern die Gründung eines 50:50-Joint Ventures vorgeschlagen haben. Weil der 728 Jet weltweit als deutsches Produkt vermarktet werden soll, könnten zumindest Entwicklung und Montage im Land gehalten werden. 500 der einst 3 700 Arbeitsplätze würden dann am Standort Oberpfaffenhofen gesichert, hieß es.

Die lohnintensive Fertigung von Rumpf, Tragflächen und Metallstrukturen soll hingegen XAC übernehmen. Dort ist man zuversichtlich, "mindestens zehn bis 15 Prozent" der Kosten einsparen zu können. Lengl zufolge könnten die großen Regionaljet-Konkurrenten Embraer und Bombardier damit im Preis unterboten werden. Von der technischen Machbarkeit ist man in Oberpfaffenhofen überzeugt. Eine deutsche Delegation besuchte im Februar das Werk in Xian, das seit Jahren für die großen Jetbauer Boeing und Airbus zuliefert. Derzeit arbeiten 8 000 Ingenieure und 13 000 weitere Beschäftigte bei XAC. In einem 23-seitigen internen Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt, schreibt der Leiter des 728-Programms, XAC sei "hervorragend ausgestattet" und bestens präpariert für die Aufgaben zur Vorbereitung der 728-Produktion. Das Werk verfüge über "modernste Fertigungsverfahren mit westlichem Standard". Auf chinesischer Seite bestehe "augenscheinlich sehr große Bereitschaft und sehr großer Wille, mit uns das 728-Familienkonzept anzupacken", heißt es weiter.

Als Knackpunkt der Verhandlungen gelten die weiteren Kosten, die bis zur ersten Kundenauslieferung noch anfallen. Experten schätzen, dass der neue Jet nochmals rund 1 Mrd. $ Anschubfinanzierung benötigt: Mit der Finanzhilfe im Rücken könne die Serienproduktion 2005 aufgenommen werden, hieß es. Nach einem Fehlversuch mit Airbus vor sieben Jahren haben die Chinesen ein eigenes Regionaljet-Programm gestartet, sie benötigen dafür aber moderne Technologien. "Für Xi´an wäre das ein Sprung von 15 Jahren", sagt Lengl. Langfristig gilt China als Wachstumsmarkt. Luftfahrtexperten schätzen, dass das Riesenreich in den nächsten 20 Jahren bis zu 600 Regionaljets benötigt.

Mitarbeit: Matthias Eberle

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