Neue Kämpfe um Basra
Schwere Gefechte bei Nadschaf

Bodentruppen der Amerikaner und Briten haben sich am Montag heftige und verlustreiche Gefechte mit den irakischen Truppen um die zentralirakische Stadt Nadschaf geliefert. Dabei sollen am zwölften Kriegstag nach Angaben des britischen Senders BBC rund 100 irakische Soldaten getötet und etwa 50 weitere verletzt worden sein. Die Stadt, die den Schiiten heilig ist, liegt etwa 120 Kilometer südlich von Bagdad. In der Region stockt der Vormarsch der Alliierten auf die irakische Hauptstadt seit Tagen.

HB/dpa BAGDAD/LONDON. Bagdad wurde in der Nacht zum Montag und am Morgen erneut von heftigen Explosionen erschüttert. Der Fernsehsender Abu Dhabi zeigte Bilder von einem Großbrand nahe eines Wohnkomplexes im Stadtzentrum unweit des Informationsministeriums. In der Stadtmitte soll nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN auch ein Einkaufszentrum getroffen worden sein. Auch aus Vororten der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt wurden in unregelmäßigen Abständen Detonationen gemeldet. Dort gerieten erneut mutmaßliche Stellungen der Republikanischen Garden unter Beschuss. Das irakische Staatsfernsehen war am Morgen laut CNN erneut unterbrochen.

Die amerikanischen Bodentruppen kommen auf ihrem Vormarsch nach Bagdad offensichtlich kaum voran. Ein CNN-Reporter berichtete, irakische Soldaten hätten sich in der Stadt Hilla knapp 100 Kilometer südlich von Bagdad verschanzt. Von der Hauptstadt der Provinz Babylon aus würden die Amerikaner immer wieder mit Artillerie und Raketen beschossen. Die Erwiderung des Feuers sei kompliziert, weil man Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in der Stadt nehmen müsse, sagte der Reporter.

IKRK: Täglich werden 100 Zivilisten verletzt

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wurden seit Kriegsbeginn täglich rund 100 Zivilisten verletzt. Die irakische Seite beziffert die Zahl der toten Zivilisten auf 357. Auf Seiten der Alliierten wurden nach CNN-Angaben bislang 67 Soldaten getötet. Darunter sind nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA 24 britischen Soldaten. Drei US-Marineinfanteristen starben am Sonntag nach Angaben des Zentralkommandos in Katar beim Absturz eines US-Hubschraubers. Das Pentagon geht von einem Unfall aus. Ein britischer Soldat wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London auf der Halbinsel Fau aus einem Hinterhalt erschossen.

Die BBC meldete auch neue Angriffe der britischen Truppen auf Vororte der südirakischen Stadt Basra. Ein Militärsprecher sagte, zahlreiche irakische T-55-Panzer seien zerstört worden. Hunderte von Soldaten seien gefangen genommen worden. Die britischen Einheiten haben die Großstadt seit über einer Woche umzingelt. CNN berichtete, der Flüchtlingsstrom aus der Stadt dauere an.

Asis: Selbstmordattentäter sind "Freiheitskämpfer und Helden"

Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarik Asis verteidigte in einem Interview des US-Senders ABC Selbstmordangriffe im Irak-Krieg. Die Invasion gebe das Recht auf Verteidigung mit allen Mitteln. Diejenigen, die die Eindringlinge bekämpften, seien "Freiheitskämpfer und Helden", keine Terroristen. Am Samstag hatte sich bei Nadschaf erstmals ein Iraker in die Luft gesprengt und vier US-Soldaten mit in den Tod gerissen.

US-Außenminister Colin Powell forderte am Sonntagabend (Ortszeit) die irakischen Nachbarstaaten Iran und Syrien auf, sich jetzt gegen den Terrorismus und für den Frieden zu entscheiden. Iran müsse sein Streben nach Massenvernichtungswaffen einstellen und seine "Opposition gegen alle Terrorgruppen erklären, die gegen den Friedensprozess im Nahen Osten arbeiten", sagte der Minister. Syrien stehe ebenfalls vor einer entscheidenden Wahl: Es müsse damit aufhören, Terroristen-Gruppen im "sterbenden Regime" des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu unterstützen, sagte Powell.

Unterstützung von Exil-Irakern

Die irakische Armee erhält nach einem CNN-Bericht Unterstützung von etwa 6000 Exil-Irakern, die über die jordanische Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt seien, um gegen die Alliierten zu kämpfen. Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf US- Geheimdienstinformationen, militante Islamisten verstärkten die irakischen Truppen bei Nasirija im Süden des Landes. Dabei handele es sich unter anderem um Palästinenser, Jemeniten und Tschetschenen.

Die US-Luftangriffe der vergangenen Tage zerstörten weitgehend das irakische Telekommunikationssystem, wodurch auch die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen weiter erschwert wurde. Es sei unmöglich geworden, Informationen und beunruhigende Gerüchte aus den verschiedenen Landesteilen zu überprüfen, teilte das IKRK am Sonntag in Bagdad mit.

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