Neue Hoffnung durch Call-by-Call-Gespräche
Mehr Wettbewerb im Ortsnetz

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post sieht Chancen für mehr Wettbewerb und verbraucherfreundliche Preise im bisher von der Telekom beherrschaten Ortsnetz.

dpa BONN. Durch neue Kabelanbieter, die über 20 Mill. Anschlüsse verfügen, können Impulse erwartet werden. Die aktuelle Situation sei unbefriedigend, sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, am Donnerstag bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts für die Jahre 2000/2001.

Anders als im Fern- oder Auslandsverkehr habe sich in diesem Bereich seit der Marktöffnung vor fünf Jahren nicht viel bewegt. Auch wenn mit höherwertigen Anschlussarten inzwischen ein positiver Trend zu verzeichnen sei, verfüge die Telekom immer noch über eine herausragende Stellung. Das Ortsnetz "ist das dickste Brett, das jede Regulierungsbehörde zu bohren hat", sagte Kurth.

Eine Änderung der Situation verspricht sich der oberste Aufseher über den deutschen Telekom - und Postmarkt auch von der Einführung so genannter Call-by-Call-Gespräche Ende kommenden Jahres. Diese Telefonate, bei denen der Kunde vor jedem Gespräch seinen Anbieter auswählt, hatten dem Wettbewerb bei Ferngesprächen zum Durchbruch verholfen.

Marktanteilsverschiebungen sind zum Stillstand gekommen

Ähnlich kritisch wie die Regulierungsbehörde bewertete auch die Monopolkommission in einem Sondergutachten zur Wettbewerbsentwicklung bei Telekommunikation und Post 2001 die Lage auf den Telefonmärkten. Seit der Liberalisierung sei es weder zu Preiswettbewerb noch zu einer nennenswerten Verschiebung von Marktanteilen gekommen. Nur bei Fern- und Auslandsgesprächen stünden die Telekom-Konkurrenten besser da. Die Marktanteilsverschiebungen seien im vergangenen Jahr aber zum Stillstand gekommen und könnten sich 2001 sogar umkehren, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Martin Hellwig.

Sowohl Hellwig wie auch Kurth wiesen unterdessen die Argumentation der Telekom zurück, heute gebe es bereits Wettbewerb im Ortsnetz, weil sich 60 % der Bevölkerung für einen anderen Anbieter entscheiden könnten. Tatsächlich hält der Bonner Telefonriese aber 98 %. "Es kommt nicht auf die potenzielle, sondern auf die aktuelle Wettbewerbssituation an", sagte Kurth.

Verlängerung der Post-Exklusivlizenz kritisiert

Die Monopolkommission kritisierte darüber hinaus die Verlängerung der Exklusivlizenz für die Deutsche Post AG bis zum Jahr 2007 als unnötig. Aus dieser Lizenz resuliere auch die Hauptbeschränkung des Wettbewerbs auf den Postmärkten. Wirtschaftsminister Werner Müller wies die Kritik zurück. Er erneuerte zugleich seine Absage nach einem deutschen Alleingang bei der Marktöffnung im Postbereich.

Beide Berichte über die Marktsituation in der Telekommunikation lieferten wichtige Beiträge für Änderungen des Regulierungsrahmens, betonte der Minister. Im Jahr 2003 steht eine Novelle des Telekommunikationsrechtes an, wobei es unter anderem um eine mögliche Rückführung der Regulierung geht, was von der Telekom seit längerem immer wieder gefordert wird.

Nach Worten von Kurth verzeichnet der Telekommunikationsmarkt trotz allgemeiner Wirtschaftsschwäche hohe Wachstumsraten. Im Mobilfunk gebe es bis zum Jahresende mehr als 60 Mill. Teilnehmer. Für die gesamte Branche erwartet die Regulierungsbehörde einen Anstieg der Umsatzerlöse von 137 Mrd. DM (70 Mrd Euro) im vergangenen Jahr auf voraussichtlich 155 Mrd. DM. Entsprechend gewachsen sei auch die Zahl der Beschäftigten. Sie erhöhte sich vergangenen Jahr gegenüber 1999 um knapp 20 000 auf 240 700 Menschen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%