Neue Milliardenlöcher bei der Bahn
Deutsche Bahn muss ihren Börsengang verschieben

Die Finanzkrise der Deutschen Bahn AG hat sechs Jahre nach der Bahnreform weitaus größere Dimensionen als bisher bekannt war. Laut Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt muss deshalb der für 2004 angesetzte Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der jährliche Mittelbedarf zur Erneuerung der Schieneninfrastruktur und des rollenden Materials liege erheblich über den derzeit vom Bund zur Verfügung gestellten Zuschüssen, sagte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn dem Handelsblatt. Das Unternehmen werde ohne zusätzliche Unterstützung bereits in wenigen Jahren wieder in zweistelliger Milliardenhöhe hinter den Planungszahlen zurückbleiben. Dies sagte Klimmt auch gegenüber dem "Spiegel". Das Magzin beziffert für die kommenden drei Jahren die möglichen Verluste auf je 800 Mill. bis 1,2 Mrd. DM. Die Regierung denke nun auch an eine Minderheitsbeteiligung ausländischer Interessenten an der Bahn.

Als Folge fehlender Investitionen droht das Unternehmen auch beim Versuch zu scheitern, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. In ihrem derzeitigen Zustand könne die Bahn diese Aufgabe nicht erfüllen, heißt es nach Informationen des Handelsblatts im neuen Verkehrsbericht, den Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt am Mittwoch im Kabinett vorstellen will. "Das existierende Schienennetz ist nicht in der Lage, die gewünschten und prognostizierten Verkehrsmengen mit der erwarteten Qualität zu bewältigen." Über einen längeren Zeitraum müssten die Investitionsmittel in das Schienennetz deutlich erhöht werden.

Die UMTS-Gelder reichen bei weitem nicht aus

Obwohl Klimmt nun mehr Eigenanstrengung der Bahn fordert, geht aus dem Verkehrsbericht klar hervor, dass die bis 2003 genehmigten jährlichen 2 Mrd. DM aus den UMTS-Erlösen bei weitem nicht ausreichen, um die Bahn wettbewerbsfähig zu halten. Dies bestätigte auch Mehdorn: Der Nachholbedarf liege "um ein Mehrfaches" über den UMTS-Milliarden. Der Bahnchef sagte, die unternehmensinterne Bestandsaufnahme stehe kurz vor dem Abschluss und werde "eine Reihe von Überraschungen bringen, die viele erschrecken werden". Der Verkehrsbericht weist auf der Basis neuer Prognosen drei Szenarien für die Bahn aus: Gibt es nicht mehr Investitionsmittel, droht ihr Anteil am Gütertransport bis 2015 von bisher 19,6 % auf 16,3 % zu sinken. Stellt der Staat dagegen mehr Geld für die Sanierung des Schienennetzes bereit, könnte der Anteil der Bahn auf mehr als 24 Prozent gesteigert werden. Würde zusätzlich der Straßenverkehr massiv verteuert, könnten auf der Schiene bis 2015 sogar 27,8 % aller Güter transportiert werden.

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