Neue Medien und Empfangswege
Lineares Fernsehen kontra Internet-TV

Trotz der rasant steigenden Zahl neuer Medien und Empfangswege wird das traditionelle lineare Fernsehen nach Überzeugung seiner Macher länger überleben als vielfach vorhergesagt.

HB KÖLN. Beim 19. Medienforum NRW sagte die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Monika Piel, am Montag in Köln, lineares Fernsehen - bei dem ein Sender sein Programm nach einem festen Zeitplan an sein Publikum sendet - werde es mindestens in zehn Jahren noch geben. Neu sei aber, dass sich die Zuschauer die für sie interessanten Sendungen im Internet orts- und zeitunabhängig noch einmal ansehen können.

Ähnlich äußerte sich Premiere-Vorstandschef Georg Kofler. Die Bedürfnisse der Menschen würden sich auch durch die Möglichkeit, Programme nach Belieben abzurufen, nicht grundlegend ändern. Fernsehen sei ein Massenmedium, bei dem sich die Menschen auch zurücklehnen und passiv konsumieren wollten. RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt, die sich ebenfalls überzeugt zeigte, dass lineares TV auch in fünf bis zehn Jahren noch existieren werde, sagte: "Nicht jeder wird sein eigener Programmdirektor sein wollen."

Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussion, dass nicht die Übertragungswege, sondern die Inhalte entscheidend seien. Dabei komme es immer mehr auf die Qualität der Angebote an. Das betonte auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in seiner Eröffnungsrede. Es gehe beim Aufbruch in ein neues Medienzeitalter "um viel mehr als nur um Plattformen und Frequenzen. Es geht um Qualität." Diese dürfe im digitalen Zeitalter bei allem Konkurrenzdruck nicht verloren gehen, nur weil "die Versuchung groß ist, jede Nachrichtenmücke zum Skandalelefanten aufzublasen".

Qualitätssteigerung ist auch für den Geschäftsführer der WAZ Gruppe, - Bodo Hombach, der einzige Weg der Verlagshäuser in die Zukunft. So sei es seinem Konzern durch qualitative Verbesserungen und multimediale Ausweitung gelungen, Auflageverluste aufzufangen.

Zum Auftakt hatte Rüttgers sich für ein Ende der prozentualen Begrenzung der Internet-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender ausgesprochen. "Jedem von uns ist klar: Das wird nicht mehr lange gut gehen", sagte er. Entscheidend sei nicht mehr die Frage, auf welcher Plattform die Inhalte verbreitet werden, sondern: "Gehört das Gesendete zum Auftrag oder nicht?"

Verstärkte Investitionen in neue Übertragungswege und Infrastruktur verlangten Kabel- und Satellitenanbieter. Der Geschäftführer von Unitymedia, Parm Sandhu, sprach sich außerdem für einen Abbau staatlicher Regulierung aus. Die Kabelanbieter müssten ihre Inhalte selbst vermarkten dürfen. Telekom-Chef René Obermann sieht im Internet-Fernsehen "fast nur Chancen". Er verwies auf das starke Wachstum dieser Branche in den USA und empfahl einen ähnlichen Weg auch für Europa.

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