"Neue Kraft" am Ende
Fusion zum drittgrößten Stromkonzern gescheitert

Die Pläne für einen starken Nordostversorger in Deutschland als Konkurrenz zu den Stromriesen RWE und Eon sind geplatzt.

Reuters BERLIN. Der schwedische Vattenfall-Konzern und das US-Unternehmen Mirant brachen am Mittwoch nach einem Spitzengespräch in Berlin ihre Verhandlungen zur so genannten "Neuen Kraft" ab. Die beiden Konzerne wollten ihre deutschen Tochterunternehmen Hamburgische Electricitäts-Werke, die Berliner Bewag sowie die ostdeutschen Firmen Veag und Laubag verschmelzen. Damit sollte die drittstärkste Kraft auf dem deutschen Markt entstehen. Mirant und Vattenfall konnten sich aber unter anderem über die Kräfteverteilung im dem Unternehmen nicht verständigen.

In den letzten Tagen hatte sich der Streit zwischen Vattenfall und Mirant zugespitzt. Am Dienstagabend hatte Vattenfall mit Klaus Rauscher, einem Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, einen Vorstandschef für das neue Unternehmen präsentiert. Dieses löste bei Mirant zusätzliche Verärgerung aus, da die Personalie nach Angaben des Unternehmens nicht abgestimmt war. Am Mittwoch trafen sich Mirant-Vorstandschefin Marce Fuller und Vattenfall-Chef Lars Josefsson zu einem seit längerem geplanten Gespräch. Danach gaben Mirant und Vattenfall das Scheitern der Pläne bekannt.

Hauptstreitpunkt war das Kräfteverhältnis zwischen den Riesen

Hauptstreitpunkt zwischen Mirant und Vattenfall war die Bewertung ihrer einzelnen Tochterunternehmen in der "Neuen Kraft" und damit auch das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Unternehmen selbst. Mirant drängte zudem darauf, die Atomkraftwerke der HEW nicht in das Unternehmen einzubeziehen, da der US-Konzern bislang auf Atomenergie verzichtet. Eine Ausklammerung der Kraftwerke hätte dann aber das Gewicht der Vattenfall-Tochter HEW in dem Gesamtkonzern gemindert.

Unklar bleibt zunächst die Zukunft der Berliner Bewag. Dieses Unternehmen galt wegen seines großen Kundenstamms und seiner Finanzkraft als Kern des neuen Versorgers. Um die Bewag hatten sich in den Monaten zuvor bereits Mirant und HEW einen erbitterten Kampf geliefert, der schließlich von einem Schiedsgericht geschlichtet werden musste. Mirant und Vattenfall halten nun jeweils rund 45 % an der Bewag. Vattenfall erklärte, die Bewag bleibe zunächst außerhalb des übrigen Verbundes. Die ostdeutschen Firmen Veag und Laubag gehören mehrheitlich der Vattenfall-Tochter HEW. Allerdings kann die Bewag mit einer Minderheitsbeteiligung hier wiederum wichtige Entscheidungen blockieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%