Neue Hoffnung für Internet-Handel: Amazon liefert echten Gewinn

Neue Hoffnung für Internet-Handel
Amazon liefert echten Gewinn

Jeff Bezos, Chef des Internet-Einzelhändlers Amazon.com, hat sein Versprechen gehalten: Ende 2001 hat das Unternehmen erstmals die Gewinnschwelle erreicht. Ein gutes Weihnachtsgeschäft und stark steigende Umsätze in Deutschland trugen dazu entscheidend bei. Doch Amazon hat auch die Kosten in den Griff bekommen.

siri SAN FRANCISCO. Die entscheidende Hürde ist genommen: Das Internet-Warenhaus Amazon.com hat im vierten Quartal 2001 zum ersten Mal seit dem Börsengang 1997 die Gewinnschwelle überschritten. Und das sogar ganz real: Statt des vor einem Jahr angekündigten Pro-forma-Gewinns (siehe Kasten) erzielte das Online-Warenhaus sogar einen Nettogewinn von fünf Mill. $ - also nach Zinszahlungen für die zwei Mrd. $ Schulden des Unternehmens. Damit übertraf es selbst die optimistischsten Erwartungen der Analysten.

Im vierten Quartal 2000 hatte das Unternehmen aus Seattle noch einen dicken Verlust von 545 Mill. $ erwirtschaftet. Auch beim Umsatz überraschte Amazon positiv: Er übertraf mit 1,12 Mrd. $ erstmals die Milliarden-Marke und lag 15 % über dem Vorjahreswert.

Amazon-Chef Jeff Bezos setzt mit dem Nettogewinn eine ganze Serie guter Nachrichten aus dem Internet-Geschäft fort und gibt der schon tot gesagten Branche neuen Mut für 2002. Das Internet-Portal Yahoo erhöhte jüngst seine Umsatzprognose für das angelaufene Jahr, das Online-Auktionshaus Ebay erfreute die Anleger mit Gewinnen bei hohem Wachstum, und der Internet-Reiseanbieter Travelocity erreichte trotz der Reiseflaute einen Pro-forma-Gewinn.

Auch Amazons Zahlen für das Gesamtjahr sind besser als erwartet: 2000 hatte der Internet-Händler aus Seattle bei 2,76 Mrd. $ Umsatz einen Nettoverlust von 1,41 Mrd. $ berichtet; im abgelaufenen Jahr kamen bei 3,12 Mrd. $ Umsatz nur noch 567 Mill. $ Verlust zusammen. Das bedeutet, dass der Verlust je 100 Dollar Umsatz von 51 auf 18 Dollar gefallen ist.

Ein Grund für die relativ guten Zahlen war das Online-Weihnachtsgeschäft, das nach Berechnungen von Marktforschern 15 bis 20 % besser war als im Vorjahr. "Davon hat Amazon profitiert", sagt Jeetil Patel, Analyst des Investmenthauses Deutsche Bank Alex Brown. Nun müsse das Unternehmen zeigen, dass es Wachstum und Profitabilität auch in umsatzärmeren Zeiten aufrecht erhalten könne.

Zudem hat Bezos bewiesen, dass er die Kosten in den Griff bekommen kann: Das Unternehmen hat im Weihnachtsgeschäft mit einem Drittel weniger Personal 10 bis 15 % mehr Waren als im Jahr davor versandt. "Das Ergebnis zeigt, dass unser Model funktioniert", bekräftigte Diego Piacentini, Senior Vice President für das internationale Geschäft. "Wir haben unsere Fixkosten unter Kontrolle und können das Wachstum anpassen."

Wichtige Wachstumsimpulse kamen aus dem internationalen Geschäft: Der Umsatz auf den Webseiten in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan legte insgesamt um 81 % zu. Damit trugen die internationalen Kunden schon knapp ein Drittel zum Konzernumsatz bei. Gleichzeitig verringerte sich der operative Pro-forma-Verlust um 76 % auf elf Mill. $.

Besonders gut lief das Geschäft in Deutschland. Hier verdoppelte Amazon den Umsatz annähernd. Neben der britischen Filiale war die deutsche außerdem der einzige Ableger im Ausland, der einen Pro-forma-Gewinn erwirtschaftete. Darin sind jedoch eine Reihe von Sonderbelastungen nicht eingerechnet.

Auch der Ausblick ist positiv: Für das laufende Quartal erwartet Amazon ein Umsatzplus von 11 bis 18 % und einen Pro-forma-Verlust von maximal 16 Mill. $. Für das gesamte Jahr 2002 rechnet Amazon mit einem zehnprozentigen Umsatzwachstum und einem Pro-forma-Gewinn von mindestens 30 Mill. $. Das stärkste Wachstum soll dabei erneut aus dem internationalen Geschäft kommen. Die Finanzlage ist ebenfalls solide: Amazon hat 1 Mrd. $ Bargeld in Reserve.

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