Neue Leitsysteme in Großstädten unterstützen Autofahrer
Das Handy kennt den Weg zum freien Parkplatz

Knöllchen, endlose Fahrten um den Block, warten vor dem Parkhaus - die Suche nach einem Stellplatz strapaziert besonders in den großen Städten die Nerven der Autofahrer. Zwei Autokonzerne wollen die Fahrzeuglenker mit elektronischen Suchsystemen zu freien Abstellmöglichkeiten bugsieren.

HB DÜSSELDORF. Mit Hilfe von Internet und Mobilfunk bauen BMW und Daimler-Chrysler Leitsysteme auf, mit denen Autofahrer in Städten leichter einen freien Parkplatz finden sollen. Die beiden Autokonzerne nutzen dabei kommunale Parkleitsysteme ebenso wie eigene Datenbanken. Die Informationen werden per Mobilfunk zum Handy des Fahrers oder Bordcomputer des Autos verschickt.

Parkplatzsuchende verursachen rund 20 Prozent des Verkehrs

Eine Studie der Münchener BMW AG belegt, dass Parkplatzsucher in Innenstädten für rund 20 Prozent des Verkehrs verantwortlich sind. In Spitzenzeiten stellte das Unternehmen gar Werte bis zu 92 Prozent fest. Bernhard Grüber, Leiter Verkehrskonzepte der BMW-Forschung in Berlin, will dieses Problem mit Hilfe eines Leitsystems lösen, das im Internet unter www.parkinfo.com zu finden ist. Derzeit informiert die Datenbank über die Situation in 43 Großstädten und an 16 deutschen Flughäfen. Bis Ende des Jahres soll das BMW-System alle deutschen Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern umfassen.

Parkleitsystem über das Wap-Handy

In Köln und Regensburg können die Daten bereits über ein Wap-Handy abgerufen werden. Dazu greift BMW auf die städtischen Parkleitsysteme zurück, die die Daten direkt an einen Server senden. Ruft der Fahrer nun per SMS oder Wap die Informationen ab, erhält er aktuelle Tipps, die ihn von sinnlosen Erkundungstouren abhalten sollen. Ist kein zentrales Leitsystem wie in Berlin vorhanden, kann in den Parkhäusern ein so genanntes Parkdatenübertragungssystem (PDÜ) installiert werden. Auch damit lassen sich die Informationen an Wap-Handys weiterleiten. BMW hat angekündigt, sein mobiles Infosystem stetig auszuweiten. Im Oktober startet ein weiterer Testlauf in München.

Daimler-Chrysler hat die Probe für sein Leitsystem bereits abgeschlossen. "Derzeit arbeiten wir daran, den Dienst in die Fläche zu bringen", sagt Ralf Hinz, Leiter des Fachgebiets "Dienste-Integration im Fahrzeug" bei dem Stuttgarter Autohersteller. Drei Jahre lang tourten fünf mit dem neuen Parkplatz-Suchsystem ausgestattete Fahrzeuge in einem Test durch die Ulmer Innenstadt, immer auf der Suche nach einem freien Stellplatz. Das System fragt regelmäßig beim Rechner der städtischen Parkleitzentrale nach freien Plätzen an und bleibt so auf dem aktuellen Stand.

Sucht der Fahrer eine Abstellmöglichkeit, gibt er seinen Wunsch in den Bordcomputer seines Wagens ein. Dieser schickt die Meldung einschließlich des derzeitigen Standortes via Mobilfunk an die Parkzentrale des Daimler-Chrysler-Systems, das mit einer Datenbank und dem Parkleitsystem der Stadt verbunden ist. Innerhalb von 15 Sekunden erhält der Fahrer Angaben über die Zahl der freien Plätze in der Nähe seines Ziels, über Gebühren und Öffnungszeiten des nächstgelegenen Parkhauses. Zudem lässt sich die Suche mit Kriterien wie "Nähe zur Messe" oder "Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr" eingrenzen. Schließlich leitet das Suchsystem den Fahrer noch zum Stellplatz.

Persönliche Routenplanung über Navigationssystem oder Wap-Handy

Die Organisation des Dienstes soll die Daimler-Chrysler Services AG in Berlin übernehmen, ein Tochterunternehmen des schwäbischen Autoherstellers. Sie soll auch bis Ende 2002 im Auftrag des Berliner Senats eine Verkehrs-Management-Zentrale (VMZ) in der Hauptstadt aufbauen. Diese soll über ein Navigationssystem im Auto oder per Wap-Handy eine persönliche Routenplanung bieten, die abhängig von der Verkehrslage den schnellsten Weg zum Ziel anzeigt. Dabei werden auch andere Verkehrsmittel, etwa Busse oder Straßenbahnen, als Alternative in den Routenvorschlag einbezogen.

"Wir sind mit verschiedenen Herstellern im Gespräch", sagt Ralf Hinz. "Wir gehen davon aus, dass in ein bis zwei Monaten ein Endgerät auf den Markt kommt, das diesen Dienst nutzen kann." Der Preis: etwa 1500 Euro. Läuft alles nach Plan, soll der elektronische Parkplatzlotse Ende des Jahres zunächst in Berlin und anschließend auch in anderen Städten eingesetzt werden. Leitsysteme finden jedoch nicht alle gut. Kritiker befürchten nämlich zugleich, dass die Parksysteme lediglich noch mehr Autofahrer dazu verleiten, ihr Gefährt in die ohnehin schon überfüllten Innenstädte zu steuern.

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