Neue Nahost-Initiative angeregt: Aznar kritisiert erstmals US-Politik

Neue Nahost-Initiative angeregt
Aznar kritisiert erstmals US-Politik

Der spanische Regierungschef fordert von der US-Führung einen besseren diplomatischen Stil und verlangt "mehr Powell und weniger Rumsfeld".

HB/WSJ/sk MADRID. Spaniens Regierungschef José María Aznar hat erstmals Kritik an der US-Regierung geübt. "Ich habe Präsident Bush gesagt, dass wir mehr Powell brauchen und weniger Rumsfeld", betonte Aznar in einem Gespräch mit dem Wall Street Journal Europe. Außerdem mahnte er eine aktivere Nahostpolitik an. Aznar zählt zu den Befürwortern des harten Irak-Kurses der USA.

Der diplomatische Stil von US-Außenminister Colin Powell komme in Europa besser an als der scharfe Ton von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sagte Aznar. "Wenn Powell mehr spricht und Rumsfeld weniger, das wäre nicht schlecht." Rumsfeld hatte mit seiner Kritik am "alten Europa", zu dem er vor allem Deutschland und Frankreich zählt, für erheblichen Wirbel gesorgt.

Eine neue Nahost-Initiative sollte möglichst noch vor der nächsten Sitzung des Weltsicherheitsrates am 7. März erfolgen, sagte Aznar. Dies würde es den Anhängern der USA erleichtern, den wachsenden Widerstand gegen einen Irak-Krieg zu überwinden. Der spanische Regierungschef wies den Vorwurf zurück, mit seiner Initiative zum "Brief der acht" Europa gespalten zu haben. Diesem Appell zur Unterstützung der USA in der Irak-Krise hatten sich neben Spanien auch Großbritannien, Italien und fünf osteuropäische Staaten angeschlossen. Er glaube nicht an ein Europa, das sich im Gegensatz zu den USA definiert, so Aznar.

Spanien und Frankreich bekräftigten gestern ihre "unterschiedlichen Haltungen" in der Irak-Krise. Frankreichs Präsident Jacques Chirac, der Aznar in Paris empfing, bestätigte seine Ablehnung einer neuen Uno-Resolution. Aznar bezeichnete sie aber als "opportun".

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin sprachen sich am Abend gegen den Entwurf für eine neue Resolution aus und forderten erneute Bemühungen um eine friedliche Lösung. "Wir glauben, dass es unannehmbar ist, eine Resolution zu verabschieden, die automatisch das Recht gewähren würde, einen Krieg zu beginnen", sagte Putin nach Gesprächen mit Schröder in Moskau. Schröder betonte, er glaube, dass der Konflikt noch friedlich gelöst werden könne, vorausgesetzt, alle beteiligten Parteien seien gewillt dazu.

In London sprach sich eine große Mehrheit im britischen Unterhaus für die Irak-Politik von Premierminister Tony Blair aus.

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