Neue Regeln sollen bei den Anlegern Vertrauen schaffen
Rot-Grün plant neuen Verhaltenskodex für Analysten

Die rot-grüne Koalition will Anleger besser schützen: Wirtschaftsminister Werner Müller plant einen neuen Verhaltenskodex für Analysten. Banken und Verbände reagieren überrascht .

sm/uhl/tmo BERLIN/FRANKFURT. Das Bundeswirtschaftsministerium will "verbindliche Kriterien für die Unabhängigkeit von Analysten" entwerfen. Dies erklärte die neue Staatssekretärin von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, Margareta Wolf, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Analysten sollen nach diesen Plänen nur noch über solche Wertpapiere berichten dürfen, die weder sie selbst noch ihr Arbeitgeber im Portfolio halten. Ziel sei es, Interessenkonflikte zwischen einer objektiven Analyse und der Wertentwicklung eigener Anlagen zu vermeiden, erläuterte die Grünen-Politikerin ihr Vorhaben.

Banken und Interessenverbände reagierten überrascht auf die Pläne. Sie verwiesen auf bestehende Gesetze und auf die Selbstkontrolle der Branche. "Wir haben bereits vor Jahren eigene Standesregeln aufgestellt", sagte Ulrike Diehl, Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). So verurteilt der Verband Geschäfte von Analysten, die mit Kaufempfehlungen den Kurs eigener Aktien beeinflussen wollen. Bei Verstößen kann die verbandseigene Schiedsstelle etwa Geldbußen verhängen. Die seit August bestehende Einrichtung wurde aber noch nicht angerufen.

Auch Thomas Weisgerber, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, wandte sich gegen neue Auflagen. "Soweit Analysten im Rahmen eines staatlich geprüften und überwachten Instituts arbeiten, werden sie bereits mehrfach reguliert", sagte Weisgerber. Er verwies auf die Selbstkontrolle der Banken, die neben der staatlichen Aufsicht bestehe. In vielen Instituten überwacht die so genannte Compliance-Abteilung die internen Regeln. So dürften Analysten in der Regel keine Aktien von Unternehmen halten, die sie unter die Lupe nehmen. Sorge bereiten Weisgerber aber selbst ernannte Analysten, die etwa im Internet unkontrolliert Aktien-Tipps veröffentlichen. Hintergrund der rot-grünen Pläne eines neuen Verhaltenskodexes für Analysten sind die jüngsten Kursturbulenzen, vor allem am Neuen Markt. Die Schröder-Mannschaft befürchtet negative Folgen für das Verhalten von Kleinaktionären und für die Finanzierung der Unternehmen.

Rot-grün will den Kodex allerdings nicht im Alleingang durchboxen. Das Ziel von Bundeswirtsschaftminister Müller sei es, ein "freiwilliges Qualitätssicherungssystem für Analysten zu entwickeln, um dem Vertrauensschwund in Aktien-Analysen zu begegnen", erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministers gegenüber dem Handelsblatt. Müller werde zunächst die einschlägigen Verbände zu einem Gespräch einladen, um Kriterien für seriöse Analysen und Wege zur Durchsetzung solcher Regeln zu erörtern. Er strebe dabei nicht an, eine staatliche Berufsordnung für Analysten vorzugeben, wie es sie beispielsweise für Wirtschaftsprüfer gebe. Vielmehr solle von den Beteiligten ein freiwilliges Qualitätssicherungssystem verabredet werden.



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