Neue Initiative zur Stärkung des Finanzplatzes: Großbanken wollen Sitz der Aufsicht verlegen

Neue Initiative zur Stärkung des Finanzplatzes
Großbanken wollen Sitz der Aufsicht verlegen

Führende Frankfurter Bankchefs wollen sich der Untergangsstimmung am Finanzplatz Frankfurt entgegen stemmen. Sie haben "großen Handlungsbedarf" entdeckt und stellen konkrete Forderungen an die Politik: So soll etwa die neue Allfinanzaufsicht, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die bisher ihr Hauptquartier in Bonn hat, komplett nach Frankfurt verlegt werden.

FRANKFURT/M. Die BaFin soll zudem als Modell in ganz Europa durchgesetzt werden. In diesem Zusammenhang steht auch der Wunsch der Banker, deutsche Interessen müssten in Brüssel künftig besser durchgesetzt werden.

Diese und andere Forderungen stehen in einem Argumentationspapier von Dresdner Bank-Chef Bernd Fahrholz, das dem Handelsblatt vorliegt. In dem Vier-Punkte-Programm heißt es weiter, vor allem bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge und der kapitalmarktorientierten Mittelstandsfinanzierung habe Deutschland Nachholbedarf. "Es ist unumgänglich, dass Politik und Finanzwirtschaft Prioritäten setzen." Weitsichtige Entscheidungen seien erforderlich.

Fahrholz hat in dem sechsseitigen Papier unter dem Titel "Förderung des Finanzplatzes Frankfurt: Erfolg ist machbar - den internationalen Standortwettbewerb annehmen" die Meinungen seiner Kollegen zusammengefasst, die mit ihm am 16. Februar bei Bundeskanzler Gerhard Schröder, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Bundesfinanzminister Hans Eichel zusammensaßen. Nach der Kanzlerrunde haben am späten Abend noch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner und Fahrholz im Berliner Nobelhotel Adlon zusammengesessen. Dort soll sich Fahrholz bereit erklärt haben, konkrete Schritte zur Gründung der Initiative einzuleiten, die eines der Themen in der Kanzlerrunde gewesen war. Der Arbeitsgruppe gehören neben Ackermann, Brixner und Fahrholz der Präsident der Bundesbank, Ernst Welteke, Dekabank-Vorstandschef Axel Weber, Börsen-Chef Werner Seifert und KfW-Chef Hans-W. Reich an.

Das Bundesfinanzministerium, so hieß es in Finanzkreisen, unterstützt den Vorstoß und entsendet Staatssekretär Caio Koch-Weser in die Arbeitsgruppe. Eichel selbst will angeblich ebenfalls so oft wie möglich teilnehmen. Am 14. März soll das erste Treffen der neuen Finanzplatzinitiative in der Dresdner Bank stattfinden und über erste Aktivitäten diskutieren.

Auslöser für die Aktion ist die anhaltend negative Diskussion über den Finanzplatz, der sich zudem immer wieder Angriffen aus dem angelsächsischen Bereich ausgesetzt sieht. Entfacht wurde die Debatte vor allem durch ein internes Schreiben der Unternehmensberatung McKinsey. "Die Frankfurter Community befindet sich in Selbstauflösung", hieß es im Januar in einem Brief zweier Berater an Fahrholz und Seifert. Und weiter: Die Marktteilnehmer in Frankfurt seien entweder in der Krise oder keine Frankfurter mehr, sie hingen von München oder London ab. Auch die Auslandsbanken kehrten Frankfurt zunehmend den Rücken und reduzierten "ihre lokalen Kapazitäten massiv". Ganze Abteilungen würden in London zusammengezogen. Das McKinsey-Papier sorgte für heftige Diskussionen.

Auch das hessische Wirtschaftsministerium heizte die Diskussion an, und zwar mit einer 200-seitigen Studie. Kernausssage: Frankfurt werde London auf absehbare Zeit hinterherlaufen und müsse aufpassen, nicht auch noch von Paris und Amsterdam überholt zu werden.

Für mangelndes Selbstbewusstsein der Frankfurter gibt es nach Einschätzung von Bernd Fahrholz aber überhaupt keinen Grund. Das Marktpotenzial müsse nur aggressiv ausgebaut werden, und der institutionelle Rahmen in der EU müsse stärker als bisher von Deutschland mitgestaltet werden. Die Ausbildung der Arbeitskräfte müsse verbessert und das Image Frankfurts dringend verbessert werden.

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