Neue Medienwelt
Chancen waren nie größer...

Ist Deutschland ein guter Standort für Internet-Projekte oder nicht? Die USA führen in dieser Sparte noch immer mit weitem Abstand. Auch scheint es, als fehle den Deutschen der Zugang zur Online-Welt - oftmals im wörtlichen Sinn. Breitbandanschlüsse, Start-Ups, Förderung des Web 2.0: Es gilt eine vielleicht einmalige Chance zu ergreifen.

FRANKFURT. Deutschland ist angeblich mal wieder spät dran, droht, erneut einen wichtigen Zug zu verpassen: den in die neue Medienwelt. So heißt es in zahlreichen Beiträgen, Foren und Blogs. Viele Zeilen wurden dort verfasst, auch so manche unsinnige. Es ist stets das gleiche Spiel. Da entstehen jenseits unserer Grenzen neue Geschäftsmodelle, und wir brechen sofort in Hektik aus. Wann lernen wir endlich mehr Gelassenheit? Denn zur Panik besteht kein Anlass. Das zeigt eine ehrliche Bestandsaufnahme. Es ist nicht schlecht um die Fahrkarte Deutschlands in die neue Informationsgesellschaft bestellt.

Ein paar harte Fakten: Die jüngsten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) in punkto Zugang zum Breitbandnetz sind nur scheinbar alarmierend. Zwar ist Deutschland bei der auf die Einwohner bezogenen Anschlussquote mit Platz 18 nur Mittelklasse. Doch absolut gesehen gibt es in keinem anderen europäischen Land mehr Haushalte, die an die breite Datenautobahn angeschlossen sind. Nur in den USA und in Japan ist die Zahl höher.

Hinzu kommt unser sehr gut ausgebautes Mobilfunknetz. Es ist eine ideale Basis für künftige Geschäftsmodelle. Denn die werden nach Ansicht vieler Experten vor allem mobil sein. Google-Chef Eric Schmidt hat recht, wenn er hier Asien, aber auch Europa klar im Vorteil sieht gegenüber den USA. Auch Michael Moritz, erfahrener Risikokapitalgeber bei Sequoia Capital, der Ikone unter den amerikanischen Venture-Capital-Firmen, mahnte vor einiger Zeit mit Blick auf die bisherige Vorherrschaft der USA in der Internetwelt, dass kein Reich ewig dauere.

So weit, so gut. Nur, werden Kritiker an dieser Stelle einwerfen, was nützen die besten Straßen, wenn sie kaum einer nutzt? Tatsächlich scheint es mit unserer Internet-Affinität nicht weit her zu sein. "Wenn wir über das Internet reden, reden wir in Deutschland zuerst über Dinge wie den vermeintlich fehlenden Schutz der Kundendaten und weniger über die Vorteile, die sich dem Verbraucher damit bieten", klagt Konstantin Urban. Er ist General Partner von Holtzbrinck Ventures, einer der Investoren der deutschen Web-2.0-Szene und Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die auch das "Handelsblatt" herausgibt.

Auch die Ausbildung unseres Nachwuchses ist nicht gerade internetfreundlich. Die Ausstattung unserer Schulen mit PCs ist katastrophal. Wenn wir nicht aufpassen, werden uns die Entwicklungsländer mit dem 100-Dollar-Laptop demnächst den Rang ablaufen.

Seite 1:

Chancen waren nie größer...

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%