Neue Partner wollen mindestens 66 Prozent der Anteile zusammenkaufen
Fiat und Edf bieten 4,55 Mrd. Euro für Montedison

Die rein italienische Lösung ist ausgeschlossen: Das neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen Italenergia unter Führung des Mischkonzerns Fiat und des französischen Stromriesen Edf will den Mailänder Energiekonzern Montedison für 4,55 Mrd Euro (9,55 Mrd. DM) übernehmen. Dies teilte Italenergia am Montag mit. Das Nachsehen hat dadurch das in Italien mächtige Bankhaus Mediobanca.

bue TURIN/MAILAND/DÜSSELDORF. Die aggressive Expansionspolitik der EdF hatte angesichts der weitgehenden Abschottung des französischen Strommarktes in der Vergangenheit in Europa für Verärgerung gesorgt.

Nun steht der französische Strommriese Edf zusammen mit Fiat vor dem Zugriff auf Montedison. Bereits am Sonntagabend waren die Bedingungen für ein öffentliches Angebot zur Übernahme der Montedison-Mehrheit fixiert worden. Gleichzeitig gründeten Fiat und Edf das Gemeinschaftsunternehmen Italenergia, das den italienischen Energiekonzern Montedison künftig führen soll.

Die Italenergia werde von Fiat mit einer Beteiligung von 40 Prozent angeführt, der französische Stromversorger Electricite de France halte 18 %, die Tassara-Gruppe des Unternehmers Romain Zaleski % und drei italienische Geldinstitute seien gemeinsam mit ebenfalls 20 % beteiligt, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Nach eigener Aussage verfügt die Italenergia bereits jetzt über mehr als 48 Prozent der Montedison-Anteile.

Fiat und seine Verbündeten werden versuchen, 66 % des Montedison-Kapitals auf sich zu vereinigen. Der Preis für eine Aktie wird auf 2,8 bis 3,2 Euro geschätzt. Dafür haben die beteiligten Banken Kreditlinien von 20 Mrd. Euro bereit gestellt. Lazard Fréres und Deutsche Bank sind die Berater bei der Übernahme.

Mindestens 66 % sind nötig, um nach italienischem Recht auf Hauptversammlungen wesentliche Änderungen durchzusetzen, bei Montedison wäre das die Ausgliederung der Energietochter Edison. Auf diese Sparte hatte es EDF abgesehen, als sich die Franzosen mit 20 % am gesamten Montedison-Konzern beteiligten. Die italienische Regierung hat das EDF-Stimmrecht für solche Entscheidungen auf 2 % beschränkt. Doch mit der Beteiligung von Fiat - so die Sichtweise italienischer Finanzkreise - wird das Regierungsdekret umgangen. Rom wollte mit seiner Entscheidung den Einfluss von EDF auf den italienischen Energiekonzern begrenzen.

Italienische Regierung will sich nicht einmischen

In der vergangenen Woche hatte der neue italienische Industrieminister Antonio Marzano betont, die Regierung werde sich nicht einmischen. Sie wolle aber einen echten Wettbewerb auf dem italienischen Strommarkt. EdF erklärte, die Kooperation mit Fiat könnte dazu beitragen die Entwicklung des italienischen Energiemarktes zu beschleunigen.

Anfang Juni hatte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller Frankreich Beschränkungen bei der Einfuhr von Strom angedroht. Müller wolle es nicht auf Dauer zulassen, dass ein ausländischer Monopolist zum Nachteil der deutschen Anbieter Strom auf dem deutschen Markt verkaufe, hatte das Wirtschaftsministerium erklärt. Ein genereller Importstopp sei damit aber nicht gemeint. Die EdF ist in Deutschland vor allem über ihre Beteiligung an der Energie Baden-Württemberg präsent.

Benetton hat sich zurückgezogen

Nachdem die Pläne von Fiat bekannt geworden waren, zog sich die Textilgruppe Benetton aus einem Konsortium unter Führung der Mailänder Bank Mediobanca zurück. Die Firmengruppe hatte versucht, den Vormarsch von EDF bei Montedison zu stoppen. Montedison und die mit 15 % an dem Konzern beteiligte Mediobanca empfinden die Übernahme als feindlich, haben dem überraschenden Coup aber kaum etwas entgegen zu setzen.

Experten in Mailand sind der Auffassung, dass Mediobanca allenfalls versuchen könnte, die 30-Prozent-Beteiligung von Montedison an der Versicherungsgruppe Fondiaria für sich zu retten. Die Mailänder Bank müsste Fiat dafür ihre Beteiligung an Montedison im Tausch gegen das Fondiaria-Paket anbieten. Fiat könnte jedoch selbst versuchen, seine Versicherungstochter Toro und den befreundeten Mailänder Versicherungskonzern SAI samt der Fondiaria zu einem Großkonzern zusammen zu schmieden. Ein solcher neuer Versicherungskonzern würde wiederum Generali Nüsse zu knacken geben, der größten Assekuranzgruppe Italiens, an der Mediobanca mit 10 % beteiligt ist. Fondiaria besitzt 2 % an Mediobanca, und wenn jetzt alle gegen das Mailänder Bankhaus agierenden Kräft ihre Beteiligungen bündeln, gerät das ganze sorgsam austarierte Machtgefüge in der norditalienischen Hochfinanz ins Wanken.

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