Neue Hoffnung nach enttäuschendem Start
GPRS weckt bei Diensteanbietern Frühlingsgefühle

Zu langsam, zu teuer, zu unkonfortabel: Mit WAP hat der M-Commerce in Deutschland im vergangenen Jahr einen Fehlstart hingelegt. Unternehmen, die sich auf mobile Dienste spezialisiert haben, litten besonders. Die Einführung von GPRS, das als Vorstufe zum Mobilfunkstandard der dritten Generation gilt, weckt neue Hoffnung. Risikokapitalgeber halten sich mit Investitionen aber weiter zurück. Mehr zur mobilen Zukunft im Mobile Special

jgo DÜSSELDORF. Mitte Dezember ging Starwap die Puste aus. Nachdem der Erstinvestor, eine international tätige Unternehmensberatung, eine Anschlussfinanzierung verweigerte, wollten auch neue Investoren, die bereits Vorverträge unterzeichnet hatten, nicht mehr einsteigen. "Die haben dann kalte Füße bekommen; uns blieb nichts anderes übrig, als Insolvenz zu beantragen", sagt Gründer Patrick Sturm. Nun wird das Unternehmen bewertet, die Technologie soll verkauft werden. Mit seinen Stadtinformationsdiensten und anderen Service-Angeboten erzielte Starwap in Hochzeiten bis zu 1 Million Page-Impressions im Monat. "Das war mehr als bei Yahoo Deutschland", sagt Sturm.

Schwere Zeiten haben in den vergangenen Monaten auch andere Startups rund um das mobile Internet durchgemacht. So musste das Unternehmen Citikey, das ebenfalls Stadtinformationen anbot, die Erfahrung machen, dass die Idee längst nicht so hoch bewertet wurde, wie erhofft. Auch Citikey gab auf. Sturms Worten nach tragen die Mobilfunkbetreiber eine gewisse Mitschuld am geringen Erfolg der originären WAP-Angebote in Deutschland. "Es ist keine gute Strategie, erst den Markt kaputt zu machen, ehe man ihn dann wieder aufbaut", sagt Strum und verweist auf die Praxis der Herren über die Netze, für die Listung der Angebote Geld zu verlangen. "Warum haben sie sich nicht auf ein Modell verlegt, bei dem beide Unternehmen vom Wachstum profitieren können, wie das I-Mode in Japan erfolgreich vorgemacht hat? Wer mit hohem Aufwand Applikationen entwickelt, zunächst keine Einnahmen hat, zugleich aber die Portale aufwertet, soll für die Listung noch Geld bezahlen. Das schafft keinen Anreiz, das mobile Internet voranzubringen."

T-Mobil hält WAP für einen Erfolg

Philipp Schindera, Pressesprecher bei T-Mobil, hält Kritik an dem Verhalten der Netzbetreiber indes für unberechtigt. "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Finanzierung der Startups zu sichern." Seiner Auffassung nach hat sich WAP schon jetzt positiv entwickelt. "Wer die Szene aufmerksam und nicht oberflächlich wie die Medien verfolgt, wird feststellen, dass die Branche schon seit Monaten sehr aktiv ist. Mit der Einführung von GPRS wollen wir ein weiteres Signal an die Anwender und Entwickler ausstrahlen, dass es uns ernst ist."

Nicht nur Starwap-Gründer Sturm ist in dieser Hinsicht allerdings anderer Auffassung. Kim Onneken, Technologievorstand bei Linkedwith, einem Berliner Startup, das Firmeninformationen auf mobile Geräte bringen will, sagt: "WAP hat sich nicht wie erwartet entwickelt." Auch beim Konkurrenten Space2go, das gleichfalls den Datenabgleich über mobile Geräte anbietet, ist zu hören, dass WAP hinter den Erwartungen zurück geblieben ist. Jens Meyer, der für die Geschäftsentwicklung verantwortlich ist, sieht eine Ursache auch in den veränderten Gesellschafterverhältnissen der Telekommunikationsunternen. So hätten Verträge und Vereinbarungen nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone und von Viag Interkom durch British Telecom erst wieder neu ausgehandelt werden müssen.

