Neue Konkurrenz für die Deutsche Börse in Frankfurt
Die Nasdaq kommt nach Deutschland

Deutschland erhält eine neue Börse. Gemeinsam mit den Börsen Berlin und Bremen sowie mehreren Banken will die Nasdaq einen neuen Aktienmarkt gründen. Anfang nächsten Jahres soll der Handel starten. Angestrebt wird ein Marktanteil von über 15 % in nur drei Jahren. Analysten halten dieses Ziel für unrealistisch.

FRANKFURT/M. Deutschlands Börsenneuling setzt sich äußerst ehrgeizige Ziele. Schon im Jahr 2005 will die Nasdaq Deutschland einen Marktanteil von 15 bis 18 % des Auftragsvolumens im deutschen Aktienhandel erreichen. Dies erklärten die Initiatoren der speziell auf Kleinanleger zu geschnittenen Börse, an der sowohl Standard- als auch Wachstumswerte gehandelt werden sollen, bei Vorstellung des Projektes in Frankfurt.

Hinter der Nasdaq Deutschland, die Anfang nächsten Jahres den Handel aufnehmen will, stehen drei Börsen und zunächst drei Banken. Die Nasdaq selbst wird mit einem Anteil von 50 % größter Aktionär sein. Jeweils 10 % übernehmen die Börsen Berlin und Bremen. Beide Börsen werden außerdem fusionieren. Von der Bankenseite beteiligen sich die Dresdner Bank mit 15 % sowie die Commerzbank und deren Online-Tochter Comdirect mit je 7,5 %. Das Modell stehe weiteren Banken offen, hieß es. Als erster Kandidat gilt die Hypo-Vereinsbank, die bereits über eine Teilnahme an dem Projekt verhandelt. Das Wohlwollen der Banken ist für den Erfolg neuer Börsen eine entscheidende Voraussetzung, da die Kreditinstitute oft darüber entscheiden, an welche Börse ein Kundenauftrag geleitet wird.

Zum Start werden rund 300 Werte gehandelt, und zwar die Aktien aus Dax100, Nemax 50, EuroStoxx 50 sowie Nasdaq 100 und Dow Jones 30. Mittelfristig ist eine Ausweitung auf etwa 3 000 Aktien geplant.

Umkämpfter Markt

Größter Rivale des Newcomers ist die Deutsche Börse in Frankfurt, an der bisher weit über 90 % des Aktienhandels in Deutschland abgewickelt werden. Frankfurt gelang es in den letzten Jahren, seinen Marktanteil zu Lasten der sieben deutschen Regionalbörsen stetig auszubauen. Vergangene Woche kündigte allerdings die Bayerische Börse in München die Einführung ein neues Handelssystems an. Damit wollen die Münchener ihren Marktanteil von einem auf zehn Prozent ausbauen.

Analysten halten allerdings sowohl die Ambitionen der Münchener als auch das 18-Prozent-Ziel der Nasdaq Deutschland für kaum realistisch. Der von der Nasdaq anvisierte Marktanteil "scheint mir überhaupt nicht absehbar", meint Peter Barkow, Börsenspezialist bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Ähnlich wie München hat auch die Nasdaq Deutschland in erster Linie Privatanleger im Visier. Ihnen wird eine so genannte Best-Execution-Garantie versprochen - das heißt, ein besserer Preis als auf dem jeweils liquidesten Markt, an dem die Aktie gehandelt wird. Bei Nasdaq-Werten ist dies beispielsweise die US-Börse, bei deutschen Aktien dürfte es in der Regel der Xetra sein. Der Handel soll über das Nasdaq-System Supermontage laufen, dass die Technologiebörse in diesem Jahr auch in den USA einführen will.

Außerdem stellten die Initiatoren den Anlegern eine kostengünstige Abwicklung in Aussicht, ohne dies näher zu erläutern. Überhaupt sind noch viele Einzelheiten des Marktmodells offen. Dazu zählt etwa die Frage, bis zu welchem Auftragsvolumen die Best-Execution-Garantie gilt. Ein Vorteil des Modells liegt nach Angaben von Jörg Walter, dem Vorstand der Berliner Börse, darin, dass es nicht zu Teilausführungen von Aufträgen kommen wird. Dagegen ist die Einführung einer zentralen Gegenpartei zunächst nicht vorgesehen. Eine solche Gegenpartei, deren Einführung etwa die Deutsche Börse plant, tritt bei Aktiengeschäften zwischen Käufer und Verkäufer und verringert damit das Risiko und die Kosten der Abwicklung.

Für die Banken hat das Modell den Charme, dass sie ihre Aufträge nicht mehr nur zur Ausführung an die Börse leiten, sondern intern abwicklen können. Damit tritt die Nasdaq Deutschland in direkte Konkurrenz zu Frankfurt. Auch dort soll ab September unter dem Namen Xetra Best eine Internalisierungsplattform eingeführt werden.

Zudem möchte sich die Nasdaq Deutschland als Plattform für Börsengänge (IPO) etablieren, sobald das Neuemissionsgeschäft wieder anzieht. Damit würde der Newcomer in Konkurrenz zum Frankfurter Neuen Markt treten, dessen Ruf nach zahlreichen Skandalen und Pleiten angeschlagen ist.

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