Neue Plattform für börsliches und außerbörsliches Geschäft geplant
Optionsschein-Handel wird transparenter

Der Handel mit Optionsscheinen steht in Deutschland vor einschneidenden Veränderungen: Auf dem weltweit wichtigsten Markt für die so genannten Warrants können Privatanleger bald erstmals Scheine sowohl börslich als auch außerbörslich auf einer elektronischen Plattform handeln.

STUTTGART/FRANKFURT/M. Die Deutsche Börse droht ins Hintertreffen zu geraten: Der vor gut einem Jahr mit großen Hoffnung gestartete Optionsscheinhandel auf der elektronischen Plattform Xetra erweist sich als Flop. Die Frankfurter schafften es bislang nicht, Anleger für ihr System zu begeistern. Über die andere Alternative in der Mainstadt - den Parketthandel - liefen im Juli rund 30 % der Umsätze, die an deutschen Börsen gehandelt wurden.

In Zukunft dürfte es für die Deutsche Börse noch schwieriger werden, Anleger anzuziehen: Denn die Stuttgarter Börse plant zusammen mit der Euwax Broker AG eine neue elektronische Handelsplattform, die deutlich mehr Transparenz für den Privatanleger schaffen soll.

Das neue System bietet für Anleger einen großen Vorteil. Es ermöglicht sowohl den börslichen als auch den außerbörslichen Handel mit Optionsscheinen auf einer Plattform. Das hat es bisher weltweit noch nicht gegeben. Das führt zu einer Preistransparenz, die im außerbörslichen Handel bisher nicht vorhanden war.

Derzeit dominieren eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme den außerbörslichen Optionsscheinhandel - beispielsweise Cats-Os von der Citibank. Die Citibank ist mit einem Marktanteil von über 50 % im ersten Halbjahr 2001 der mit Abstand größte Warrant-Emittent. Mit dem neuen System könnten Anleger sowohl die Preise der Euwax-Händler als auch der Warrant-Emittenten sehen und auf den für sie günstigsten Preis bei ihren Geschäften zurückgreifen, betont Peter Ladwig, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Börse, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Deutsche Börse wollte den Vorstoß aus Stuttgart nicht kommentieren. Es bestünden derzeit keine Überlegungen, den Optionsscheinhandel über Xetra nachzubessern oder einzustellen.

Neun Emittenten haben Teilnahme bereits zugesagt

Insgesamt neun Optionsschein-Emittenten haben bereits zugesagt, sich an der neuen Plattform zu beteiligen, darunter erste Adressen wie die Citibank, BNP Paribas und Société Générale. Damit sind laut Elisabeth Roegele, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Börse, über 80 % des deutschen Optionsscheinmarktes abgedeckt. Bei der Deutschen Bank und Goldman Sachs wird eine Teilnahme an WOW noch geprüft. "Grundsätzlich sind wir offen für neue Möglichkeiten, wenn sie den Markt effizienter und leichter handhabbar machen", sagte Erik Liesenberg von Goldman Sachs. Bei der Prüfung könne sich allerdings herausstellen, dass sich die Anbindung seines Hauses an die Börse Stuttgart effizienter darstellen lasse.

Den teilnehmenden Emittenten gefällt vor allem, dass diese neue Handelsplattform an eine Börse angebunden ist. Damit ist sie ein neutrales Handelssystem mit einer Überwachung und Mindestregulierung. "Wir erwarten einen merklichen Anstieg unseres Handelsvolumens auf Grund der erwarteten weiten Verbreitung des neuen Systems", äußerte sich Rupertus Rothenhäuser von der BNP Paribas.

Der Start von "WOW" wird sich in drei Stufen vollziehen: Ab November/Dezember sollen die Emittenten auf der Plattform sein und direkt mit der Euwax bereits handeln können. Die Anleger bekommen voraussichtlich ab Frühjahr 2002 den Zugang zur Plattform. In einer dritten Stufe ist der internationale Ausbau vorgesehen, zunächst in Europa.

Auf der Internationalisierung ruhen vor allem die Hoffnungen der Emittenten. "Wir müssten dann einen Optionsschein, um ihn weltweit zu handeln, nur einmal listen", schildert Stephanie Kirbach von der Citibank den Vorteil. Noch wollen sich die Stuttgarter auf keinen Termin für den Start der dritten Stufe festlegen. Als mögliche interessante Partner werden die Börsen in der Schweiz, Italien, Frankreich, Hongkong und Australien genannt. Es sind bereits Gespräche über die Möglichkeiten eines Clearings gelaufen. Diese Börsen haben offenbar auch Interesse bekundet.

An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen der Schwaben, das die Plattform betreibt, ist die Stuttgarter Börse zu 51 % beteiligt. Die Gesellschaft wird mit einem Kapital von 6 Mill. ausgestattet. Die Gewinnschwelle soll drei Jahre nach dem Start erreicht werden.

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