Neue innerdeutsche Linienflüge im Herbst geplant
Germania verliert Großteil des Chartergeschäfts

Wirtschaftsprüfer warnen vor erheblichen Risiken bei der Fluggesellschaft. Neue innerdeutsche Linienflüge im Herbst geplant. Ohne Anbindung an einen großen Reisekonzern haben Charter-Airlines in Zukunft schlechte Karten. Die Berliner Fluggesellschaft Germania droht ein Verlierer der Touristik-Krise zu werden.

HB/tsp BERLIN. Die sich abzeichnende Krise im Tourismusgeschäft droht die Berliner Fluggesellschaft Germania in eine bedrohliche Lage zu bringen. Eine Studie von Wirtschaftsprüfern, die dem Tagesspiegel vorliegt, stellt der Charterairline bereits jetzt ein schlechtes Zeugnis aus: "Vor dem Hintergrund der angespannten Branchensituation und der unbefriedigenden wirtschaftlichen Verhältnisse der gesamten Gruppe" warnen die Prüfer vor erheblichen latenten Risiken. Germania dementiert das: "Wir sind gesund bis zum Geht nicht mehr", sagt Gründer und Eigentümer Hinrich Bischoff.

Klar ist indes, dass der Fluggesellschaft ein empfindlicher Einbruch bevorsteht. In der Branche wird erwartet, dass der größte deutsche Reiseveranstalter TUI in der nächsten Wintersaison keine Flugaufträge mehr an die Germania vergeben wird. Für Germania wäre dieser Totalausfall gravierend, denn bisher kommen rund 75 % der Flugkapazitäten von TUI. Deren Kapazitäten werden künftig vor allem an die konzerneigene Gesellschaft Hapag Llloyd vergeben. "Wegen der lahmenden Reisekonjunktur müssen wir unsere Kapazitäten verringern", sagte ein TUI-Sprecher. Neben ihrem Chartergeschäft tritt die Germania zusätzlich als Billigfluggesellschaft auf und macht in diesem Bereich der Deutschen Lufthansa auf den Strecken Köln-Berlin und Frankfurt-Berlin Konkurrenz. Offenbar um die erwarteten Einbrüche im Chartergeschäft mit den Reisekonzernen zu kompensieren, will das Unternehmen zum Herbst auch die Strecken Berlin-München und München-Hamburg in seinen Flugplan aufnehmen. Branchenexperten bezweifeln jedoch, dass dieser Strategie-Mix aus Charter-Airline und Billigflieger aufgehen kann.

Nach Informationen des Tagesspiegel hat das Unternehmen bereits 2001 sechs Flugzeuge verkaufen müssen, um Verluste vor allem durch Devisentermingeschäfte in Höhe von 32,7 Mill. Euro zu kompensieren. Es ist bei Fluggesellschaften üblich, Devisentermingeschäfte zur Absicherung von Treibstoffpreisen abzuschließen. Allerdings sei es ungewöhnlich, damit derart hohe Verluste zu machen, dass der Verkauf von Flugzeugen dafür nötig wäre, sagt Ralf Hallmann, Luftfahrt-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin.

Germania-Gründer und Eigentümer Hinrich Bischoff und Germania-Geschäftsführer Mustafa Muscati bestätigten allerdings nur den Verkauf von vier Flugzeugen. Sie dementieren, dass diese Verkäufe nötig geworden seien, weil das Unternehmen bei Devisentermingeschäften Verluste gemacht habe. "Unser Vertrag mit der LTU, für die die Flugzeuge starteten, ist ausgelaufen. Um keine Überkapazitäten aufzubauen, haben wir die Maschinen verkauft", sagte Muscati. "Unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind mehr als okay", sagte Muscati.

Ab November zweimal täglich München - Berlin und München - Hamburg

Deshalb will die Germania ihr Linienfluggeschäft weiter ausbauen. Ab 1. November sollen jeweils zweimal pro Tag die Strecken München-Berlin und München-Hamburg geflogen werden. Die Flughäfen München und Hamburg bestätigten die Anmeldungen der Slots durch Germania. "Außerdem planen wir im Herbst mehrere Ziele außerhalb von Deutschland anzusteuern", sagte Muscati. Überwiegend sollen Urlaubsorte das Flugziel von Germania sein, sagte Muscati. Auch das Chartergeschäft will die Fluglinie weiter führen. "Das ist und bleibt unser Hauptgeschäft", so Muscati. Das Liniengeschäft "werden wir sukzessive als zweites Standbein aufbauen".

Branchenexperten sehen das Geschäftsmodell der Germania indes kritisch, da sie sich nicht voll und ganz auf das Billigflugsegment konzentriert. Luftfahrtexperte David Gillen von der University of Berkeley in Kalifornien meint, dass Billigflieger nur dann Erfolg haben können, wenn sie sich ganz klar auf einen Nischenmarkt konzentrieren, der das Chartergeschäft ausschließt. Sonst würden nicht die nötigen Kostenersparnisse erzielt.

Die Germania wurde 1978 gegründet. Sie hat derzeit eine Flotte von 27 Flugzeugen. Acht davon sind zur Zeit im Charter- und Linienfluggeschäft eingesetzt. Der Rest der Flugzeuge wird an andere Fluggesellschaften verleast.

Quelle: Handelsblatt

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