Neue ÖVP-FPÖ-Koalition möglich
Triumph für Schüssels ÖVP

In Österreich hat die konservative Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Parlamentswahl am Sonntag mit großem Vorsprung gewonnen. Die rechtspopulistische Freiheitliche Partei (FPÖ) stürzte in der Wählergunst ab.

Reuters WIEN. Trotz dieser Verluste hätte eine Neuauflage der Mitte-rechts-Regierung aus ÖVP und FPÖ im Parlament eine Mehrheit. Die FPÖ bot sich der ÖVP noch am Wahlabend als Partner für die Fortführung der Koalition an. "Ausgemacht ist nichts", sagte Schüssel zu möglichen Koalitionen. Es könne nun aber keinen Zweifel geben, wer Österreich führen werde, fügte er mit Blick auf den ÖVP-Erfolg hinzu.

Der Wahlsieg für die ÖVP war unerwartet klar; Meinungsforscher hatten mit einem Kopf-an-Kopf Rennen von ÖVP und SPÖ gerechnet. Im Jahr 2000 war Schüssel nur mit Hilfe der FPÖ Kanzler geworden, obwohl die ÖVP in der Wählergunst damals nicht über Platz Drei hinausgekommen war.

Diesmal wurde die ÖVP zum ersten Mal seit 1966 stärkste Partei im österreichischen Parlament. Laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis erreichte sie 42,2 Prozent der Stimmen. Jubelnde Anhänger der ÖVP feierten in einem Zelt vor der Wiener Parteizentrale mit Würstchen und Bier. "Danke, danke", stammelte ein junger ÖVP-Fan mit einer Flasche Sekt in der Hand. Die ÖVP legte mehr als 15 Prozentpunkte zu, ihr größtes Plus seit 1945.

Die FPÖ, die mit der ÖVP regiert hatte, fiel in der Wählergunst dramatisch zurück. Sie büßte 16,7 Prozentpunkte ein und sackte auf 10,1 Prozent ab. Der FPÖ-Spitzenkandidat Herbert Haupt sagte, er werde der Partei nach der Wahlniederlage seinen Rücktritt anbieten. Zugleich sprach er sich aber für eine neue Koalition der FPÖ mit der ÖVP aus.

Bei der FPÖ-Wahlparty war die Stimmung lau. Die Hoffnungen richteten sich auf die ÖVP. "Für mich wäre es schöner als Weihnachten, wenn wir in der Regierung bleiben", sagte ein FPÖ-Anhänger. Ein anderer sah selbst in der Niederlage einen Sieg: "Hauptsache, es ist nicht Rot-Grün geworden", sagte er.

Für die SPÖ endete die Wahl mit einem bitteren Erfolg. Obwohl sie 3,7 Prozentpunkte gut machten, blieben die Sozialdemokraten mit 36,9 Prozent der Stimmen hinter der ÖVP zurück. SPÖ-Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer sagte, der zweite Platz für die SPÖ bedeute, dass sie in Opposition bleibe. Anders als die SPÖ dürfte die ÖVP in weitaus größerem Ausmaß von den Stimmen enttäuschter früherer FPÖ-Wähler profitiert haben.

Die Grünen legten gering auf 8,9 Prozent der Stimmen zu. Obwohl die Partei damit ihr bislang bestes Ergebnis erzielte, blieben die Grünen unter ihren eigenen Erwartungen. Sie hatten auf mindestens zehn Prozent der Stimmen und die Chance auf eine Regierungsbeteiligung gehofft. Eine rot-grüne Regierung hätte im Parlament jedoch keine Mehrheit.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) gratulierte der ÖVP und Schüssel zum Wahlsieg. Schüssel habe unter Hinweis auf Deutschland mit dem "Abschreckungsmodell Rot-Grün" Wahlkampf gemacht und auch damit haushoch gewonnen, ließ Stoiber mitteilen.

Kanzler Schüssel hielt sich vor der Wahl die Fortführung der Koalition mit der FPÖ offen. Vom Ergebnis her ist auch eine Regierung aus ÖVP und SPÖ möglich und damit eine Rückkehr zur Großen Koalition, die Österreich lange prägte. SPÖ-Vertreter sagten jedoch am Wahlabend, sie gingen von einer neuen Koalition von ÖVP und FPÖ aus.

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