Neue Perspektiven in geringem Risiko
Privatanleger entdecken offene Immobilienfonds

Aus der Traum vom schnellen Geld. An den Finanzmärkten hagelt es Gewinnwarnungen, die Aktienkurse finden keinen Halt. Viele Anleger brauchen jetzt Balsam für die Nerven und suchen gezielt nach Investitionsmöglichkeiten mit geringem Risiko.

Fündig werden sie bei offenen Immobilienfonds, die das eingesammelte Kapital breit gestreut am Gewerbeimmobilienmarkt investieren. Die Anteilspreise dieser Fonds schwanken kaum, und unterm Strich zeigt ihre Wertentwicklung - wenn auch phasenweise mit geringen einstelligen Prozentsätzen - kontinuierlich nach oben. Vorzüge, die Anleger im Zuge einer neuen Bescheidenheit mittlerweile wieder stärker zu schätzen wissen und daher kräftig einsteigen. Allein im ersten Halbjahr verzeichneten die offenen Immobilienfonds Zuflüsse in Höhe von 4,9 Mrd. DM. "Die Begeisterung für Aktien hat einen kräftigen Dämpfer bekommen. Davon profitieren wir jetzt", bestätigt Axel Kraus, Geschäftsführer des Internationalen Immobilien-Instituts (iii). "Das Risikobewusstsein ist wieder in den Vordergrund gerückt. Und das führt immer direkt zu uns", meint auch Barbara Knoflach, Geschäftsführerin bei SEB Immobilien-Investment.

Noch im vergangenen Jahr sah die Sache ganz anders aus. Die Anleger zogen massiv Kapital aus den offenen Immobilienfonds ab und setzten auf Aktien. Jetzt kehren sie reumütig zurück. "Von Schadenfreude ist da keine Spur", versichert die SEB-Geschäftsführerin, "wir freuen uns aber, dass die Anleger den Charme der offenen Immobilienfonds wieder entdeckt haben." Dazu trägt auch die aktuelle Wertentwicklung der Fonds bei, die nach mehreren mageren Jahren mittlerweile wieder meist bei fünf bis sechs Prozent Wertzuwachs innerhalb von zwölf Monaten liegt. Zusätzlicher Pluspunkt: Im Durchschnitt sind etwa 40 bis 50 % der Erträge steuerfrei.

"Durch den Steuereffekt ergeben sich andere Zahlen als die, die man auf den ersten Blick sieht," erklärt iii-Geschäftsführer Kraus. Zudem rechnet er auf Sicht von ein bis zwei Jahren mit einem weiteren Renditeanstieg der Fonds. Tatsächlich sind die Rahmenbedingungen auf dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt günstig. Die Büromieten ziehen an, die Leerstände verringern sich. "An vielen Standorten haben wir einen Vermietermarkt und sind daher in der komfortablen Situation, höhere Mietpreise aushandeln zu können", sagt Kraus.

Die im Vergleich zur Konkurrenz rückblickend unterdurchschnittliche Wertentwicklung des iii-Fonds Nr. 1 erklärt der Geschäftsführer der Münchener Gesellschaft unter anderem damit, dass viele Liegenschaften schon lange im Portfolio seien und jetzt modernisiert werden müssten. Zudem sei nach der Wende verstärkt in den neuen Bundesländern investiert worden, wo sich der Immobilienmarkt weit schlechter als erwartet entwickelt hätte. "Das drückt natürlich auf die Rendite", konstatiert Kraus.

Im Konkurrenzvergleich liegen diejenigen Fonds vorn, die ihre Anlagepolitik stark auf das Ausland ausgerichtet haben. Dazu zählen unter anderem der SEB Immoinvest (ehemals BfG Immoinvest), der iii-Fonds Nr. 3 und der CS Euroreal. Der SEB-Fonds, der von der Ratingagentur Standard & Poor?s im Fünf- und Zehnjahresvergleich Bestnoten erhielt, investiert etwa die Hälfte des Vermögens im Ausland - vor allem in den USA, Frankreich und den Niederlanden. Auf der Suche nach geeigneten Objekten ist SEB-Fondsmanagerin Barbara Knoflach gegenwärtig insbesondere in Frankreich, Italien und Ungarn. Getrennt hat sie sich dagegen vom London-Portfolio, wo der Immobilienmarkt seinen Höhepunkt erreicht habe. Den spanischen Markt hält sie angesichts geringer Renditen für nicht interessant, und auch Polen und Tschechien seien "lediglich in Beobachtung".

Für frischen Wind in der Branche sorgen seit Ende vergangenen Jahres zwei neue offene Immobilienfonds (siehe rechts "Neulinge"). Während der Westinvest Interselect einen Auslandsanteil von bis zu 70 % anstrebt, investiert der Grundbesitz-Global ausschließlich im Ausland. Mit dieser Fondskonzeption trifft die Deutsche Grundbesitz-Investmentgesellschaft (DGI) auf große Nachfrage: Seit Vertriebsbeginn im September 2000 sammelten die Immobilienprofis der DGI rund 600 Mill. Euro ein, 400 Mill. Euro davon allein in diesem Jahr. Mit so hohen Zuflüssen kann das alte Flaggschiff der DGI, der Grundbesitz-Invest, gegenwärtig nicht aufwarten. Dieser Fonds ist mit einem Anteil von 76 % vor allem auf den deutschen Immobilienmarkt ausgerichtet.

Wichtig: Offene Immobilienfonds sind für die mittel- oder langfristige Geldanlage konzipiert. Auf Grund der relativ hohen Einstiegsgebühren - Ausgabeaufschläge von fünf % sind die Regel - lohnt sich ein kurzzeitiges Investment nicht. Als Richtschnur nennen Experten eine Anlagedauer von fünf Jahren. Wer jedoch früher als geplant an sein Geld will, für den macht sich ein anderer Vorteil dieser Anlageform bezahlt: Die Fondsgesellschaften sind verpflichtet, die Anteile jederzeit zum Tagespreis zurückzunehmen.

Günter Schlösser von der Kölner Vermögensberatung Portfolio Concept sieht zwar die Vorzüge von Immobilienfonds, mahnt aber, vor einem Einstieg die Vermögensstruktur genau zu prüfen: "Viele Leute nehmen ihr eigenes Haus oft gar nicht als Immobilien-Investment wahr. Wenn sie zusätzlich Anteile offener Immobilienfonds kaufen, haben sie in diesem Bereich ein starkes Übergewicht."

Service: (weitere Informationen zum Thema)

www.sebimmoinvest.de


www.haus-invest.de


www.deka.de


www.difa.de


www.westinvest.de


www.hansainvest.de


www.grundbesitz-invest.de


www.iii-fonds.de


www.degi.de


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%