Neue Konkurrenz für Nokia, Ericsson und Siemens
Chinas Handy-Herstellern wird das Reich der Mitte zu klein

Kejian, Bird, TCL oder Huawei - außerhalb Chinas sind diese Unternehmen noch unbekannt. Doch im größten Mobilfunkmarkt der Welt stellen lokale Handy-Hersteller und Netzausrüster Branchengrößen wie Nokia, Ericsson und Siemens ein Bein. Die erfolgreichsten wollen der europäischen Konkurrenz nun auch international in die Parade fahren. Sie feilen an Expansionsplänen.

PEKING. "Handys werden zum Alltagsobjekt", meint UBS Warburg-Analyst Fung-Ee Lim, "das gibt Billiganbietern aus China die Chance zum Vorstoß nach Übersee." Erfolge im Heimatmarkt ermutigen sie. In der ersten Jahreshälfte wurden in China 45 Millionen Handys verkauft, 29 % mehr als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum konnten lokale Hersteller offiziellen Angaben zufolge ihren Marktanteil von 12 % auf 18 % steigern. Im kommenden Jahr wird bereits jedes dritte in China verkaufte Handy eine lokale Marke tragen, erwarten Marktforscher wie Lea Cai von Norson Telecom Consulting in Peking. Nach Beobachtung von UBS-Analyst Lim leiden Ericsson, Siemens und Alcatel am stärksten unter diesem Angriff. Doch selbst Nokia verliert Marktanteile.

Siemens soll vom Heimatmarkt China verdrängt werden

TCL konnte seinen Absatz dagegen nach eigenen Angaben in diesem Jahr versechsfachen. In einem Jahr will Chinas größter lokaler Anbieter Siemens im Heimatmarkt vom dritten Platz verdrängen; in fünf Jahren will der Shooting Star der Branche zu den Top-Herstellern der Welt aufrücken. Mit 6 % Marktanteil ist TCL Siemens zumindest in China auf den Fersen: Laut Norson Consulting kommen die Münchner derzeit auf 9 %.

Erfolg durch modisches Design

Den Hauptgrund für den Erfolg von TCL, Bird und Kejian sehen Analysten in der Vertriebsstärke und den modischen Designs der Handys, die Asiaten ansprechen. Sensibilität für lokale Geschmäcker soll ihre Geräte nun zu Exportschlagern machen, vor allem in Südostasien. Dort dominieren bislang Motorola, Nokia, Samsung und Siemens, für die diese Region ein wichtiger Wachstumsmarkt ist.

Im Vorgriff auf eine Expansion sponsert Kejian den britischen Erst-Liga-Club Everton mit 1 Mill. £ pro Jahr. Bird, Chinas lokale Nummer zwei, verkauft bereits in Thailand und Malaysia. Demnächst sollen Indonesien, Indochina und Indien dazukommen, später Afrika. "Das sind hart umkämpfte Märkte", gibt ein hochrangiger Bird-Manager zu. "Aber wir treffen asiatische Kundenwünsche einfach besser als die Europäer." In ein bis zwei Jahren will er in den Nachbarländern den gleichen Marktanteil erreichen wie in China. Neben TCL, Bird und Kejian nehmen Branchenkenner zwei Unternehmen sehr ernst, die erst dieses Jahr in den Handy-Markt eingestiegen sind: Den PC-Hersteller Legend und den Haushaltsgeräte-Hersteller Haier. Beide beherrschen Marketing und Vertrieb.

Internationalem Erfolg Chinas Marken sind Grenzen gesetzt

Analysten warnen allerdings vor überzogenen Erwartungen: Technologischer Rückstand und Marketingschwäche zögen einem internationalen Vormarsch chinesischer Marken Grenzen, sind sich Lim und Cai einig. Bislang müssen alle 20 chinesische Hersteller die Module, die das Herz ihrer Geräte bilden, im Ausland teuer einkaufen; das drückt auf die Erträge, viele schreiben rote Zahlen. Das kommt Siemens zugute, denn die Deutschen verkaufen Module an chinesische Anbieter und profitieren so von deren Wachstum.

Netzausrüster haben beste Chancen

Die besten Chancen auf internationalem Parkett dürften zwei Netzausrüster haben, Huawei und ZTE. "Das sind die neuen Billiganbieter der Branche," warnt Peter Borger, der das Mobilfunkgeschäft von Siemens in China leitet. Wer die nicht ernst nehme, mache einen großen Fehler. Huawei und ZTE investieren kräftig in Forschung und Entwicklung, nehmen es westlichen Konkurrenten zufolge aber auch mit Patentrechten nicht immer genau.

Probleme wie Vertrieb und Marketing sind für Netzausrüster leichter zu lösen als für Handy-Hersteller. Und der Sparzwang, der die Branche weltweit erfasst, macht den Chinesen sogar den Sprung in westliche Märkte möglich, glauben Analysten. "Huawei und ZTE können in fünf Jahren zu internationalen Top-Anbietern aufrücken", meint UBS-Analyst Lim. Mit Hardware für Mobil- und Festnetzverbindungen erwirtschaften beide Unternehmen bereits ein Zehntel ihres Umsatzes im Ausland, vor allem in Schwellenländern Asiens und Afrikas sowie in Osteuropa. Beide stehen unter Internationalisierungsdruck, weil sich auch in Chinas Telekom-Markt das rasante Wachstum abschwächt.

In fünf Jahren will ZTE 50 % seines Umsatzes im Ausland machen. Präsident Hou Weigui hat dazu gerade aggressive Expansionspläne verkündet, die er durch einen 500 Mill. $ schweren Börsengang in Hongkong finanzieren will. Und über eine US-Tochter greift Huawei seit diesem Jahr Cisco, Lucent und Motorola in Nordamerika an.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%