Neue Modelle sollen für Schwung sorgen
Autoindustrie sieht Trendwende bei Dienstwagen

Lichtblick für die von Absatzschwäche und Kurseinbrüchen gebeutelte Autoindustrie: Der schwache Markt für Dienstwagen findet allmählich aus der Talsohle. Nach Einschätzung des Verbandes der Autoindustrie (VDA) hat das in den vergangenen Monaten deutlich eingebrochene Geschäft mit Firmenwagen seinen Tiefpunkt bereits hinter sich.

FRANKFURT/M. "Ich glaube, wir haben die Trendwende geschafft", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk dem Handelsblatt.

Die anhaltende Konjunkturflaute und die Debatte um eine höhere Besteuerung der Dienstwagen hatten dem für die Branche wichtigen Marktsegment in den ersten Monaten dieses Jahres einen deutlichen Dämpfer versetzt, von dem sich die Autoindustrie selbst nach dem Scheitern der Regelung im Bundesrat bisher nicht erholte. Vor allem die in der zweiten Jahreshälfte geplanten Markteinführungen der neuen Volumenmodelle BMW 5er und Opel Vectra Caravan sind jedoch auf Impulse aus dem Flottengeschäft angewiesen.

Mit sichtbarer Erleichterung verfolgen die Automanager daher, dass sich die Kauflaune der Gewerbetreibenden langsam wieder verbessert. So macht die Branche seit Ostern wieder positive Impulse aus. Nachdem laut einer VDA-Erhebung im Frühjahr nur noch 6,4 % der befragten Betriebe angaben, ihren Fuhrpark erweitern zu wollen, steigt das Interesse seit der Rücknahme der Pläne für eine höhere Dienstwagensteuer nun wieder kontinuierlich. Dennoch glaubt Gottschalk nicht, dass die Branche den Rückstand in diesem Segment im laufenden Jahr noch aufholen werde. "Wir werden es im Umsatz spüren und in einer einfacheren Ausstattung der Fahrzeuge", glaubt der VDA-Chef.

Der Markt für Dienstwagen hat gerade für die deutschen Autohersteller eine immense Bedeutung. Knapp 50 % der Neuwagen in Deutschland werden nach Zahlen des Leverkusener Analyseinstituts B&D Forecast des Automarkt-Experten Ferdinand Dudenhöffer von Firmen geordert. Neun von zehn verkauften Dienstwagen stammen dabei von deutschen Auto-Herstellern - neben VW vor allem Opel und Audi, gefolgt von Mercedes, BMW und Ford.

Mit Argusaugen verfolgen darum nicht nur die BMW-Manager in München den sich allmählich erholenden Absatz der Dienstlimousinen. Im Juli bringen die Bayern den neuen 5er auf den Markt. Der Wagen geht zu mehr als 70 % an Kunden, die ihn geschäftlich nutzen. Die Bayern, die verlorenen Boden gut machen müssen, um ihre Prognosen in diesem Jahr noch zu halten, setzen nun auf aufgeschobene Bestellungen. "Wir erwarten für das zweite Halbjahr Impulse", sagte kürzlich BMW-Chef Helmut Panke.

In Rüsselsheim baut Opel-Chef Carl-Peter Forster ebenfalls auf eine weitere Erholung. Im Oktober wird der Autobauer, der Ende dieses Jahres wieder schwarze Zahlen schreiben will, die Kombiversion des Mittelklassemodells Vectra auf den Markt bringen, die sich beim Vorgänger sogar besser verkaufte als das Stufenheckmodell. Jeder zweite Käufer war bisher ein Firmenkunde, wie Opel-Vorstand Alain Uyttenhoven sagte.

Doch die Firmen kämpfen nicht nur gegen einen schwachen Markt, sondern auch gegen einen Trend zur neuen Bescheidenheit, der sich auch in niedrigeren Ausstattungs- und Motorenvarianten zeigt. So verzichtete der Vorstandssprecher der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, zum Beispiel auf einen Mercedes S 500 als Dienstwagen und bestellte eine kleinere Version. Der Preis sei bei der Wahl nicht das entscheidende Kriterium gewesen, sagte Müller. "Es ist das Signal."

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