Neue Potenzhilfe soll Umsätze in Milliardenhöhe bescheren
Bayer setzt auf Manneskraft

An den Erfolg des Potenzmittels Viagra will der Chemie- und Pharmakonzern Bayer jetzt anknüpfen und mit einem eigenen Mittel mehr als eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr generieren.

FRANKFURT/M. Mit der Potenzpille Viagra landete der US-Pharmakonzern Pfizer vor rund vier Jahren einen echten Treffer. Kaum war das Präparat auf dem Markt, erreichte es in den USA einen Marktanteil von 94,4 Prozent unter den Potenzmitteln. Mit 40 000 Verschreibungen am Tag wurde Viagra im Handumdrehen zum beliebtesten Medikament, das je auf den US-Markt kam.

Bayer bringt im kommenden Jahr ein Konkurrenz-Produkt auf den US-Markt. Das Leverkusener Unternehmen will das neue Medikament, das den Wirkstoff Vardenafil enthält, zusammen mit britischen Pharmakonzern Glaxo Smith Kline vermarkten. Ursprünglich war die Markteinführung der neuen Erektionshilfe "Levitra" bereits für die zweite Hälfte diesen Jahres geplant. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte aber Ende Juli vor der endgültigen Zulassung weitere klinisch-pharmakologische Tests gefordert.

Die Bayer AG erwartet einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro für das neue Medikament. Ob diese Prognose realistisch ist, halten Analysten für schwer abschätzbar. "Das Marktpotenzial ist zwar groß, aber die Frage ist, ob Bayer es schafft, das neue Medikament planmäßig auf den Markt zu bringen. Die erwartete Markteinführung wurde ja bereits um neun Monate verschoben", sagt Petra Meyer, Analystin bei Sal. Oppenheim.

Der US-Konzern Pfizer generiert mit Viagra zur Zeit einen jährlichen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar. Die Erwartungen von Bayer gehen dahin, dass Levitra Marktanteile von Viagra gewinnen kann. Vor allem weil die Zahl der Männer, die unter erektiler Dysfunktion (Potenzschwäche) leiden, nach Bayer-Schätzungen sehr hoch ist. Doch das Thema ist nach wie vor stark tabuisiert. "Wir rechnen damit, dass Bayer zusammen mit Glaxo Smith Kline aufwändige Marketing- und Werbekampagnen starten wird, um dem entgegenzuwirken", erwartet Andreas Theisen, der bei der WestLB die Bayer-Aktie analysiert. Sollten diese Maßnahmen erfolgreich sein, würde sich der Markt weiter öffnen und insgesamt stark wachsen.

Einer von Bayer in Auftrag gegebener Studie zufolge ist Vardenafil verträglicher und hat weniger Nebenwirkungen als Viagra. Nach Angaben des Unternehmens wurden bisher leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen beobachtet. Im Zusammenhang mit Viagra waren dagegen bereits zahlreiche Todesfälle bekannt geworden.

"Die Nachfrage ist ja offensichtlich noch sehr hoch, da wird ein Präparat mit weniger Nebenwirkungen sicherlich einen Wettbewerbsvorsprung erzielen können", erwartet Meyer von Sal. Oppenheim.

Von der Markteinführung des Potenzmittels Viagra profitierte auch die Aktie des weltgrößten Pharmaunternehmens Pfizer: der Kurs stieg innerhalb von zwölf Monaten um über 160 Prozent. Mit so einem starken Kursanstieg für die Bayer-Aktie rechnen Analysten aber nicht. "Bei der Markteinführung von Viagra profitierte Pfizer vor allem von dem First-Mover-Effekt. Diesen Pluspunkt hat Bayer nicht", sagt Theisen von der WestLB.

"Die Umsatzerwartungen für Vardenafil wurden in der Vergangenheit schon im Kurs des Bayer-Papiers verarbeitet. Wenn die Zulassung erteilt wird, hat das zwar sicher einen positiven Effekt auf den Aktienkurs, aber ein Kursfeuerwerk wie bei Pfizer ist nicht zu erwarten", meint auch die Chemie- und Pharma-Analystin Meyer.

Levitra ist zur Zeit der einzige potenzielle Verkaufsschlager, der sich bei Bayer in der Pipeline befindet. Daher sind die Erwartungen an das neue Medikament auch besonders hoch. "Das ist wirklich ein Problem bei Bayer. Sollte die Zulassung nicht erteilt werden, dann wird es in der Pharmasparte von Bayer eine Lücke geben", erklärt die Meyer, deren Einschätzung für das Bayer-Papier "underperform" lautet.

"Bayer ist auf den Erfolg von Levitra angewiesen", meint auch Analyst Theisen. Ohne die Umsätze, die das neue Produkt in den kommenden Jahren bringen soll, wären die Wachstumsraten des Konzerns noch geringer als ohnehin schon.

Zwar plant Bayer weitere Produkteinführungen für 2004 und 2005, doch darunter befindet sich kein potenzieller Blockbuster wie Levitra. Die Abhängigkeit der Pharmasparte von einem Produkt macht die Aktie wenig attraktiv. Zudem ist selbst bei einer erfolgreichen Markteinführung des neuen Potenzmittels nicht mit starken Kurssprüngen zu rechnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%