Neue Methode mit ausgefallenen Haaren erleichtert Tätersuche
Hintergrund: Zellkern genügt für genetische Analyse

afp BERLIN. Der so genannte "genetische Fingerabdruck", der die Ermittlungen im Fall des 1991 ermordeten Treuhandchefs Detlev Karsten Rohwedder nun einen entscheidenden Schritt voran gebracht hat, beruht auf der Einmaligkeit der menschlichen Erbinformationen. Für die moderne Analysetechnik genügt ein einziger Zellkern eines Menschen, um einen zu 99,9 Prozent sicheren genetischen Fingerabdruck herzustellen. Bei den Ermittlungen zum RAF-Anschlag auf Rohwedder wurde eine neue Untersuchungsmethode des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden angewendet, die eine Kern-DNA-Untersuchung an ausgefallenen Haaren - so genannten "telogenen Haaren" - ermöglicht. Bis vor kurzem konnten nur ausgerissene Haare einer solchen DNA-Analyse erfolgreich unterzogen werden.

Im Zellkern befindet sich die so genannte DNA - Säure-Moleküle in der Form einer gedrehten Leiter -, die die Erbinformationen enthalten. Für den genetischen Fingerabdruck wird die Abfolge bestimmter Verbindungs-Bestandteile (Basen) in der DNA bestimmt. Das Material muss nicht unbedingt aus Sperma oder Blut stammen. Es genügen auch schon eine Haarschuppe, Speichel an Briefmarken und Zigaretten oder winzige Hautreste des Täters, die beim Abwehrkampf unter die Fingernägel des Opfers gelangt sind.

Dank der DNA-Analyse können Täter auch Jahre oder Jahrzehnte nach der Tat überführt werden. Eine der häufigsten Spurenarten bei Delikten aller Art sind menschliche Haare. Ausgerissene Haare, an deren Wurzel noch Gewebe und damit kernhaltige Zellen haften, können zweifelsfrei typisiert werden. Schwierig war die Beweislage bisher hingegen bei ausgefallenen Haaren, denen keine Gewebereste anhaften und die nur kurze DNA-Fragmente enthalten. Immerhin machen laut BKA telogene Haare rund 95 Prozent der sichergestellten Haarspuren aus.

Eine modifizierte molekulargenetischen Untersuchungsmethode, die von Wissenschaftlern des Kriminaltechnischen Instituts des BKA entwickelt wurde, brachte nun den Durchbruch. Bei der Kern-DNA-Analyse wird die in den verhornten Zellen ausgefallener Haare enthaltene DNA herausgelöst und mit einer speziellen Methode typisiert - mit hoher Erfolgsrate. Auch im Fall Rohwedder konnte damit zehn Jahre nach dem Anschlag eine am Tatort gefundene Haarspur "zweifelsfrei" dem mutmaßlichen RAF-Terroristen Wolfgang Grams zugeordnet werden.

Die DNA-Anaylse hat sich neben dem klassischen Fingerabdruck (Daktyloskopie) inzwischen als zweites Standbein zur Identifizierung von Tatverdächtigen etabliert. In der zentralen Gen-Datei beim Bundeskriminalamt, die 1998 eingerichtet wurde, sind bereits mehr als 101 000 Datensätze von Tatspuren oder Tätern registriert. Voraussetzung ist laut Gesetz das Vorliegen eine "Straftat von erheblicher Bedeutung" wie etwa Mord, Vergewaltigung, Raub oder schwerer Diebstahl.

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