Neue Offensive
Premiere startet Billigangebot

Während die Gespräche mit Investoren weiterlaufen startet Premiere ein neues Billigangebot.

jojo MÜNCHEN. Georg Kofler senkt die Preise: Von Dienstag an ist ein Abonnement des Pay-TV-Senders Premiere schon ab fünf Euro zu haben. Der Premiere-Chef erhofft sich von dem neuen Angebot endlich den Durchbruch für den angeschlagenen Sender, der im vergangenen Jahr rund 1 Mrd. Euro Verlust eingefahren hat.

Seit Monaten stagniert die Abonnenten-Zahl der Bezahlfernseh-Sparte von Kirch bei rund 2,4 Millionen. Wie viele neue Kunden das Billigangebot bringen soll, wollte ein Sprecher am Montag nicht sagen. Premiere verspreche sich jedenfalls "einen deutlichen Schub". Zuletzt hätten sich täglich 1 000 Zuschauer für ein neues Abonnement entscheiden.

Dass es in der derzeitigen Situation schwierig werde, neue Kunden zu gewinnen, geben die Marketing-Mitarbeiter bei Premiere unumwunden zu. In der Tat: Die Unsicherheit ist groß. Noch immer gehen Branchen-Insider in München davon aus, dass eine Insolvenz der Muttergesellschaft von Premiere, der Kirch Pay, wahrscheinlicher ist als eine Rettung. In unternehmensnahen Kreisen heißt es, dass die Insolvenz neue Chancen eröffnen würde und deshalb kein Schaden für Premiere sein müsste. So könnte der Münchener Kanal seine überteuerten Rechteverträge ganz neu verhandeln, wenn es zu einer Pleite käme. Die Marke Premiere solle so gut wie möglich aus den Turbulenzen heraus gehalten werden.

Hinter den Kulissen verhandelt Kofler derzeit an zwei Fronten: Auf der einen Seite sucht der Fernseh-Manager nach Investoren. Andererseits muss er die Kosten drastisch drücken, um für neue Geldgeber interessant zu werden.

Zumindest intern hat Kofler seine Hausaufgaben gemacht. Die Personalkosten werden in den nächsten Monaten drastisch sinken, weil 800 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Nach Gewerkschaftsangaben sind am größten Standort München schon knapp 200 Mitarbeiter entlassen worden. Darüber hinaus laufen Unterredungen mit Programm-Lieferanten und Netzbetreibern, um die Preise zu drücken.

Mögliche Investoren zeigen durchaus Interesse: So gibt es in der laufenden Woche unter anderem Verhandlungen mit Medienunternehmer John Malone. Dessen Konzern Liberty Media wollte ursprünglich einen großen Teil des Kabelnetzes der Deutschen Telekom übernehmen, doch die Pläne scheiterten. Auch Bertelsmann ist interessiert.

Analysten sehen durchaus Chancen für Pay-TV in Deutschland. Die Unternehmensberatung Mercer Management Consulting schätzt, dass der Pay-TV-Markt von zuletzt jährlich 900 Mill. Euro auf 1,6 Mrd. Euro bis 2006 wachsen wird. Grundlage für den Schub seien unter anderem individuellere Auswahlmöglichkeiten. Dies hat Premiere erkannt und bietet künftig eine Reihe von Pay-per-View-Angeboten: Für drei Euro lassen sich Erotik-Filme ins Wohnzimmer holen, für neun Euro ein Wochenende Formel-Eins. Und nach dem Abschied von der hauseigenen D-Box ist es jetzt auch möglich, Premiere über eine Vielzahl von Geräten verschiedener Firmen zu empfangen. Ob die Kunden dies auch mitbekommen ist allerdings offen. Lediglich in den Läden soll das neue Angebot beworben werden.

Quelle: Handelsblatt

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