Neue Operationstechnik ist für eine Vielzahl von Eingriffen geeignet
Wasserstrahl schneidet Gewebe schonender

In der Industrie hat sich das Schneiden mit Wasserkraft schon lange durchgesetzt. Und auch einige Ärzte setzen schon heute auf die Hochdruck-Technologie. Das Problem des Spritzwassers hält allerdings viele Chirurgen vom Einsatz des Wasser-Skalpells ab. Ein neues Produkt hat dieses Problem jetzt überwunden.

HB SCHWERIN. Mit der neuen Entwicklung einer Schweriner Firma könnte sich das Schneiden mit Wasserdruck bei vielen Operationen durchsetzen. Schon seit einigen Jahren arbeiten manche Leber- und Hirnchirurgen mit dieser Technologie. Doch das bei der Operation entstehende Spritzwasser verhinderte bisher den breiten Einsatz des Wasser-Skalpells.

Das Unternehmen Andreas Pein Medizintechnik hat dieses Problem mit ihrem Helix Hydro-Jet jetzt gelöst. Im Gegensatz zu früheren Geräten wurden beim Hydro-Jet spezielle Düsen entwickelt, die dem Wasserstrahl eine bohrerförmige Oberflächenstruktur aufzwängen. Das Drucksystem wurde durch eine intelligente Softwarelösung ersetzt, die eine den Gegebenheiten erforderliche Druckanpassung erlaubt. Und schließlich wurde der mittlerweile von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassene Hydro-Jet durch eine Absaugvorrichtung ergänzt, die Schluss macht mit dem störenden Sprühwasser. Das Gerät wird damit vielen Anforderungen gerecht: vom Ausspülen kranken Tumorgewebes ab einem Druck von ein bis zwei bar bis hin zum Schneiden von Knochensubstanz bei 300 bar.

Wasserstrahlen werden zu mikrometerfeinen Werkzeugen

In der Industrie hat sich das Schneiden mit Wasserkraft bereits lange durchgesetzt. Scharf gebündelte Hochdruck-Wasserstrahlen zerteilen Holz, Kunststoff und sogar Stahl. In der medizinischen Anwendung ist die Wassertechnik in vielen Bereichen herkömmlichen chirurgischen Techniken deutlich überlegen, weil sie OP-Dauer, Blutverluste, Schmerzen und Liegezeiten senken kann.

Besonders vorteilhaft sind Wasser-Skalpelle, wenn es darum geht, krankhaftes Gewebe aus dem Körper zu entfernen, ohne dabei das feine Geflecht von Blutgefäßen, Nervenbahnen und Gängen zu verletzen. Mit Skalpell, Laser, Hochfrequenz- oder Vereisungsinstrumenten gelingt das selbst bei vorsichtiger Arbeit nicht immer. Die nur wenige Mikrometer dünnen Wasserstrahlen, deren Druck der unterschiedlichen Gewebsfestigkeit angepasst werden kann, sind hier klar im Vorteil.

Bereits 1997 entfernte Prof. Jürgen Piek in Greifswald erstmals einen Hirntumor mit Wasser. Inzwischen gibt es in Deutschland wahre Enthusiasten wie den Hannoveraner Prof. Ferdiand Köckerling, der Mastdarm, Prostata, Eierstock und Gebärmutter erfolgreich und schonend von krebsigen Veränderungen befreit. "Es treten geringere Blutungen als mit dem Skalpell auf, und der Patient hat nach der Operation weniger Schmerzen. Auch wird die Gefahr, benachbartes Gewebe zu zerstören, stark verringert", sagt Köckerling.

Zusatz von Medikamenten möglich

Für den Hersteller Pein ist der "Wasserstrahl auch deutlich intelligenter als der Laser". Denn der Laser mache beispielsweise vor Blutgefäßen nicht Halt, die er verdampft. Zerstört er auch Nervenleiter, können Lähmungen die Folge sein. In klinischen Studien wird derzeit getestet, ob der Hydro-Jet beispielsweise auch zur Behandlung des Grauen Stars, zum Lösen gelockerter Hüftprothesen oder zur Entfernung entzündeter Gelenkinnenhäute bei Rheuma taugt.

Manche Ärzte halten es auch für denkbar, dass durch Zusatz von Krebsmedikamenten ein Verschleppen von Tumorzellen während der Operation vermieden werden kann. Seit mehr als zwölf Jahren entwickelt der Medizintechniker Andreas Pein Wasser-Skalpelle. Heute ist das Unternehmen mit seinen 34 Beschäftigten nach eigener Aussage weltweit Marktführer in Sachen Wasserstrahl-Skalpell.

Den Vertrieb des Helix Hydro-Jet hat im Juni die Tübinger Erbe Elektromedizin übernommen. "Wir wollen jährlich 150 bis 200 der 90 000 Mark teuren Systeme absetzen", ist Geschäftsführer Reiner Thede zuversichtlich. Der Markt hänge davon ab, inwieweit derzeit laufende Studien weitere Anwendungsbereiche für das Wasserstrahl-Skalpell eröffnen. Konkurrenz droht lediglich von zwei Herstellern in Frankreich und den USA. Deren Geräte arbeiteten aber mit immens hohen Drücken deutlich unflexibler als der Hydro-Jet, sagt Pein.

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