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Neue Modelle drücken vorläufig auf Gewinn von BMW

Die Entwicklungskosten für neue Modelle und die Neuauflage der "7er-Reihe" und des "Mini" werden im dritten Quartal 2001 und vermutlich darüber hinaus auf den Gewinn des Münchener Autokonzerns BMW drücken - das hat BMW schon selbst angekündigt.

Reuters MÜNCHEN. Vom Abschwung am Automobilmarkt bekommt der Oberklassehersteller nach der Ansicht von Analysten dagegen wenig zu spüren. Die Aktie gelte weiter als "sicherer Hafen", sind sich die Bankenexperten vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Mittwoch einig. "Das Tempo (des Gewinnwachstums) hat sich verlangsamt, und es muss sich noch weiter verlangsamen, aber die Zahlen sind immer noch gut", sagte Pia-Christine Schulze vom Münchener Bankhaus Merck Finck.

Der Gewinn vor Steuern ist im Durchschnitt der Schätzungen von elf Banken mit 474 Mill. ? in den Monaten von Juli bis September deutlich geringer ausgefallen als in den drei Monaten zuvor, als BMW ein Ergebnis von 847 Mill. ? verbucht hatte. Der Umsatz wird mit 8,87 Mrd. ? den Schätzungen zufolge 16 % niedriger als im Sommerquartal (10,61 Mrd. ?) sein. Vor allem der Modellwechsel beim "Siebener" falle hier ins Gewicht. Das alte Modell war vor den Werksferien im Juli ausgelaufen, das neue, das wegen seines ungewöhnlichen Design auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt für Gesprächsstoff gesorgt hatte, steht nicht vor November bei den Händlern, so dass drei Verkaufsmonate quasi ausfallen.

Erstmals Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal

BMW legt zum ersten Mal Zahlen für das dritte Quartal vor, so dass die Analysten für ihre Schätzungen das Vorjahr nicht zum Vergleich heranziehen konnten. Mit 335 bis 618 Mill. ? liegen ihre Prognosen daher weit auseinander. Dennoch sind sie sich einig, dass der Münchener Konzern seine - wie gewohnt eher konservativen - Ziele in diesem Jahr erreichen wird. Das noch von der Abwicklung von Rover mit 762 Mill. ? belastete Vorjahresergebnis aus dem gewöhnlichen Geschäft von 1,66 Mrd. ? hatte BMW schon nach sechs Monaten übertroffen.

Nun nimmt man in München die 2,38 Mrd. ? ins Visier, die im Jahr 2000 allein im Geschäft mit der eigenen Marke erwirtschaftet worden waren. Einigen Analysten wird die Erfolgssträhne schon unheimlich: "Wir haben eigentlich nur Bedenken, dass noch keine negativen Nachrichten aus München gekommen sind", sagte der Branchenexperte einer deutschen Bank.

Im September war BMW der einzige unter den großen deutschen Autoherstellern, der beim Absatz in den USA nach den Anschlägen in New York und Washington noch zulegen konnte. "Der Zulauf bei den Händlern hat sich normalisiert", sagte Finanzvorstand Helmut Panke. Auch im Oktober legten die Verkaufszahlen dort erneut um 1,4 % zu.

BMW "defensivster Wert im ganzen Sektor"

"BMW ist der defensivste Wert im ganzen Sektor", sagte ein Analyst der Deutschen Bank. "Aber die Aktie ist nicht preiswert." Weitere Kurszuwächse seien nur bei kontinuierlich steigenden Gewinnen zu erwarten. Am Montag legten BMW erneut um vier Prozent auf 35,62 ? zu, nachdem sie im September nach den Anschlägen in den USA im Sog der Talfahrt an den weltweiten Börsen bis auf 21,65 ? gefallen war. Die BHF-Bank hat die Aktie mit einem Kursziel von 26 ? auf "Halten" eingestuft, will ihre Einschätzung aber nach den Quartalszahlen überdenken.

Auch die zunächst von vielen als Wagnis gesehene Neuauflage des "Mini" scheint sich erfolgreich zu entwickeln. Knapp vier Monate nach dem Verkaufsstart in Großbritannien führt BMW für das britische Kultauto in Oxford eine dritte Schicht ein und erhöht damit den Ausstoß um 25 % auf 500 Autos täglich oder rund 125 000 Autos im Jahr. Zu den 900 000 Fahrzeugen, die BMW als Ziel für das laufende Jahr ausgegeben hat nach 822 000 im Vorjahr, wird der "Mini" aber noch wenig beitragen.

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