Neue Länder - alter Trick
„Nie antworten! Wegwerfen!“

Die Nigeria-Connection schlägt wieder zu - aus Thailand, Ägypten und sogar Kanada.

DÜSSELDORF. Der Absender der E-Mail gibt sich als General Manager der United Bank of Egypt in der Kasr-El-Aini-Straße 106 im Center Building von Kairo aus. Sein Name: Maher Labib Abou Steit. Sein Anliegen: ein diskretes Geldgeschäft. Seine Botschaft: eine detaillierte Geschichte über einen wohlhabenden, inzwischen aber verstorbenen Kunden seines Arbeitgebers.

Es geht um 33,3 Millionen Dollar, die Banker Steit auf einem Konto des Briten Robert Chapman entdeckt haben will. Chapman, ehemaliger afrikanischer Statthalter der vermeintlichen Firma Wycliffe Bible Translators International, ist angeblich im Januar 2000 mit seiner Frau Ruth bei einem Flugzeugabsturz in der Elfenbeinküste ums Leben gekommen. Weil es offenbar keine Erben gibt und der eifrige Banker das Geld nicht dem Staat überlassen will, sucht er jetzt nach verschlungenen Wegen, das Vermögen außer Landes zu schaffen. Und braucht dafür die Hilfe eines Kontoinhabers, der für seine Transferdienste mit der einen oder anderen Million üppig entlohnt werden soll.

E-Mails, Briefe und Faxe ähnlichen Inhalts treffen täglich zu Hunderten bei Privatpersonen, Behörden und Firmen in Deutschland ein. Die so genannte Nigeria-Connection ist wieder aktiv, nur kommen die Scheinangebote jetzt auch aus Ländern wie Ägypten, Thailand und sogar Kanada. Die angebliche Herkunft des Geldes reicht von unterschlagenem Firmenvermögen über unverhofft aufgetauchte Familienschätze bis hin zu Erbschaften ohne Erben. Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze und tatsächliche politische Veränderungen werden geschickt in die Legenden eingeflochten, neuerdings sogar der Irak-Krieg oder die Kämpfe in Afghanistan. "Hat sich eine Geschichte zu weit herumgesprochen, wird schnell eine neue erfunden", berichtet das Bundeskriminalamt (BKA). "Nie antworten! Wegwerfen!" warnen die Fahnder in fetten Lettern auf ihrer Internetseite.

Die Betrüger besorgen sich die Namen der Opfer bei professionellen Adressenhändlern, die sonst Unternehmen für Werbezwecke mit Informationen über mögliche Kunden beliefern. Oder sie bedienen sich einfach interner Telefonverzeichnisse größerer Firmen und Behörden. Solche Listen werden auf dem Schwarzmarkt in Nigeria, dem Ursprungsland dieser Trick-Betrügereien, für teures Geld feilgeboten.

Bekunde jemand Interesse an dem vorgeschlagenen Geschäft, werde er mit offiziell aussehenden Schreiben verschiedenster Kreditinstitute eingedeckt, schildert das Auswärtige Amt die weitere Strategie der Betrüger. Beliebt seien auch gefälschte Briefe der Europäischen Zentralbank. Sie sollten den Empfängern beweisen, dass das Geld tatsächlich existiere. "Es fallen immer noch Unzählige darauf rein, mitunter sogar leitende Angestellte von Kommunen, die eine Chance wittern, ihren Haushalt zu sanieren. Der Schaden geht jedes Jahr in die Millionen", heißt es im nordrhein- westfälischen Landeskriminalamt.

Hat ein Interessent angebissen, erhält er als Nächstes eine Zahlungsaufforderung - meist über mehrere Tausend Euro, die angeblich für Überweisungsgebühren und Notarkosten fällig werden. Ist das Geld bei den Betrügern eingegangen, wird die Auszahlung des versprochenen Millionenbetrags immer wieder verzögert.

Nicht selten, so warnt das BKA, "werden zur Übergabe des Gelds auch persönliche Treffen im Ausland arrangiert, vor allem in London und Amsterdam". In dunkles Tuch gekleidete Herren präsentieren dann meist Koffer mit schwarz eingefärbten Geldscheinen. Die Täter geben vor, es handele sich um Banknoten, die nur mit einer teuren Chemikalie wieder entfärbt werden könnten. "So mancher ist angesichts des greifbar nahen Millionenbetrags schnell bereit, auch dafür noch die Kosten zu übernehmen", so das BKA. "In Einzelfällen wurden die Opfer sogar nach Afrika gelockt und dort unter Androhung und Einsatz körperlicher Gewalt zur Zahlung weiterer Summen erpresst."

Ein Ermittler berichtet vom Fall eines Geschäftsmannes aus der Schweiz, der Anfang des Jahres beim Transfer von 30 Millionen Dollar mithelfen und dabei drei Millionen Dollar verdienen sollte. In Lagos angekommen, präsentierten ihm die Gauner eine Kiste voller Geld - und hatten damit Erfolg. Offenbar überzeugt von der Seriosität des Deals, vereinbarte der Schweizer mit den Nigerianern sogar ein Gegengeschäft, um den Geldtransfer vor den Steuerbehörden daheim zu kaschieren. Ehe der Mann Verdacht schöpfte, hatte er 140 000 Franken verloren, die er sich teilweise bei Freunden geliehen hatte. Einen Teil der Summe holten sich die Nigerianer sogar direkt vom Konto des Schweizers. Einmal seiner Originalunterschrift habhaft, scannten die Betrüger die Signatur des Opfers immer wieder auf Überweisungsträger und verschoben so Tausende von Franken.

Besonders abenteuerlich klingt die Begründung, mit der ein angeblicher Bankmanager aus dem thailändischen Tepsirin Pomprabsatupai in E-Mails um Helfer wirbt. Somwan Chayond will für einen wichtigen Kunden 10,8 Millionen Dollar außer Landes bringen. Das aber müsse absolut geheim geschehen, weil der Kunde, eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Thailand, sonst die Gunst des Königshauses verlieren könnte. Chayond schreibt: "Der Mann will nicht als Vaterlandsverräter dastehen, bitte helfen Sie ihm. Ihr Lohn: 20 Prozent."

Peter Brors
Peter Brors
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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