Neue Indexgewichtung: Nur noch Vorzugs- oder Stammaktien zählen
Vorzugsaktien werden zum Auslaufmodell

Wenn die Deutsche Börse ihre Indizes umstellt, sind nur noch die Papiere einer Aktiengattung maßgeblich. Nach Meinung von Aktienstrategen werden die meisten Unternehmen Vorzugs- in Stammaktien umwandeln.

DÜSSELDORF. Am 24. Juni ist es soweit: Die Deutsche Börse stellt ihre Indizes auf Streubesitz ("Free Float") um. Dann zählt bei der Gewichtung eines Indexwertes nur noch, wie viele Aktien tatsächlich an der Börse frei gehandelt werden. Künftig sind zudem nur noch die Papiere einer Aktiengattung maßgeblich, also Vorzugs- oder Stammaktien. Die Aktien des jeweils anderen Typus fallen bei der Gewichtung weg.

Die Umstellung wird nach Meinung von Aktienstrategen nicht ohne Folgen bleiben. "Ich gehe davon aus, dass fast alle Unternehmen, die noch Stämme und Vorzüge haben, mittel- bis langfristig umwandeln werden", sagt Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Noch zwei bis drei Jahre gibt Hartmuth Höhn, Leiter des Researchs bei der Berenberg Bank, den Vorzugsaktien.

Zwar sind es nicht mehr viele, die zwischen Vorzügen und Stämmen unterscheiden. Doch Dax-Werte wie Volkswagen, BMW oder Henkel halten an der Vorzugsaktie vorerst noch fest. MAN hat auf der letzten Hauptversammlung die Umwandlung beschlossen. Allerdings müssen die Vorzugsaktionäre die Differenz zwischen günstigeren Vorzügen und teureren Stämmen teilweise bezahlen.

Aus dem MDax unterscheiden zwischen Vorzügen und Stämmen zum Beispiel noch Wella, Hugo Boss, Dyckerhoff, Heidelberg Cement und Sixt. Escada denkt über ein Umwandlung nach. Rheinmetall hingegen hält an den Vorzügen fest, da die Stimmrechte von Hauptaktionär Röchling durch eine größere Menge an Stammaktien verwässert würden. Aus dem gleichen Grund musste auch Pro Sieben Sat1 Media die geplante Umwandlung auf Druck der Muttergesellschaft Kirch abblasen.

Mitbestimmung wichtiger als höhere Dividende

Die Vorzugsaktie schreckt vor allem institutionelle Investoren aus dem Ausland ab. Sie wollen mit einer Aktie auch das Stimmrecht kaufen, und genau das gibt es bei den Vorzügen nicht. Dafür winkt eine höhere Dividende, die Institutionellen aber nicht so wichtig ist wie die Mitbestimmung. "Der Druck auf die Unternehmen umzuwandeln, ist seitens der institutionellen Investoren vor allem aus Großbritannien sehr hoch", meint Höhn.

Analysten gehen davon aus, dass die Abschaffung der Vorzugsaktie sich günstig auf den Aktienkurs auswirkt. "Für institutionelle Anleger aus dem Ausland, wird die Struktur durch eine Umwandlung transparenter. Sie investieren möglicherweise verstärkt in einen Wert", meint der Leiter der Unternehmensanalyse von Helaba Trust Stefan Rausch. Zudem würden die Papiere durch ihr höheres Gewicht in einem Index für Fonds interessanter, die den Index abbilden.

"Vor allem bei kleineren Werten wirkt sich die Umwandlung positiv auf die Liquidität aus. Die Aktien von Rheinmetall und Escada würden beispielsweise von einer Umwandlung profitieren, da sie liquider werden und damit interessanter für institutionelle Investoren", meint auch Borghoff.

Bei einer Umwandlung tauschen die Aktionäre ihre Vorzüge einfach gegen die meist teureren Stämme. Der Anleger gewinnt im Idealfall die Differenz. Das gilt allerdings nur wenn das Unternehmen keine Umwandlungsprämie verlangt. Höhn rät dazu, die historische Preisdifferenz zwischen Stamm- und Vorzugsaktie zu vergleichen. "Liegt diese bei MDax-Aktien bei über 15 Prozent, lohnt sich der Kauf der Vorzüge und das Warten auf eine Preisanpassung."

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