Die Stimmung ist seit Jahresbeginn gekippt

Mittlerweile sehen viele Startups aber optimistischer in die Zukunft. Onneken sagt: "Seit Anfang Januar hat sich die Stimmung total gewandelt, und das spiegelt sich auch in der Auftragslage wider." Martin Kose, Gründer des Online-Reservierungssystems Bedhunter resümiert: "Nach einer Phase der Euphorie haben wir Ernüchterung gesehen. Wer jetzt noch im Geschäft ist, hat gute Chancen." Der neue Standard GPRS, bei dem Daten paketweise übermittelt werden, wird seiner Ansicht nach dem Geschäft ganz neue Impulse geben. "Die gesamte Szene glaubt an den Durchbruch mit GPRS, weil die Geräte immer "online" sein können. Der Schritt von WAP, wie wir es bisher kannten, zu GPRS ist größer als der von GPRS zu UMTS."

Technikvorstand Onneken sagt, dass Linkedwith in den vergangen Monaten vor allem zwei Erfahrung gemacht habe. "Wir haben festgestellt, dass unsere Zielgruppe gar nicht diejenigen waren, die wir zunächst ansprechen wollten. Early Adopter, also Technikbegeisterte, sind längst nicht so wichtig. Viel bedeutsamer sind mittlerweile die Anfragen von Unternehmen aus der Old Economy, die ihren Außendienst verbessern wollen." Die zweite Erfahrung sei, dass mobile Service-Angebote weit über WAP hinausgehen müssten.

Etwas anders positioniert hat sich auch der Konkurrent Space2go. Meyer sagt, vor allem die Netzbetreiber hätten gefordert, nicht nur Anwendungen für Geschäftsreisende anzubieten, sondern "Dienste, die für die Masse zugänglich und attraktiv sind". Trotz einer vergleichsweise niedrigen Nutzerzahl - Meyer spricht von maximal 5 000 - ist das Unternehmen mit der Entwicklung zufrieden.

WAP ist nur die Eintrittskarte

Vielen Startups geht es zunächst darum, rund um das mobile Internet erste Claims abzustecken, so auch Bedhunter" Für uns ist vor allem wichtig zu zeigen, dass der Handel über das Mobiltelefon funktioniert. Wir können sagen: Wir sind dabei, auch wenn WAP noch keine große Marktdurchdringung hat", erläutert Kose. Der Kundennutzen sei bereits deutlich geworden: "WAP wird überwiegend für Spontanbuchungen genutzt, während die Reservierung über das Internet mehr Vorlauf hat. Üblich sind bei dieser Reservierungsform Buchungen von 2 bis 7 Tagen im Voraus." Auf das WAP-Geschäft verlassen muss sich der auch unter E-Hotel firmierende Anbieter allerdings nicht. Der Service wird eher als strategische Ergänzung angesehen.

Starwap-Gründer Sturm räumt ein, dass der Name irgendwann zum Problem geworden sei. "Wir wollten eben deutlich machen, dass wir für die Zukunft gerüstet sind. Das meiste Volumen haben wir sowieso mit SMS erzielt; der Name stand deshalb zur Disposition."

Die Starwap-Gründer arbeiten mittlerweile als Berater, denn sie sind überzeugt, dass der Markt für Dienste eine Zukunft hat. "Das mobile Internet kann sich nur dann durchsetzen, wenn es interessante Applikationen gibt", sagt Sturm. Nach seinen Worten ist mit weiteren Markteinsteigern aber kaum zu rechnen. "Die meisten Unternehmen leben noch vom Geld der Altinvestoren, und ich sehe derzeit in Deutschland kein Venture-Capital-Unternehmen, das aktiv in den Bereich hineingeht."

Andreas Bösenberg von Brockhaus Private Equity teilt diese Aufassung. "Noch vor wenigen Monaten haben auf Konferenzen viele Venture Capitalists ihr Engagement herausgestrichen. Inzwischen ist es sehr still um das mobile Internet geworden. Ich wüsste von keinem, der happy mit seinen Investments ist." Nach seinen Worten ist noch nicht absehbar, wer mit den Diensten überhaut Geld verdienen kann. "Nicht die Venture Capitalists, die Netzbetreiber werden zunächst darüber entscheiden, wer eine Chance hat."

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