Neue Milliardenpleite in der japanischen Versicherungswirtschaft
Tokyo Mutual Life beantragt Gläubigerschutz

Die Kette von Versicherungspleiten in Japan reißt nicht ab. Am Freitag beantragte die über hundert Jahre alte Lebensversicherung Tokyo Mutual Life Insurance Gläubigerschutz vor einem Gericht in der japanischen Hauptstadt. Grund sei die Weigerung der Daiwa Bank dem Unternehmen eine dringend benötigte Milliardenhilfe zur Verfügung zu stellen.

afp TOKIO. Tokyo Mutual hatte auf eine Finanzspritze in Höhe von 30 Milliarden Yen (272 Mill. Euro/532 Mill. DM) gehofft. Das Unternehmen zeigte sich aber weiter zuversichtlich, mit Hilfe eines "weißen Ritters" aus dem Ausland einen Weg aus der Krise zu finden.

Tokyo-Mutual-Chef Kenichi Nakamura sagte vor Journalisten, sein Unternehmen sei von der Absage der selbst in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Daiwa Bank "vollkommen überrascht worden". Wie viele andere Versicherer wurde Tokyo Mutual das niedrige Zinsniveau in Japan zum Verhängnis, die es dem Unternehmen unmöglich machten, genug Geld zu verdienen, um die ihren Kunden während der Boom-Zeit in den 80er Jahren versprochenen hohen Renditen zu zahlen. Der Abwärtssog an den Aktienmärkten haben die finanzielle Lage dann weiter verschlechtert, sagte Nakamura, der nun seinen Rücktritt erklärte. Tokyo Life war im Jahr 1895 gegründet worden.

Der drohende Konkurs von Tokyo Life wäre bereits der siebte einer Lebensversicherung seit dem Jahr 1997. Im vergangenen Oktober waren zuletzt die Versicherungen Kyoei Life und Chiyoda Mutual zusammengebrochen. Verglichen mit der Pleite von Kyoei Life ist das Ausmaß bei Tokyo Mutual relativ gering: Während die Verbindlichkeiten von Tokyo Mutual sich auf 980 Mrd. Yen (8,9 Mrd. Euro/17,4 Mrd. DM) belaufen, hatte der Konkurrent mit 4,5 Billionen Yen (rund 40 Mrd. Euro/78 Mrd. DM) in der Kreide gestanden und wurde damit zur größten Pleite in der japanischen Privatwirtschaft.

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