Neue Produkte werden nicht gut genug vermarktet
Novell vor drastischem Personalschnitt

Novell wird möglicherweise bis zu einem Viertel seiner Belegschaft entlassen. Das Unternehmen habe noch kein Rezept gegen die Konkurrenz durch Microsoft gefunden, sagen Analysten.

PROVO. Der angeschlagene US-Softwarehersteller Novell Inc. plant nach Angaben aus informierten Kreisen, bis zu 1 400 seiner insgesamt 5 500 Beschäftigten zu entlassen. Ziel der Aktion sei es, die Kosten zu senken und so die Profite des Unternehmens wieder auf das gewohnte Niveau zu heben. Der tiefe Einschnitt wird voraussichtlich in der kommenden Woche bekannt gegeben.

Bereits bei der Vorlage der enttäuschenden Ergebnisse für das dritte Quartal 2000 im August hatte Unternehmenschef Eric Schmidt Kostensenkungen angekündigt. Der Gewinn seines Unternehmens mit Sitz in Provo im US-Bundesstaat Utah war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 % eingebrochen. Auch in den beiden vorangegangenen Quartalen waren die Rückgänge schon deutlich gewesen. Besonders in Europa waren die Umsätze geschrumpft. Novell ist im laufenden Jahr bei der Kursentwicklung eines der Schlusslichter unter den im Aktienindex S&P 500 vertretenen Firmen.

Der Grund für die Misere: In seinem Kerngeschäftsfeld sieht sich das Unternehmen seit einiger Zeit starker Konkurrenz ausgesetzt. "Die neuen Produkte sind noch nicht stark genug, das sinkende Umsatzwachstum abzufangen", urteilt Chuck Philips, Analyst beim Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter. Den Umbruch vom Hersteller von Betriebssystemen hin zum Anbieter von Programmen zur Steuerung der Infrastruktur des Internets habe das Unternehmen noch nicht geschafft.

Novell war einst ein dominierender Produzent von Software für Computernetze in Unternehmen, die die gemeinsame Nutzung von Druckern und Dateien steuert. Seit jedoch die neue Version des Betriebssystems Windows NT des Software-Giganten Microsoft Corp. auf dem Markt ist, musste Novell starke Umsatzeinbrüche bei seiner Programmgruppe Net Ware in Kauf nehmen.

Wegen der Schwierigkeiten im Kerngeschäft wendete sich Novell der Software für die Zwischenspeicherung von Daten, so genannter Caching Software, zu. Solche Programme beschleunigen die Lieferung von Inhalten über das Internet. Analysten kritisieren jedoch, dass die Fortschritte der viel versprechenden neuen Produkte durch Probleme mit der alte Software behindert würden. "Addiert man beide Produktgruppen, erhält man derzeit als Summe eineinhalb", sagt Don Young, Analyst beim Investmenthaus Paine Webber. Er rechnet mit der Entlassung von bis zu 1 000 Beschäftigten. Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg sei es, die guten neuen Produkte besser sichtbar zu machen, sagte Young weiter.

Aus Unternehmenskreisen heißt es, um dies zu erreichen, habe man in den vergangenen Monaten alle Möglichkeiten diskutiert. Das reiche von der Ausgliederung der neuen Technologien in eine eigene Firma bis hin zum Verkauf dieser Firma an einen Dritten.

Novell beschäftigt derzeit rund 5 500 Menschen in 35 Ländern, hauptsächlich in den USA, Großbritannien und Indien. Eine Konzernsprecherin lehnte jede Stellungnahme zu Entlassungen ab. Sie sagte zu den geplanten Kostensenkungen: "Wir stecken noch mitten in der Arbeit, es gibt noch nichts anzukündigen."

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