Neue Hoffnung für Schröder
Kieler Institut erwartet Wachstumsschub schon Anfang 2002

Nach vielen konjunkturellen Hiobsbotschaften darf Kanzler Schröder erstmals ein wenig aufatmen: Das Institut für Weltwirtschaft sieht die Konjunkturwende unmittelbar bevorstehen.

wmu/pbs DÜSSELDORF. Der konjunkturelle Tiefpunkt in Deutschland ist erreicht. Das ist die Prognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), und das signalisieren auch die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

>>Tabelle und Grafik

Das IfW prognostiziert für 2002 ein Wachstum von 1,2 %, nach 0,5 % im laufenden Jahr. Damit bleibt das Institut im Rahmen der Gemeinschaftsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute vom Oktober. Zahlreiche andere Ökonomen hatten ihre Prognosen dagegen in den vergangenen Wochen weiter nach unten revidiert.

Die Kieler Ökonomen begründen ihre vergleichsweise optimistische Prognose damit, dass auf Grund der weltpolitischen Entspannung ein Stimmungsaufschwung zum Jahresende wahrscheinlich werde. "In diesem Fall ist mit einer durchgreifenden konjunkturellen Erholung in der ersten Jahreshälfte 2002 zu rechnen", schreibt das Institut. Nach einem mäßigen Plus im ersten Quartal 2002 werde die Wachstumsrate schon im zweiten Vierteljahr oberhalb des langfristigen Trends liegen. "Wenn die Wirtschaft die Talsohle erst einmal durchschritten hat, wird sie danach auch kräftig wachsen", kommentierte IfW-Ökonom Carsten-Patrick Meier diesen Optimismus.

Der Stimmungsaufschwung sowie die expansivere Geldpolitik ließen erwarten, dass die Unternehmen dann zurückgestellte Investitionen nachholten. "Gleichzeitig kommen mit der Erholung der US- Konjunktur im zweiten Quartal kraftvolle Impulse von der Auslandsnachfrage", so Meier. Die Erholung am deutschen Arbeitsmarkt wird dem Institut zufolge aber erst etwa zur Jahresmitte einsetzen.

Der vom IfW unterstellte Stimmungsumschwung war bislang aus den Frühindikatoren kaum abzulesen gewesen. Allerdings wird die IfW-Erwartung durch die gestern veröffentlichten ZEW-Konjunkturerwartungen gestützt, die auf einer Umfrage unter 313 Analysten und institutionellen Anlegern beruht. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der Wachstumserwartungen für die kommenden sechs Monate kletterte um 12,7 Punkte auf 25,8 Punkte, den höchsten Stand seit September 2000. "Offensichtlich festigt sich bei den Analysten die Meinung, dass das Konjunkturtief bald überwunden ist", urteilt Felix Hüfner vom ZEW.

Ralph Solveen von der Commerzbank kann sich dagegen "nicht vorstellen, dass das erste Quartal schon wieder positiv sein wird. Da müssten die Frühindikatoren jetzt besser aussehen", sagte er. Er erwarte die Trendwende erst für das zweite Halbjahr.

Diese Einschätzung wird gestützt vom Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator im Dezember, der vor allem von schlechten deutschen Daten belastet wurde. Er sank von 1,0 % im November auf 0,9 % und liegt damit erstmals seit fünf Jahren unter der Ein-Prozent-Marke. Der Indikator lässt eine Erholung in der Euro-Zone - und auch in Deutschland - frühestens im zweiten Quartal erwarten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%