Neue IPO-Richtlinien erst ab September
Kodex für Börsengänge wird nicht verpflichtend

Mit dreimonatiger Verspätung und in Teilen abgeschwächt werden ab September für Börsenaspiranten in Deutschland neue Regeln gelten.

hof FRANKFURT/M. Sie sollen dazu beitragen, durch mehr Transparenz Anlegervertrauen zurück zu gewinnen. Dabei setzt die Deutsche Börse allerdings auf Freiwilligkeit. Denn der ursprüngliche Plan, die Richtlinien zumindest für den Neuen Markt zur Bedingung für einen Börsengang zu machen, hat keine Chance auf Realisierung. "Dem steht entgegen, dass die Börse gesetzlich verpflichtet ist, die Zulassung zu erteilen, wenn die Mindestanforderungen erfüllt sind", sagt ein Teilnehmer des Gremiums, das die Vorschläge erarbeitet hat. "Nun müssen wir darauf hoffen, dass der Gesetzgeber die Anregungen aufnimmt und damit auch den Weg für Sanktionen bei Verstößen freimacht", heiß es weiter.

In der offiziellen Mitteilung der Börse ist der Verzicht darauf, die IPO-Regeln für den Neuen Markt verpflichtend zu machen, verklausuliert: Dort heißt es, der "Verhaltenskodex" solle "für Marktteilnehmer bei allen Börsengängen" gleichermaßen gelten. Kommentieren wollte die Deutsche Börse dies gestern nicht. Erst Mitte Juli will sie den Kodex, der gemeinsam mit Banken, Emittenten, Investoren und IPO-Beratern erarbeitet wurden, konkretisieren. "Es muss noch an einigen Details gearbeitet werden", sagte eine Sprecherin.

Die Eckpunkte der Regelung sind nach Informationen aus dem Beratungsgremium allerdings unverändert geblieben. Auch die umstrittene Schweigeperiode um das Datum des Börsenganges herum wird in dem Kodex enthalten sein. Danach dürfen zwei Wochen vor und 30 Tage nach dem Datum der Erstnotiz keine Analystenstudien veröffentlicht werden. Der Börsenkandidat selbst darf sogar vier Wochen vor dem IPO und 30 Tage danach keine relevanten Informationen preisgeben, die nicht im Börsenprospekt enthalten sind.

Eine solche Regelung, die in den angelsächsischen Ländern üblich ist, stößt besonders bei Vertretern von Privatanlegern auf Widerstand. Sie fürchten, dass damit das eigentliche Ziel, die Gleichbehandlung aller Investoren, konterkariert wird. Es werde eine neue Möglichkeit geschaffen, Privatanleger zu benachteiligen, kritisiert beispielsweise der Initiativkreis Privatanleger der Börse Stuttgart. In die gleiche Richtung argumentieren die Aktionärsvereinigungen DSW und SdK. Auch die Analystenvereinigung DVFA ist bereits gegen eine solche "Blackout-Period" Sturm gelaufen: Sie sehen darin sogar eine "Öffnung des Marktes für Insider-Informationen".

Auch wenn die Börse die Regeln nicht vorschreiben kann, versucht sie über den Markt Druck auszuüben. So sollen die Unternehmen dazu verpflichtet werden, im Prospekt Angaben darüber zu machen, ob sie sich bei dem Börsengang dem Kodex unterworfen haben oder nicht. Dann könne der Anleger entscheiden, wie wichtig ihm die Transparenzregeln sind, so das Kalkül.

Zentrales Informationsmedium soll in der heißen Phase des Börsenganges allein der Prospekt sein. Dazu werden auch die Wirtschaftsprüfer enger in die Pflicht genommen. Wer partout nicht auf Pro-Forma-Betrachtungen bei Vergleichen von Geschäftsjahren verzichten will, braucht künftig einen Wirtschaftsprüfer, der eine "professionelle Durchsicht" dieser Bilanzen durchführt und dafür auch öffentlich gerade steht. Außerdem sollen Börsenprospekte besser verständlich, die Inhalte unternehmensbezogener und spätestens einen Werktag vor Beginn des öffentlichen Angebots im Internet veröffentlicht werden. Und: Die Verantwortlichen in den Firmen sollen ihren Werdegang und ihre Geschäfte mit Papieren des eigenen Unternehmens offenlegen.

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